Bonn: SWB wollen nach Ultimatum keinen Aktionismus betreiben

Linie 66 in Bonn und der Region : Stadtwerke wollen nach Ultimatum keinen Aktionismus

Der politische Druck auf die Stadtwerke Bonn in Bezug auf Linie 66 ist gewachsen. Die SWB sehen Personalmangel und Staus als Ursache für die Unzuverlässigkeit der Stadtbahnlinie. Die SPD sieht jetzt die Ratsmehrheit in der Pflicht.

Oberbürgermeister Ashok Sridharan (CDU) sieht nach den massiven Klagen von Kommunalpolitikern der Stadt und des Rhein-Sieg-Kreises über Unzuverlässigkeiten auf der Stadtbahnlinie 66 keinen Anlass, zurück auf den Posten des Aufsichtsratsvorsitzenden der SWB-Verkehrsgesellschaft (SWBV) zurückzukehren. Der Vorsitz sei bei Stadtkämmerin Margarete Heidler „in guten Händen“. Anfang des Jahres hatte der OB sich aus dem Gremium zurückgezogen, ist aber weiterhin einfaches Mitglied des Aufsichtsrats des SWB-Gesamtkonzerns.

Der politische Druck auf die SWBV ist auch durch eine gemeinsame, am Mittwoch veröffentlichte Pressemitteilung von Stadt- und Kreisverwaltung gewachsen. Darin fordern beide SWBV-Geschäftsführerin Anja Wenmakers auf, bis zur nächsten gemeinsamen Sitzung der Verkehrsausschüsse in der ersten Jahreshälfte 2020 konkrete Lösungsvorschläge zu erarbeiten, wie die wichtigen Bahnen auf der Strecke zwischen Siegburg, Bonn und Bad Honnef kurzfristig wieder pünktlicher fahren können. Denn: Die Klagen von Fahrgästen haben spürbar zugenommen.

Über Bundesfördergelder des Programms Lead City wurden besonders am Wochenende Takte verdichtet. Sridharan erklärte am Donnerstag: „Ich setze darauf, dass die SWBV alles versuchen, um an Personal zu kommen. Ob ein Zusammenschluss mit anderen Verkehrsbetrieben möglicherweise ein Weg ist, wird sicherlich von den SWBV abgewogen.“

Wenmakers reagierte auf den Vorstoß, der als Ultimatum verstanden werden kann, mit den Worten: „Wir sind uns der Tragweite der Kritik sehr bewusst. Dennoch ist dies nicht die Zeit für Aktionismus, sondern stärkt uns in dem Bestreben, weiterhin mit Hochdruck Lösungen umzusetzen und damit die Zuverlässigkeit der Stadtbahnlinie 66 dauerhaft sicherzustellen.“ Der Fahrermangel betreffe ganz Deutschland. Dennoch verbucht sie es als Erfolg, dass voriges Wochenende 130 Interessierte an einem Schnuppertag für potenzielle Fahrer teilgenommen hätten. „Über 90 Prozent haben sich direkt beworben.“

Aktuelle Unzuverlässigkeiten im Nahverkehr führen die SWB zum größten Teil auf den Fahrermangel zurück, aber auch auf Staus auf den Straßen und fehlenden Vorrang. Wenmakers rief die Politik dazu auf, schnellstmöglich Busspuren und Beschleunigungen für die Bahnen zu beschließen. Im jüngsten Bonner Planungsausschuss hatten die Mitglieder Verwaltungsvorschläge dazu vertagt.

Rolf Beu, Vorsitzender des Bonner Planungs- und Verkehrsausschusses und Mitglied des SWBV-Aufsichtsrats, sagte: „Den ausschließlichen Fokus auf die Linie 66 zu legen, sehe ich kritisch. Die Linie 66 ist von enormer Bedeutung, insbesondere was die Erschließung des Siegburger Fernbahnhofs betrifft.“ Es könne aber nicht sein, dass alle Personal- und Fahrzeugreserven der SWB ausschließlich auf dieser Linie eingesetzt würden. Auch auf vielen anderen Bonner Linien komme es zu Verspätungen und Ausfällen.

SPD-Stadtverordnete Gabi Mayer sitzt ebenfalls im SWBV-Aufsichtsrat. „Die Probleme haben nicht die SWB zu verantworten.“ Die SWB setzten das um, was die Ratsmehrheit beschließe und bestelle. Jetzt müssten alle an einen Strang ziehen. Dazu gehört für Mayer aber nicht die Gründung eines neuen Unternehmens für die Stadtbahn 66, wie Grünen-Kreisfraktionschefs Ingo Steiner, vorgeschlagen hat. „Was soll das denn anders machen?“ Vielmehr müssten endlich die Straßen für die Stadtbahn freigeschaufelt werden.

Das Problem des Mangels an geeigneten Fahrern ist für die SPD-Politikerin hausgemacht. „Sie müssen nicht nur besser bezahlt werden, sondern auch attraktivere Bedingungen erhalten.“ Dafür gehört für Mayer vor allem auch bezahlbarer Wohnraum in der Nähe der Arbeitsstätte der Fahrer. „Gut die Hälfte der Fahrer wohnen in der Eifel“, weiß Mayer. „Wir erwarten nun Vorschläge der Stadtwerke, die aus ihrer Sicht schnell umgesetzt werden können.“ Schließlich müssten diese am besten wissen „wo der Sand im Getriebe“ stecke.

Der Bürger Bund Bonn sieht Sridharan in der „Verantwortung der Misere“. Zum Vorschlag von Steiner sagte BBB-Fraktionschef Marcel Schmitt: „Herr Steiner kann mit seinem Rhein-Sieg-Kreis die Bahnlinie 66 zwischen Siegburg und Königswinter liebend gerne übernehmen. Dann können er und der Kreis ja zeigen, dass sie es besser können und auch die Kosten dafür übernehmen.“