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Interview mit Filmemacher Aljoscha Pause: Bonner dreht Doku über einstigen WM-Held Mario Götze

Interview mit Filmemacher Aljoscha Pause : Bonner dreht Doku über einstigen WM-Held Mario Götze

Der Bonner Filmemacher Aljoscha Pause hat eine Doku über den Dortmunder Fußball-Profi Mario Götze gedreht. Sie erscheint auf der Streamingplattform DAZN.

Herr Pause, warum ausgerechnet DAZN?

Aljoscha Pause: Weil die im letzten September auf mich zugekommen sind.

Ist es nicht irgendwie komisch, exklusiv für eine Streamingplattform zu arbeiten? Mit 46 sind Sie ja auch eher die Generation Fernsehen.

Pause: Wir haben vier Folgen mit jeweils 50 Minuten gedreht. Das Fernsehen würde mir diese Länge nicht bieten. Außerdem war das Projekt gut budgetiert. Ich konnte Mario acht Monate lang begleiten, mit Leuten wie Joachim Löw, Matthias Sammer oder Toni Kroos über ihn sprechen, zu Jürgen Klopp nach Liverpool fliegen und mit dem BVB ins Trainingslager nach Marbella. So etwas geht im Fernsehen nicht.

Wer kein DAZN-Abo hat, kann den Film nicht sehen.

Pause: Aber irgendwann später wohl auf DVD.

DAZN ist eigentlich als Rechtekäufer im Fußballbereich und für seine Liveübertragungen bekannt, weniger für Reportagen.

Pause: In dieser Länge ist das auch Neuland für die, eine Art Debüt.

Warum wollte DAZN ausgerechnet Sie – wegen Ihrer bisherigen Filme?

Pause: Die wussten natürlich, was ich schon gemacht hatte. Ich habe dann nicht lange überlegt, obwohl ich ein anderes Projekt unterbrechen musste.

Wie lief die Kontaktaufnahme mit Götze?

Pause: Das hat DAZN geregelt. Wir haben uns beschnuppert, er hat sich meine Filme angesehen und sich für das Projekt geöffnet. Mich interessieren diese nicht-linearen Geschichten.

Der Vierteiler heißt „Being Mario Götze – Eine deutsche Fußballgeschichte“. Wie ist es denn, Mario Götze zu sein?

Pause: Nicht immer leicht, denn es heißt, mit unglaublich viel Talent und frühem Erfolg umgehen zu müssen. Er war ja fast ein Kinderstar, das ist nicht leicht zu verarbeiten. Wenn man so will, ist das der Fluch des maximalen Talents.

Er wirkt oft seltsam reserviert, fast teilnahmslos. Manche sagen: fremdgesteuert.

Pause: Ich dachte immer, der ist ein intelligenter Kerl aus gutem Hause, aber so verdammt kontrolliert. Gebremst. Aber sobald die Kamera aus war, war er total locker. Später auch vor der Kamera. Er kommt in dem Film anders rüber als sonst.

Hört sich nach einem Imagefilm an.

Pause: Nee, das wäre langweilig.

Aktuell fügen Sie noch seine WM-Ausbootung ein. Wie hat Götze das verarbeitet?

Pause: Er war traurig, aber er ist kein Sandro Wagner und wird jetzt nicht zurücktreten. Eigentlich hat er's verstanden.

Als Sie vor acht Monaten anfingen, hatten Sie damals so ein Ende für möglich gehalten?

Pause: Das Ende ist immer offen bei solchen Langzeitprojekten. Bei „Tom meets Zizou“ mit Thomas Broich war das ja noch viel extremer: Junger Hoffnungsträger der Nationalelf, Beinahe-Burn-out in den mittleren Jahren, spätes Glück in Australien. Und, ja, ich hatte mit Mario früh über die Möglichkeit einer Nicht-Nominierung gesprochen.

Ist er mit seiner Karriere zufrieden?

Pause: Er ist stolz darauf, auch wenn in den letzten Jahren vieles zerredet worden ist.

Glauben Sie, von ihm ist noch etwas zu erwarten?

Pause: Der will noch was. Er ist noch nicht satt. Mario ist einer, der macht eher zu viel. Auch nach dem Training. So ist wahrscheinlich auch seine Stoffwechselkrankheit entstanden. Er hat den Stop-Knopf nicht mehr gefunden.