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Bonn: Unterschriftenaktion gegen Sperrung der Rathausgasse gestartet

Testphase des Cityrings : Aktion gegen Sperrung der Rathausgasse gestartet

Geschäftsleute sind vom Durchfahrtsverbot in der Rathausgasse genervt. Sie fordern eine bessere Aufklärung seitens der Stadt und haben nun eine Unterschriftenaktion ins Leben gerufen.

Die Rathausgasse darf seit September aufgrund der Testphase des erweiterten Cityringes nicht mehr befahren werden. Vom Fahrverbot ausgenommen sind Busse, Taxen, Lieferverkehr und Anlieger. Letztere fühlen sich nicht gut genug aufgeklärt. Viele Nichtanlieger würden das Fahrverbot weiterhin missachten.

Das Bild zeigt sich auch kurz vor Heiligabend. Viele Bonner wollen zum Weihnachtsmarkt und noch die letzten Geschenke besorgen. Als ein kürzester und schnellster Weg in Richtung Bahnhof erscheint vielen die Rathausgasse. Trotz des vorläufigen Durchfahrtsverbots fahren noch immer viele Autofahrer in die Gasse. Alleine beim Besuch des GA in der Rathausgasse fuhren innerhalb einer halben Stunde 86 Fahrzeuge durch die eigentlich gesperrte Straße. Wie viele davon Anlieger waren, lässt sich nicht ermitteln. Hinzu kamen 28 Busse und sieben Taxen.

Wer aus der Nordstadt kommend als Anlieger in die Gasse fahren möchte, dürfte zunächst überrascht werden, denn die Pfeile zum Linksabbiegen wurden hier durchgestrichen. Eine Autofahrerin, die aus beruflichen Gründen in die gesperrte Straße muss, findet diese Maßnahme irritierend. „Die Pfeile sind so auf dem Asphalt aufgebracht, dass hier niemand durchfahren dürfte“. Am Eingang der Rathausgasse weisen gleich zwei Verkehrsschilder auf das Durchfahrtsverbot für Fahrzeuge und Motorräder hin. Erlaubt ist die Zufahrt zu privaten Parkplätzen, der Lieferverkehr sowie Busse und Taxen dürfen die Strecke auch passieren. Zudem weisen zwei weitere Schilder auf eine 30er Zone hin.

Bei einigen Autofahrern hat es den Anschein gemacht, dass sie bewusst falsch in die Rathausgasse gefahren sind: Mit viel zu hohem Tempo fahren sie die Straße in Richtung des Bahnhofes. Ortsfremde Autofahrer vertrauen auf ihr Navigationssystem. Ein Autofahrer aus München bleibt abrupt vor den Schildern stehen und wendet aus der gesperrten Straße wieder auf den Belderberg. Andere schaffen das Manöver nicht, da sie von den Verkehrsteilnehmern im Rücken förmlich in die Gasse gehupt werden.

Kunden fahren Privatparkplatz nicht mehr an

Hat man die Einmündung zur Rathausgasse hinter sich gelassen, befindet sich auf der linken Seite der Parkplatz am Viktoriabad. Dogan Wilden ist hier Aufseher. „Das ist ein privater Parkplatz, deswegen dürfen die Autofahrer auch weiterhin in die Gasse reinfahren und hier parken“, erklärt der Bonner. Und doch sei die neue Testphase für den Parkplatz „geschäftsschädigend“, wie Wilden berichtet. „Seitdem das Schild da ist, denken die Kunden, dass sie hier nicht mehr reinfahren dürfen.“

Auch die regelmäßigen Kontrollen der Polizei hätten ihre Wirkung gehabt. „Die Polizei lässt hier keinen rein, die stehen meist am Zufahrtsschild“, erzählt Wilden. Er selbst sei auch schon von den Beamten aufgehalten worden und hatte nur nach langen Diskussionen zu seiner Arbeit gelangen können. „Bei Kontrollen prüfen wir auch, ob ein berechtigtes Interesse zum Befahren der Rathausgasse vorliegt. Unsere Einsatzerfahrungen, hierzu gehört auch der Austausch mit Anwohnern, fließen in die Erörterung von Problemstellungen ein, die in der Projektgruppe gemeinsam mit der Stadt Bonn thematisiert werden“, erklärte Simon Rott von der Bonner Polizei. Anwohner könnten mit ihrem Ausweis belegen, dass sie Anlieger der Straße sind.

Von Einschränkungen bei der Zufahrt seien auch langjährige Kunden betroffen. „Wir haben Monatsparker, die hier teilweise nicht mehr reinkommen.“ So seien, laut Wilden, viele Kunden verunsichert und würden sich nicht mehr zum Parkplatz trauen. „Ich muss bei vielen Überzeugungsarbeit leisten, dass sie hier weiterhin parken können“, so Wilden.

Die neue Verkehrsführung des City-Rings. Foto: Grafik

Wegen der „erheblichen Verluste“ wollen die Unternehmer in der Rathausgasse nun mit einer Unterschriftenaktion gegen das Verbot vorgehen, wie Wilden erzählt. „Wir wollen der Stadt einen Brief schreiben“. Ärgerlich findet der Angestellte zudem, dass trotz Einschränkungen die volle Pacht weiterhin an die Stadt gezahlt werden müsse. „30 Prozent der Parker sind Touristen und die werden von dem Schild abgeschreckt.“

Dezember war für Juwelierin verlustreich

Im Juweliergeschäft nebenan ist Inhaberin Gabi Schüddemage-Müller ratlos. Der Dezember sei für einen sonst konsumstarken Monat recht verlustreich gewesen, wie die Unternehmerin berichtet. „Ich habe in den rund 50 Jahren hier schon viel erlebt, aber ein Fahrverbot gab es bisher nicht“, erzählt sie. So blieben nicht nur „verunsicherte Kunden zurück“. „Meine Lieferanten und Fensterputzer wissen nicht, ob sie in die Straße fahren dürfen“. Und manche würden laut der Bonnerin „extra weit weg parken“. Auch Schüddemage-Müller habe die Polizei schon bei den Kontrollen beobachtet. „Das spricht sich ja rum, dass man nicht mehr in die Rathausgasse fahren kann - Am Ende heißt es noch, dass auch Anlieger hier nicht rein dürfen.“ Die Inhaberin der „Bernstein Vitrine“ fühlt sich von der Stadt allein gelassen. „Wir wurden nicht über die neuen Regelungen informiert - „Auf einmal standen die Polizisten hier in der Straße und es hieß, man dürfe nicht mehr reinfahren.“ Die Geschäftsfrau selbst habe aber bei der Zufahrt noch keine Probleme gehabt, wie sie sagt. „Ich wünsche mir hier mehr Aufklärung von der Stadt – die Busse, Taxen und Lkws fahren hier ja weiterhin durch.“

Neue Markierungen Foto: Niklas Schröder

Auch die Angestellten im Blumenladen „Die Blüte“ spüren bei ihren Kunden eine Verunsicherung. So hätten laut Floristin Anke Lenné gleich „zwei große Polizeiautos“ die Verkehrsteilnehmer auf das neue Verbot hingewiesen. Etwas Gutes habe die neue Regelung aber schon, denn „die Raser“ seien weniger geworden, erzählt die Angestellte. „Das fällt schon auf.“  Ein Anwohner sieht durch das Verbot keine Aufwertung der Rathausgasse. „Man hat hier kein ‚Fußgängerzonen-Gefühl’, nur weil die Autos jetzt weniger fahren.“ Er fordert, dass auch die Straße weiter aufgebessert wird. „Es muss auch zu einer strukturellen Veränderung kommen“, so der Anwohner.

Polizei hat bislang 16 Kontrollen durchgeführt

Michael Beyer von der Bonner Polizei kann bestätigen, dass nicht nur Anlieger in die Rathausgasse hereinfahren. „Seitdem es die neue Verkehrsführung gibt, haben wir 16 Kontrollen durchgeführt“, berichtet der Polizeisprecher. Dabei seien rund 100 Knöllchen verteilt worden. Die Maßnahmen seien aber erst in späteren Kontrollen erfolgt, sagte Beyer. „Wir haben anfänglich die Verkehrsteilnehmer mündlich verwarnt.“ Erst in weiteren Kontrollen seien dann Bußgelder erhoben worden, so der Sprecher.

„Die Kontrollen sind notwendig, da die Verkehrsregelung noch relativ neu ist und ein dauerhafter Gewöhnungseffekt noch nicht eingetreten ist“, sagte Stadtsprecherin Kristina Buchmiller. Dabei sei während der Testphase auch die konsequente Durchführung des Verbots entscheidend. „Sonst kann man nicht verlässlich beurteilen, wie und ob sich der Verkehr verlagert“, so  Buchmiller.

Die gesamte Testphase soll noch bis zum 31. März 2020 laufen. Am Mittwoch, 1. Januar, tritt die zweite Testphase in Kraft.