Bonn: Vom Venusberg ist das Siebengebirge kaum zu sehen

Siebengebirge ist kaum zu sehen : Bäume verstellen den Panoramablick am Venusberg

Auf dem Venusberg verstellen die Bäume den Panoramablick auf das Siebengebirge. Wer in die Ferne schauen will, muss geduldig sein, denn die Stadt möchte frühestens im Jahr 2021 ein paar Stellen freischneiden.

Die Ortsbezeichnung „Berg“ verspricht – weil von oben – Aussicht auf die umliegende Landschaft. Immerhin steht der Venusberg mit rund 170 Metern Höhe gut hundert Meter über der Bonner Innenstadt. Wer aber Panorama erwartet, wird enttäuscht. Spaziergänger beklagen das, so auch Hermann Schulte-Coerne.

„Jetzt fallen die Blätter, und man kann wieder ahnen, welche grandiosen Ausblicke man vom oberen Venusbergrand hinunter ins Rheintal genießen könnte“, sagt er. Doch leider würden sich Ausblicke auf wenige Stellen beschränken – wegen hochgewachsener Bäume und Gebüsch. Lediglich bei der Casselsruhe, unterhalb der Mensa der Uniklinik und am Dottendorfer Jugendkreuz, kann der Blick in die Ferne schweifen. Zumindest ein bisschen.

 „Die Sichtwinkel bei der Casselsruhe und bei der Uni-Mensa sind aber schon sehr schmal geworden, so dass ein zusammenhängendes Panorama vom Ölberg zum Drachenfels oder gar zur Godesburg nicht mehr möglich sind“, sagt Schulte-Coerne. Der ehemals vorhandene und einzige Ausblick auf die nördlichen Stadtteile zwischen Casselsruhe und Kaiser-Wilhelm-Denkmal sei komplett zugewachsen.

Zwar stehen malerisch unter alten Eichen zwei Bänke zum Rheintal hin, der Blick endet jedoch im grünen Blättervorhang. Allenfalls vorbeilaufende Hunde würden einen Abstecher zu den Bänken machen. Warum sie das tun, soll an dieser Stelle aber nicht das Thema sein.

Anlässlich der Machbarkeitsstudie zur Seilbahn auf den Venusberg von 2017 war für die Gutachter auch die Attraktivität für Touristen als potenzielle Fahrgäste ein untersuchter Aspekt. Sie kommen zu dem Ergebnis, dass es „keine komplette Aussichtsmöglichkeit auf das Rheintal gibt“. Selbst von relativ guten Standorten seien „bedingt durch die Bäume des Venusberghangs nur punktuelle Sichten möglich“. An der Hangkante entlang verläuft der Rheinhöhenweg, der in Bonn beginnt. Laut Machbarkeitsstudie ist dieser Teilabschnitt geringer besucht. „Möglicherweise liegt das an den fehlenden Aussichtsmöglichkeiten“, so die Bewertung.

Gutachter haben Attraktivität für Touristen untersucht

Für Spaziergänger Schulte-Coerne stellt sich nun die Frage, ob kein Interesse daran besteht, das touristische Potenzial des Venusbergs stärker zu nutzen, ob es rechtliche Gründe gibt und wer überhaupt zuständig ist? Auf Nachfrage des General-Anzeigers im Stadthaus kündigt die Fachverwaltung an, sie verfolge das Ziel, in den kommenden Jahren die wichtigsten Sichtachsen wieder so freizustellen, dass Rund- und Ausblicke möglich sind. Voraussetzung sei ein „vertretbarer Arbeitsaufwand.“ Die Priorität der Forstwirtschaft im Stadtwald „liegt aktuell im sehr zeit- und arbeitsaufwendigen Umgang mit den Klimaschäden“, so das Presseamt.

Darunter fallen etwa die Beseitigung abgestorbener Bäume und vom Borkenkäfer befallener Waldstücke sowie die Aufforstung nach Sturmschäden. Also könnte das Freischneiden der Sichtachsen frühestens im Winterhalbjahr 2020/21 in Angriff genommen werden – vorausgesetzt, dass keine weiteren Sturmschäden die Prioritäten verschieben.

Sitzgelegenheiten, um das in Aussicht gestellte Panorama zu genießen, werden laut Presseamt später dann im selben Arbeitsgang aufgestellt.