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Kitas und offene Ganztagsschulen: Bonner beantragen in der Corona-Krise etwas häufiger eine Kinderbetreuung

Kitas und offene Ganztagsschulen : Bonner beantragen in der Corona-Krise etwas häufiger eine Kinderbetreuung

Während der Coronaskrise halten die Notgruppen der Bonner Kitas und offenen Ganztagsschulen Kontakt zu den Kindern und Eltern daheim. Die Nachfrage nach Kinderbetreuung im Stadtgebiet hat etwas zugenommen.

Die Nachfrage nach Kinderbetreuung hat im Stadtgebiet etwas zugenommen, seit das Land die Regelungen für berechtigte Familien vor zwei Wochen gelockert hat. Nach Auskunft der Stadt wurden – Stand 20. März – 211 Kinder in Kitas betreut. An diesem Freitag ergab eine Abfrage 350 betreute Kinder in den Kitas und 40 in der Tagespflege, wie Jugendamtsleiter Udo Stein mitteilte. Normalerweise seien es mehr als 13.000 Kinder, die in öffentlich geförderten Kitas untergebracht sind. Die Landesregierung hatte den Kreis derjenigen erweitert, die eine Notbetreuung in Anspruch nehmen können: Es reicht nun, wenn nur ein Elternteil in einem „systemrelevanten Beruf“ arbeitet wie beispielsweise als Feuerwehrmann, als Erzieher, Pfleger oder im Heizkraftwerk.

Sowohl die Stadt als auch das Familienzentrum Rheinviertel als freier Träger mehrerer Kitas für die katholische Kirche in Bad Godesberg haben keine Probleme die oft kleinen Gruppen zu betreuen. Beim Einsatz von Erzieherinnen und Erziehern sind Risikogruppen wie Angestellte über 60 Jahre und solche mit Vorerkrankungen außen vor.

Bastelanleitungen und Filme für Kinder zu Hause

Heike Dohm-Acker, Leiterin der zum Familienzentrum gehörenden Kita Walter-Möhren von St. Georg, sagte: „Wir versuchen, allen Eltern eine Hilfe zu sein, bieten Hilfe an, wo wir können.“ Die Daheimgebliebenen bekommen zweimal in der Woche Impulsideen, mit Bastelanleitungen oder einem Kasperletheaterfilm. Die Katholische Jugendagentur (KJA) und die Diakonie als freie Träger von offenen Ganztagsschulen konstatieren ebenfalls einen gestiegenen Bedarf an Betreuung, „der von Tag zu Tag anders sein kann“, so Eva Plettenberg von der KJA.

Durch Schichtdienste der Eltern komme es auch zu stundenweiser Betreuung am Nachmittag. Ähnliches berichtet Andrea Hillebrand für die fünf Schulen der Diakonie: Statt zu Beginn der Schulschließungen fünf betreuten Kinder seien es nun etwa zehn. „Viele versuchen die Betreuung privat zu organisieren“, erklärte Hillebrand. Um den Kontakt zu diesen Familien nicht abbrechen zu lassen, würden Mitarbeiter Briefe schreiben.

Wie Plettenberg sagte, versuche die KJA Erzieher, die berechtigte Sorge vor einer Ansteckung haben, weil sie – beispielsweise – die eigenen Eltern zu pflegen haben, nicht in Gruppen einzusetzen. Den Dienst verweigern dürften allerdings nur Mitarbeiter, die zur Risikogruppe gehörten, erklärte Stadtsprecherin Hörig auf Nachfrage. Der Bonner Arbeitsrechtler von der Uni Bonn, Raimund Waltermann, sagte dazu: „Es gibt kein allgemeines Recht, bei Ausbruch einer ansteckenden Krankheit nicht zur Arbeit zu erscheinen.“ Eine Unzumutbarkeit könne aber vorliegen, „wenn Beschäftigte Angehörige haben, mit denen sie in einer Hausgemeinschaft leben und die zu einer Risikogruppe gehören“. In einem solchen Fall gebe es aber keinen Anspruch auf einen Arbeitslohn.