Bonn: Universität und Stadt ringen um Landesbehördenhaus

Filetgrundstück im Bundesviertel : Auch Universität hat Interesse am Landesbehördenhaus in Bonn

Zwischen Stadt und Universität bahnt sich ein Ringen um das seit Jahren leerstehende Gebäude, das Landesbehördenhaus, an. Unklar ist aber noch, ob die Hochschule und das Studierendenwerk das ganze riesige Areal kaufen wollen.

Das Ringen um das ehemalige Landesbehördenhaus geht weiter. Am Dienstag hatte der Wirtschaftsausschuss des Rates gegen den Willen der Stadtverwaltungsspitze beschlossen, dass Bonn sein Kaufinteresse an dem 50.000 Quadratmeter großen Grundstück im Bundesviertel erklären soll. Jetzt informierte die Verwaltung die Politiker in einer nicht-öffentlichen Vorlage, dass auch das Studierendenwerk und die Universität beim Land die Hand gehoben hätten. Unklar sei allerdings, ob sich der Kaufwunsch auf das gesamte Areal oder nur den Neubauteil beziehe. Dort nutzt die Uni bereits Räume als Mieterin.

Für Guido Déus (CDU) ist die Neuigkeit kein Grund, vom Beschluss abzurücken, der am Mittwochabend auch im Planungsausschuss auf der Tagesordnung stand. „Beides widerspricht sich nicht“, so der Vorsitzende des Wirtschaftsausschusses. „Die Interessen der Universität oder des Studierendenwerkes können sowohl vom Land als auch von der Stadt berücksichtigt werden.“

Mit ihren Koalitionspartnern Grüne und FDP hatte die CDU den Antrag eingebracht, um „die Einflussmöglichkeiten für die Stadt zu sichern und verschiedene Optionen zur Umsetzung gegebenenfalls auch unter Einbeziehung von Projektentwicklern offen zu halten“. Die Verwaltung soll mit dem Land darüber verhandeln, ob die Stadt nach einem Kauf Teilflächen an Dritte weitergeben dürfte. Man werde die Gespräche mit dem zuständigen Landesbetrieb fortsetzen, sicherte Oberbürgermeister Ashok Sridharan zu.

Über Baupläne hält sich CDU bedeckt

Was auf dem Areal gebaut werden soll, dazu hält sich die CDU noch bedeckt. Für die Grünen ist klar, dass es eine Mischnutzung sein sollte, zu der auch Wohnungen gehören müssten, wie Fraktionssprecher Hartwig Lohmeyer betonte. Einen solchen Mix, vielleicht mit Kindergarten und Einzelhandel, nannte auch der FDP-Fraktionsvorsitzende Werner Hümmrich. Er befürwortete zudem, Teile der Stadtverwaltung dauerhaft auf dem Areal anzusiedeln. Dafür könne man Gebäudeteile des sanierungsbedürftigen Stadthauses abreißen und Flächen verkaufen (siehe „Stadthaus in der Innenstadt“).

Der Wille, das Landesbehördenhaus zu kaufen, zieht sich durch alle Fraktionen. „Es wäre fahrlässig, diese Chance ungenutzt zu lassen“, unterstrich Sebastian Kelm (Sozialliberale). Das sehen die Linken ebenso: „Wir begrüßen, dass sich die Koalition unserer Initiative angeschlossen hat und gegenüber dem Land städtisches Kaufinteresse signalisieren will“, erklärte Holger Schmidt. Wie die Linksfraktion wünscht sich auch die SPD auf dem Gelände einen Nutzungsmix mit gefördertem Wohnungsbau.

Die Stadt könnte Flächen in Erbpacht vergeben und sie gemäß des Rahmenplans für das Bundesviertel entwickeln, sagte Fraktionschefin Angelika Esch. Und: „Es ist gut, dass der Oberbürgermeister mit seiner Verwaltungsvorlage an seiner eigenen Koalition gescheitert ist.“ Genau wie Grüne, FDP und Linkspartei sieht die SPD die geplante kommunale Stadtentwicklungsgesellschaft als möglichen Anker dieses Projekts. Laut Presseamt will die Verwaltung im ersten Quartal einen Vorschlag zur Gründung der Gesellschaft vorlegen.

Früheres Polizeipräsidium steht leer

Das frühere Polizeipräsidium an der Friedrich-Ebert-Allee 144 steht seit 16 Jahren leer. Der Altbauteil ist offenbar mit Schadstoffen belastet. Die Stadtverwaltung rät aus mehreren Gründen vom Kauf ab. Der Preis würde laut einer vertraulichen Vorlage zwischen 50 und 80 Millionen Euro liegen; dazu kämen Abriss-, Entsorgungs- und Projektentwicklungskosten in unklarer Höhe.

Es sei von einer Gesamtinvestition in Höhe eines „dreistelligen Millionenbetrags“ auszugehen. Für die Entwicklung eines so großen Areals fehlen der Verwaltung nach eigenen Angaben die Erfahrungen und das Fachpersonal, das auf dem Arbeitsmarkt wegen der guten Konjunktur schwer zu finden sei.

Der Bau- und Liegenschaftsbetrieb (BLB) NRW als Eigentümer der Immobilie antwortete am Mittwoch auf die Frage nach einem Eigenbedarf von Uni und Studierendenwerk nur vage. „Nach derzeitigem Sachstand gehen die Überlegungen des BLB NRW weiterhin in die Richtung, das Areal zu veräußern“, so Tim Irion, der stellvertretende Kommunikationschef des Landesbetriebs.