Bürgerdienste der Stadt Bonn: Bonner ärgern sich über lange Wartezeiten

Bürgerdienste der Stadt Bonn : Bonner ärgern sich über lange Wartezeiten

Der Unmut über die städtischen Bürgerdienste hält nach wie vor an. Immer noch erreichen den General-Anzeiger Leserzuschriften, in denen Bürger sich über zu lange Wartezeiten beschweren, bis sie endlich einen Termin erhalten.

Ab März zehn neue Stellen

Wer zum Beispiel aktuell einen Personalausweis beantragen will, erhält vor Mitte Mai keinen regulären Termin. Und selbst wer noch ad hoc im Internet einen Termin für den selben Tag ergattert, kann dennoch leer ausgehen. Das erlebten jetzt Willi Wey und seine Tochter Maria.

Die 16-Jährige erfuhr am Montag, dass sie doch noch an einer Auslandsfahrt ihrer Schule nächste Woche teilnehmen kann. Eine Teilnehmerin war erkrankt. Maria stellte am Dienstag aber fest, dass ihr Personalausweis am 11. Februar abgelaufen war. Vater Willi rief umgehend bei der Stadt an und erfuhr von der Möglichkeit, morgens vor acht eventuell noch online einen freigewordenen Termin für den selben Tag reservieren zu können. Ansonsten solle er mit der Tochter sofort ins Bürgeramt kommen und vor Ort sein Glück versuchen.

Am Mittwochmorgen kurz vor acht Uhr fand Wey dann in der Tat online noch einen freien Termin für den Vormittag. Doch die Freude währte nur kurz. Anstatt einer Bestätigung erhielt er die Info, die Zeit sei für sein Anliegen zu kurz. Daraufhin holte er seine Tochter aus der Schule ab und fuhr mit ihr samt einem Nachweis der Flugbuchung für nächsten Montag zum Stadthaus. Erneut gingen sie leer aus. „Man sagte mir, es würden zurzeit nur Leute bedient, die noch am gleichen Tag wegfliegen wollen. Ich solle am nächsten Tag wiederkommen. Man könne mir aber nicht garantieren, ob es dann klappt. Das ist ja wie eine Odyssee.“

Online-Buchungen eng getaktet

Vize-Stadtsprecher Marc Hoffmann erklärte, die Online-Buchungen seien eng getaktet. Wenn dann zwei Kunden zufällig gleichzeitig hintereinander liegende Termine buchten, könne es je nach Aufwand für das entsprechende Anliegen durchaus sein, dass einer nicht zum Zuge kommt. Darüber kann Wey nur mit dem Kopf schütteln. „Mit Bürgernähe hat das doch nicht mehr viel zu tun“, meinte der promovierte Ethnologe. Er will mit Tochter Maria heute erneut sein Glück versuchen.

Besser im Griff hat die Stadt Bonn anscheinend die Bedienung der Kunden im Dienstleistungszentrum selbst: Zwar bilden sich dort am Morgen weiterhin täglich lange Schlangen vor dem Infoschalter, doch können die Wartenden in der Regel schnell bedient werden.

„Ich habe keine 15 Minuten gebraucht, um meinen internationalen Führerschein abzuholen“, sagte Erika Fischer, die an einem Wochentag kurz nach acht ins Bürgeramt gekommen ist. Allerdings: Zweieinhalb Monate musste die 48-Jährige warten, bis sie überhaupt ihr Anliegen im Bonner Dienstleistungszentrum vortragen konnte. Genauso lange musste die 18-jährige Schülerin Alisa warten, bis sie sich ummelden konnte. „Das kann eigentlich nicht sein“, meinte die Schülerin. Denn: Wer den Wohnsitz wechselt, muss sich laut Einwohnermeldegesetz binnen zwei Wochen ummelden.

Auch dafür hat Hoffmann eine Erklärung parat: „Grundsätzlich ist es möglich, sich innerhalb der rechtlich vorgesehenen Frist anzumelden. Bei allen Anmeldungen, egal zu welchem Zeitpunkt sie erfolgen, wird der anhand der Wohnungsgeber-Bescheinigung nachgewiesene Einzugstermin als Anmeldedatum im System erfasst“. Den Kunden entstünden also durch die spätere Anmeldung keine Nachteile.

Ein „Verstoß“ gegen die Meldefrist stelle zudem lediglich eine Ordnungswidrigkeit dar, die von der Stadt Bonn in der Vergangenheit nur in besonderen Ausnahmefällen geahndet wurde. Etwa, wenn jemand nachgewiesenermaßen seit Jahren in Bonn wohnt und sich nicht umgemeldet hat. Hoffmann: „Wer sich rechtzeitig um einen Termin bemüht, der angebotene Termin aber außerhalb der 14-Tages-Frist liegt, hat somit in dieser Hinsicht nichts zu befürchten.“

Verwaltung: Wartezeiten sind immer noch deutlich zu lang

Trotzdem ist man sich bei der Stadtverwaltung einig: Die bisherigen Wartezeiten der Bürger auf einen freien Termin sind immer noch deutlich zu lang. Verschärft hat sich die Lage Hoffmann zufolge aktuell auch durch einen erneut hohen Krankenstand: 24 Mitarbeiter des Dienstleistungszentrums waren gestern krankgemeldet.

Indes: Besserung ist in Sicht. So sollen die 115 Mitarbeiter im Dienstleistungszentrum im Stadthaus demnächst Verstärkung bekommen. Ab März sollen zehn weitere Kollegen im Bürgeramt eingesetzt werden, darunter sechs Auszubildende, die ihre Ausbildung in diesem Jahr beenden.

In Notfällen, etwa wenn eine Reise kurz bevorsteht und man ein Ausweisdokument benötigt, kann man sich unter der Rufnummer 0228/776677 oder persönlich an der Anmeldung des Dienstleistungszentrums melden. Es ist laut Presseamt sinnvoll, Nachweise – etwa eine Reservierungsbestätigung für den Flug – mitzubringen, um einen „Notfalltermin“ zu erhalten.

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