Aktion gegen Unfälle: Bonn wirbt für Sicherheitsabstand zu Radlern

Aktion gegen Unfälle : Bonn wirbt für Sicherheitsabstand zu Radlern

Nach der Polizei wirbt nun auch die Stadt Bonn mit dem ADFC für einen Sicherheitsabstand zwischen Autos und Fahrradfahrern. So sollen die Unfallzahlen sinken.

Autofahrer müssen einen Sicherheitsabstand von mindestens anderthalb Metern halten, wenn sie Fahrradfahrer überholen. Zwei Meter sind es sogar bei radelnden Kindern und Erwachsenen mit besetztem Kindersitz. Die Stadt steigt nun in eine Informationskampagne mit ein, die am Donnerstag auf den Parkplätzen des Stadthauses vorgestellt wurde.

Den Mindestabstand zu kontrollieren, sei kaum möglich, sagte Polizeisprecher Frank Piontek. So bleibe den Beamten nur, dafür zu werben. Seit vergangenem Jahr tut sie das in Kooperation mit dem Bonner Allgemeinen Deutschen Fahrradclub (ADFC) und versieht dabei zum Beispiel Dienstfahrzeuge mit Aufklebern. Die Stadt schließt sich dem jetzt an und bestückt künftig alle Wagen des ihres Fuhrparks mit solchen Hinweisen.

Das sei auch vor dem Hintergrund der kürzlich veröffentlichten Unfallzahlen wichtig, findet ADFC-Verkehrsplanungssprecher Werner Böttcher. Danach verunglückten deutschlandweit 2018 mehr Radfahrer tödlich nach Kollisionen mit motorisierten Fahrzeugen als in den Jahren davor. Als Grund nannte das Bundesinnenministerium, dass mehr Menschen mit dem Fahrrad unterwegs seien.

Das gilt auch für Bonn: Die Zählstellen verzeichneten im vergangenen Jahr laut Stadt rund 900 000 Radfahrer mehr als 2017 – ein Anstieg um 12,5 Prozent. Insgesamt ist der Anteil der Radfahrer am Stadtverkehr von zwölf auf 15 Prozent geklettert, gab Helmut Haux, Leiter der Abteilung Verkehr im Stadtplanungsamt, an.

Einen weiteren Grund für erhöhte Unfallzahlen sieht Böttcher auch in den immer neuen Wohngebieten. Die Fahrradinfrastruktur könne nicht mit der Einwohner- und Verkehrsentwicklung Schritt halten. Die Stadt tue ihr Möglichstes, um nachzubessern, so Haux, etwa mit Radschnellrouten, Mobilstationen und Ausbesserungen der Radwege. Das Problem: Man könne keinen neuen Platz schaffen, sondern müsse den vorhandenen neu verteilen – vor allem zu Lasten der Fahrbahn.

Das Thema Sicherheitsabstand sei ein Dauerproblem, sagte die Bonner ADFC-Vorsitzende Annette Quaedvlieg. Haux riet, sich auf Radwegen nicht möglichst weit rechts zu halten, sondern selbstbewusst die ganze Fahrstreifenbreite auszunutzen. Das könne Autofahrer von gewagten Überholmanövern abhalten.

Bei der Bonner Polizei zieht man derweil nach gut einem Jahr ein positives Fazit. Es habe viel positives Feedback von Radfahrern, aber auch von anderen Verkehrsteilnehmern gegeben, teilte die Pressestelle des Bonner Präsidiums mit. Man stelle fest, „dass das Thema in die Köpfe kommt“. Aber aus der Welt sei es nicht. Gerade an Stellen mit viel Verkehr werde der Sicherheitsabstand oft nicht eingehalten.

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