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Bonn: Uni prüft Vertrag mit Konfuzius-Institut

Wissenschaft : Uni prüft Vertrag mit Konfuzius-Institut in Bonn

Die Bonner Leiterin der chinesischen Einrichtung weist den Propagandaverdacht zurück. Schon seit Jahren gibt es kritische Stimmen vor allem aus den USA und Kanada.

Die Universität Bonn stellt ihre Zusammenarbeit mit dem Bonner Konfuzius-Institut der Volksrepublik China auf den Prüfstand. Man denke über eine „mögliche Vertragsergänzung“ nach, bestätigt Pressesprecher Andreas Archut.

Schon seit Jahren äußern Kritiker vor allem aus den USA und Kanada die Befürchtung, China könne mit den Instituten unter dem Deckmantel des Sprachunterrichts und der Kulturvermittlung politische Propaganda vornehmlich für seine Ein-China-Politik – also die Einheit des Landes inklusive Tibet und Taiwan – betreiben. Auch Industrie- und Militärspionage oder die Überwachung chinesischer Studierender im Ausland wird als mögliches Ziel genannt. Mitte Januar war aus einem Bericht von NRW-Wissenschaftsministerin Isabel Pfeiffer-Poensgen an den Landtag bekannt geworden, dass die Universität Düsseldorf ihre Kooperation mit dem dortigen Konfuzius-Institut im April 2020 einstellt. Die Hochschulleitung könne nicht ausschließen, dass die chinesische Staatsdoktrin Einfluss auf die Arbeit des Instituts nehme, heißt es darin zur Begründung.

Diesen Verdacht äußert auch der mehrfach prämierte kanadische Dokumentarfilm „In the name of Confucius“ von Doris Liu aus dem Jahr 2017, den die Volkshochschule am Dienstagabend mit einer begleitenden Diskussion zeigte. Institutsleiterin Katja Yang konnte wegen einer schweren Erkältung an der VHS-Veranstaltung nicht teilnehmen. Telefonisch äußerte sie gegenüber dem GA aber ihr Unverständnis über die Entwicklung. Seit Anfang des Jahres häuften sich kritische Nachfragen von Journalisten bei ihr, berichtet sie. Vor Wochen sei die Internetseite des Bonner Instituts gehackt worden und deshalb noch immer offline.

Sprachunterricht im Mittelpunkt

Die deutsche promovierte Sinologin leitet das Institut seit seiner Eröffnung im Herbst 2017 mit einer chinesischen Kollegin von der Beijing Language and Culture University. Untergebracht ist es in Räumen der Universität am Belderberg. Diese werden von der Hochschule kostenlos zur Verfügung gestellt, erklärt Uni-Sprecher Archut. Die Kosten für das sechsköpfige Team trage die Regierungsorganisation Hanban, die neuerdings als Zentrale der Konfuzius-Institute firmiert, sagt Yang.

In der Institutsarbeit stehe Sprachunterricht für alle Zielgruppen vom interessierten Schüler bis zu Geschäftsleuten im Mittelpunkt. Im vergangenen Jahr hätten rund 200 Teilnehmer die 35 angebotenen Kurse besucht. Dazu kämen monatlich kulturelle Angebote externer Dozenten wie Tee-Zeremonien oder Kalligraphie-Workshops oder Kurse zum interkulturellen Verständnis etwa in der unterschiedlichen Körpersprache. Außerdem bestehe eine gemeinsame Vortragsreihe mit dem Sinologen Ralph Kauz vom Uni-Institut für Orient- und Asienwissenschaften. Auch kulturelle Beiträge wie Konzerte organisierte das Institut in Bonn – im letzten Jahr etwa einen Auftritt des chinesischen Amber-Quartets im Posttower im Rahmen des Beethoven-Festes.

Eine politische Ausrichtung will Yang in all dem nicht erkennen, zudem das Bonner Institut als eines von wenigen von einem Förderverein getragen und von einem wissenschaftlichen Beirat begleitet werde. Dort ist auch die Uni vertreten. „Dieses Konstrukt wurde bereits gewählt, um jeden Verdacht der Einflussnahme zu entkräften“, glaubt sie. „Es ist eher so, dass die deutsche und die chinesische Seite in diesem Dialog voneinander lernen“, glaubt Yang. So habe sie interessierte Studien-Volontäre aus China zu einer Demonstration von „Fridays for Future“ geschickt: „Die fanden es spannend, wie die Jugend hier für Umwelt- und Klimaschutz auf die Straße geht“.

Für die Universität sagt Archut, dass vertraglich keine inhaltlichen Einschränkungen festgelegt worden seien. Öffentlich machen möchte die Universität den Kooperationsvertrag allerdings nicht. „Da es sich um ein schwebendes Verfahren handelt, das durch eine Veröffentlichung des bestehenden Vertrages erschwert werden könnte, können wir Ihnen derzeit keinen Einblick in dieses Dokument gewähren.“ Der aktuelle Vertrag läuft bis Herbst 2022. Letztlich, so wendet Sinologin Yang kritisch ein, sei die ganze Diskussion etwas scheinheilig. Auch  Deutschland und die Bundesregierung würden die Ein-China-Doktrin offiziell anerkennen. „Sonst gäbe es gar keine diplomatische Vertretung Chinas in Deutschland“, sagt sie.