Geschichte: Bonner Bauvereine holten die Menschen aus den Baracken

Geschichte : Bonner Bauvereine holten die Menschen aus den Baracken

Der Hauptstadt-Bauboom führte 1950 zur Gründung der Vebowag. In Bad Godesberg begann der gemeinnützige Wohnungsbau schon vor 100 Jahren.

Nach dem Zweiten Weltkrieg herrschte überall Wohnungsnot, doch in Bonn verschärfte die Wahl zur Bundeshauptstadt die Situation. Es waren die Bonner Handwerker, die am Bauboom für Ministerien und Botschaften teilhaben wollten und daher am 18. April 1950 die Gemeinnützige Bonner Wohnungsaktiengesellschaft (Gebowag) ins Leben riefen.

Damals übernahm die Stadt Bonn einen Anteil von 55 Prozent an der neuen Gesellschaft, die vornehmlich die einkommensschwachen Bevölkerungsgruppen mit hochwertigem und zugleich bezahlbarem Wohnraum versorgen sollte, so die Chronik des Unternehmens. Bis 1959 baute die Gebowag fast ausschließlich Bundeswohnungen. Das Ziel: Mieter aus den neuen Behörden sollten nicht auf den allgemeinen Wohnungsmarkt drängen und dort die Preise kaputt machen.

In den 1960er Jahren wurde der öffentlich geförderte Wohnungsraum zum Kerngeschäft. Es galt, Familien mit geringem Einkommen zu versorgen, ebenso Flüchtlinge und Kriegsvertriebene, die noch in provisorischen Baracken lebten.

Teile der heutigen Vebowag reichen sogar in die Zeit nach dem Ersten Weltkrieg zurück. Das gesamtstädtische Unternehmen ist nämlich erst nach der kommunalen Neuordnung aus einem Zusammenschluss der Wohnungsunternehmen aus Bonn, Beuel (1949 gegründet) und Bad Godesberg entstanden. Am 17. Juli 1970 war alles unter Dach und Fach.

Godesberger Bauverein reagierte schon 1918 auf Wohnungsnot

Bereits 1918 wurde in Bad Godesberg der Gemeinnützige Bauverein ins Leben gerufen, um einer „vorauszusehenden Wohnungsnot“ zu begegnen, wie es in den Verwaltungsberichten heißt. Soldaten und Deutsche im Ausland kehrten zurück, sodass Wohnungen knapp wurden.

Der Bauverein wurde laut GA-Archiv mit einem Stammkapital von 201 Papiermark gegründet und von 53 Gesellschaftern gezeichnet. Jeder, der in Bad Godesberg Rang und Namen hatte, war dabei: Kaufleute, Ärzte, Architekten, Beamte und Pensionäre. Auf einem preiswerten Baugelände an der Pionierstraße wurden 1919 die ersten Kleinwohnungen gebaut. Die zunehmende Geldentwertung machte der neuen Gesellschaft zu schaffen.

Trotzdem konnte sie in den ersten 20 Jahren 27 Häuser mit 42 Wohnungen bauen, und zwar Im Bendel, an Wörthstraße, Diederichstraße und Truchseßstraße. „Mit dem Ende des Zweiten Weltkriegs kamen erneute Wohnungsnot, neue Flüchtlinge und bald auch der Zuzug der Ministerialbürokratie in die neue Bundeshauptstadt Bonn“, heißt es im Bericht. Man begann mit dem Ausbau von Dachgeschossen, teilte Wohnungen und musste zwischenzeitlich auch Übergangsheime schaffen. Bis 1959 entstanden alleine in Bad Godesberg insgesamt 364 Häuser mit 1532 Wohnungen.

Es wurde beim Bau neuer Siedlungen in den 1960er Jahren zunehmend Wert auf Grünanlagen und Spielplätze gelegt. „Aber das Ziel, familiengerechte Wohnungen zu erschwinglichen Preisen zu bauen, war bei steigendem Wert des Baulandes nur noch schwer zu verwirklichen.“ Ein Satz, der für den Bonner Wohnungsbau noch genauso aktuell ist wie vor knapp 60 Jahren.

„Mitgift“ des alten Godesberger Bauvereins an die neue Vebowag waren 1970 auch etliche Wohnungen, die bereits in Planung oder im Bau waren. „Am weitesten gediehen sind die 84 Wohnungen in Mehlem, die nach Plänen von Diplomingenieur Peter Rieck für alte Menschen, Verkehrsverdrängte sowie für noch unzureichend untergebrachte Familien aus dem anderen Teil Deutschlands gebaut werden“, heißt es in einem Bericht von 1970. 31 Ein- und Zweifamilienhäuser hatte der Godesberger Bauverein vor dem Zusammenschluss noch an jahrzehntelange Mieter verkauft.

In den 1980er Jahren schließt die Vebowag Baulücken

Der Bauboom ebbte ab, von 1976 bis 1980 wurden nur noch 186 Wohnungen gebaut. In den 1980er Jahren schloss die Vebowag Baulücken im Stadtgebiet, zum Beispiel in der alten Handwerkersiedlung am Florentiusgraben und an der Clemens-August-Straße in Poppelsdorf. Ebenso wie der Anfang der Hauptstadtära hatte auch deren Ende Auswirkungen auf die Vebowag. 1998 übernahm das städtische Unternehmen Wohnungen in der ehemaligen Amerikanischen Siedlung in Plittersdorf. Auch wenn die Botschaftsmitarbeiter und viele Bundesbeamte weg sind – der Wohnungsmarkt hat sich nicht entspannt.

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