Kritisches Doppel-Theaterprojekt: Bonner auf Goldjagd durch die Stadt

Kritisches Doppel-Theaterprojekt : Bonner auf Goldjagd durch die Stadt

Beim Doppel-Theaterprojekt zwischen Bonn und Burkina Faso ging es auf einer Smartphone-Schnitzeljagd durch die Stadt. Dabei drehte sich alles um Gold und wie mühsam es in Afrika geschürft wird.

Die Bonner Studenten Lorena, Roman und Tabea hatten bereits eine goldene Morgendämmerung nachgestellt und goldene Süßigkeiten in Bonn gesucht, bevor sie am Bottlerplatz in das Golden-City-Mobil stiegen: Mit ihren Freunden waren sie in Bonn auf „Gold-Jagd“ und ließen sich mit einer Smartphone-App durch 32 Stationen leiten. Eingeladen zur Schnitzeljagd hatten das Theater Bonn und das fringe ensemble.

Roman und Tabea hofften durch die Teilnahme auf den Gewinn einer Gastrolle im Stück „Brillante Saleté – Glänzender Dreck“. Die Inszenierung der Bonner Theaterschaffenden in Kooperation mit dem Kulturzentrum von Burkina Faso, dem Espace Culturel Gambidi, wurde bereits dort aufgeführt und kommt nun nach Bonn. Mit „Golden City“ startete das Ensemble dann auch die Recherche für das nächste Stück des Doppel-Theaterprojektes: „Lieber Gold im Mund als Porzellan im Safe“ wird im Dezember in Bonn uraufgeführt.

Frank Heuel ist Theaterregisseur und Agrarwissenschaftler. 2017 reiste er für ein Projekt in das westafrikanische Land und stieß auf Städte aus Plastikzelten, in denen teilweise 20.000 Menschen leben. „Wenn in Burkina Faso Gold gefunden wird, dann stoppen die Menschen ihre Landwirtschaft, und die Jugendlichen hören auf zur Schule zu gehen. Sie richten alles auf die Suche nach Gold und ziehen von Mine zu Mine“, meinte Heuel.

Auf dem Bottlerplatz hatte er Bilder ausgestellt, auf denen ganze Landschaften voller Löcher zu sehen waren – Eingänge zu den Schächten, in die Bewohner der Plastikstädte täglich hinabsteigen, um Gold abzubauen. Ein großer Teil davon landet über den Schwarzmarkt in Europa.

Mit „Brillante Saleté“ wollten Heuel und seine Kollegen auf die Missstände um Goldminen in Burkina Faso aufmerksam machen. Das nun folgende Stück sucht einen anderen Zugang zum Thema Gold. „Wir wollen Haltungen“, brachte es Claudia Grönemeyer vom fringe ensemble auf den Punkt. Tabea verbindet Gold mit ihrer Zeit als Messdienerin: Nicht nur die Kelche seien golden, überhaupt gebe es in den Kirchen viel von dem Edelmetall. „Das repräsentiert den Himmel und die Heiligkeit“, sagte sie im Golden-City-Mobil.

Lorena und Roman erinnerten sich an den goldenen Schmuck ihrer Großmütter. Mit dem Projekt möchten die Bonner Theaterleute die Kluft zwischen der Bedeutung von Gold in verschiedenen Ländern, aber auch die grenzübergreifende Faszination zeigen.

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