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Bonner Bundesviertel: Initiative sammelt 14.181 Stimmen gegen Hochhauspläne

Bonner Bundesviertel : Initiative sammelt 14.181 Stimmen gegen Hochhauspläne

Eine Initiative mobilisiert im Internet gegen die Rahmenplanung für das Bonner Bundesviertel. Der Rat wird am Donnerstag diskutieren. Bis zum Sonntag wurden auf einer Internetseite rund 14.181 Stimmen gegen die Rahmenplanung gesammelt.

Gegenwind für die Stadtplaner: Eine neue Initiative namens „Bonner Baukultur“ hat bis zum Sonntag auf ihrer Internetseite rund 14 181 Stimmen gegen die Rahmenplanung für das Bundesviertel gesammelt, über die der Stadtrat am Donnerstag beraten soll. Kritisiert wird auf der Internetseite und in großformatigen Zeitungsanzeigen im GA unter anderem die geplante Verteilung künftiger Hochhäuser zwischen Bundeskanzlerplatz und Südbrücke. Mit Verweis auf das „WCCB-Fiasko“ und das „Beethovenhallen-Desaster“ fordert die Initiative, die neuen Hochhäuser lieber rund um den Post Tower zu konzentrieren.

Foto: grafik

Wer genau hinter „Bonner Baukultur“ steht, ist unklar. Verantwortlich ist laut Impressum auf der Internetseite ein Bonner Anwalt, der am Wochenende für den GA nicht erreichbar war. Unterstützt wird die Initiative von Investor Marc Asbeck. „Ich bin aber nicht der Initiator“, betonte er am Sonntag. Asbeck hat zudem einen Brief an die Ratsfraktionen geschrieben. Darin bringt er seine Ablehnung der Rahmenplanung zum Ausdruck. Er argumentiert in dem Schreiben, die Anordnung der Hochhäuser gebe ein chaotisches Bild ab und plädiert für eine Zentralisierung wie beispielsweise in Frankfurt.

Asbeck bestätigte dem GA, dass sein Twisters-Bauprojekt von der vorgelegten Rahmenplanung negativ betroffen sei. Im Brief an den Rat droht er, die Stadt auf Schadensersatz in dreistelliger Millionenhöhe zu verklagen, falls die Rahmenplanung beschlossen würde. „Auf welcher Grundlage er das tun will, ist mir völlig unklar”, erklärte Stadtbaurat Helmut Wiesner diese Woche im Planungsausschuss. Er kündigte an, die Verwaltung werde zu Asbecks Schreiben eine Stellungnahme vorlegen.

Die Rahmenplanung soll als Grundlage dienen, das ehemalige Regierungsviertel in den kommenden Jahren zu einem urbanen Viertel, einer Mischung aus Arbeitsplätzen, Wohnungen, Handel und Kulturangeboten zu entwickeln. Im Planungsausschuss erläuterte Verena Brehm vom beauftragten Architekturbüro Cityförster mit Sitz in Hannover ausführlich Details zu den Ideen und beantwortete die Fragen der Kommunalpolitiker. Hier die wichtigsten Punkte:

Bauliche Planung: Die Grundidee sieht ein Wachstum in die Höhe vor. Cityförster hat Punkte definiert, an denen der Bau von insgesamt zwölf Hochhäusern in den Kategorien ab 40 Metern, zwischen 60 und 80 Metern sowie 100 bis 120 Metern aus Sicht der Planer möglich wäre. Sie liegen auf drei etwa parallel verlaufenden Achsen: zum Rhein hin, an der B 9 und an der Bahntrasse. An der Querung der A 562 wären demnach drei Hochhäuser mit 114 Metern denkbar, unter anderem ein „Labor” genanntes, in dem Raum für Kreative, Kulturschaffende und Forscher geschaffen würde. „Unsere Planung sieht eine merkliche Prägung durch Hochhäuser vor, die über das Bundesviertel verteilt sind”, sagte Brehm. Neubauten sollen nicht mehr als reine Bürogebäude errichtet werden, in ihnen sollen zugleich Wohnungen entstehen. Die beplante Fläche von 500 Hektar (rund 600 Fußballfelder) umfasse derzeit 2,8 Millionen Quadratmeter Geschossfläche. Eine Steigerung auf 3,7 Millionen wäre laut Brehm möglich. Aktuell existierten im Bundesviertel 45 000 Arbeitsplätze, 4000 Menschen leben dort weitgehend in reinen Wohnvierteln (beispielsweise im Johanniter-Viertel). Brehm sieht Potenzial für 16 000 weitere Beschäftigte und 7000 weitere Bewohner.

Verkehr: Die Mischung von Arbeit und Wohnen soll einen Teil des Verkehrs vermeiden. Doch wäre schon angesichts der Zahlen, die mehr zusätzliche Beschäftigte als Einwohner prognostiziert, klar, dass der Pendelverkehr eher zunehmen werde. Das Mobilitätskonzept beinhaltet nicht nur die Seilbahn auf den Venusberg, die projektiert ist, aber von der nicht klar ist, ob sie kommen wird (die Kosten-Nutzung-Analyse ist noch nicht veröffentlicht). Cityförster hat sich weiträumiger mit Ideen für eine Verkehrslenkung mit dem Nahverkehr, Umstiegsmöglichkeiten und dem Ausbau von Radwegen befasst. Den Gedanken sogenannter Mobilitätshubs, also Umstiegshäusern in der Nähe von Bahnhöfen oder wichtigen Haltestellen (wie dem UN-Campus), in denen Räder, Leihroller oder -autos zur Verfügung stehen, greift die Planung auf. Solche Hubs wären, so Brehm, auch vor den Toren Bonns sinnvoll (Regiohubs), damit Autofahrer gar nicht erst in die Stadt fahren. Das zugrundeliegende Prinzip im schon heute stark mit Verkehr belasteten Bundesviertel: weg vom Auto.

Urbanität: Die Planung von Cityförster sieht „urbane Mitten“ vor, in denen Marktplätze entstehen – mit Handel, Kultur- oder Fitnessangeboten sowie Gastronomie. Das ehemalige Regierungsviertel hat in dieser Hinsicht aktuell nicht viel zu bieten und ist zu abendlicher Stunde vielerorts wie ausgestorben.

Grünzonen: Die bauliche Verdichtung soll flankiert werden von Begrünung. Cityförster hat dafür den Begriff „freiräumen“ erdacht. Die bereits bestehende Grünbrücke zwischen Südfriedhof und Rheinaue, die unangetastet bleibt (sie steht unter Denkmalschutz), wäre dafür auszubauen. Vor allem aber, betonte Brehm, seien die Alleen stärker zu bepflanzen, um Naherholungsräume zu schaffen.

Verbindlichkeit: Planungsdezernent Wiesner stellte nach Brehms Vortrag klar, dass eine Rahmenplanung nicht in Stein gemeißelt sei. Sie sei zwischen Flächennutzungsplan und Bebauungsplänen angesiedelt. Die Rahmenplanung, sollte sie beschlossen werden, ist also eine Leitlinie, keine konkrete Handlungsvorgabe. Sie ersetzt keinen Bebauungsplan, auf den eine Bürgerbeteiligung zwingend folgen muss. Auch die Angaben zu Höhen oder genauen Standorten dienten der Orientierung: „Die Rahmenplanung ist keine unumstößliche Grundlage”, sagte Wiesner.

Diskussion: Die Meinungen der Planungspolitiker gehen auseinander. Während die Planung auf Elisabeth Struwe (Allianz für Bonn) „chaotisch wirkt”, empfand Gabriel Kunze von der SPD gerade die in der Fläche verteilten Hochhäuser als angenehm: „Ein Frankfurt am Rhein will ich nicht haben.” Bert Moll (CDU) sieht „markante Strukturpunkte”. Es sei richtig, mit einer strukturierten Planung das Bundesviertel in ein neues Zeitalter zu führen. Sowohl Hartwig Lohmeyer (Grüne) als auch Helmut Redeker (SPD) sprachen sich für einen deutlich höheren Anteil an Wohnungen aus. Lohmeyer sagte, die Grünen wollten einen Paradigmenwechsel mit mehr Wohnraum. Marcel Schmitt sieht im Bundesviertel die „Grenzen des Wachstums” erreicht. Der Bürger Bund Bonn lehne eine weitere Verdichtung in dieser Form ab. Das Gremium befasste sich in erster Lesung mit der Planung, fasste also keinen Beschluss.