Bonn: Polizei zerschlägt mutmaßliche Drogendealer-Bande

Großrazzia am Mittwochmorgen : Polizei zerschlägt mutmaßliche Drogendealer-Bande

Am Mittwochmorgen hat die Bonner Polizei die Mitglieder einer mutmaßlichen Drogendealer-Bande festgenommen. Der Hauptverdächtige soll der frühere Präsident der Rockergruppe Black Jackets sein. Verbindungen soll es auch zu Walid S. geben.

Viele der später Festgenommenen waren noch gar nicht wach, als die Bonner Polizei am frühen Mittwochmorgen ihre Wohnungen in Bonn, Euskirchen und Aachen stürmte. Rund 200 Beamte schwärmten zu einer  großangelegten Razzia aus, bei der 17 Wohnungen und Gebäude durchsucht wurden.

Unter den elf Männern, die alle zwischen 17 und 31 Jahre alt sind und denen unter anderem Drogenhandel im großen Stil vorgeworfen wird, war auch der mutmaßliche Kopf der Bande: Der 31-jährige Mohammed H., der nach GA-Informationen einst die rockerähnliche Gruppierung Black Jackets in Bonn anführte, wurde von SEK-Beamten an einer Tankstelle in Meckenheim festgesetzt. In Bonn waren die Ermittler unter anderem in der Oppelner Straße in Tannenbusch und in der Seufertstraße in Godesberg im Einsatz. Sie stellten eine Schreckschusspistole, einen Teleskopschlagstock, Schlagringe, zahlreiche Handys, mutmaßliches Dealergeld, kleinere Mengen Drogen und einen hochwertigen Mercedes sicher.

Vorausgegangen waren der Razzia Ermittlungen gegen den Bruder von Mohammed H. Der 28-Jährige war erst im Januar wegen Drogenhandels und Körperverletzung zu einer  Haftstrafe von drei Jahren verurteilt worden. Auch H. ist den Behörden bekannt: Bis Oktober 2018 saß er viereinhalb Jahre im Gefängnis. Raub, Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte und Drogenhandel in nicht geringer Menge stehen in seinen Akten.

Durch die Haft hat er sich anscheinend nicht von seiner kriminellen Karriere abbringen lassen. H. wohnt derzeit zwar in Euskirchen, laut Polizei soll die Bande, deren Mitglieder hauptsächlich aus Bad Godesberg kommen und als Intensivtäter gelten, junge Dealer aus Tannenbusch mit Drogen versorgt haben. „Sie sind polizeilich schon mehrfach wegen Raub- und Körperverletzungsdelikten in Erscheinung getreten.“

Weiteren Hinweisen zu Fällen von Nötigung, Erpressung und Raubdelikten, an denen die Festgenommenen beteiligt gewesen sein sollen, gehen die Ermittler derzeit nach. „Da die Taten häufig im Zusammenhang mit Drogenschulden der Opfer standen, wurden diese von den Geschädigten in der Regel nicht angezeigt“, so ein Polizeisprecher.

Verbindungen zu Walid S.

Zu dem Dunstkreis, in dem sich die Männer bewegen, gehört offenbar auch Walid S., der durch das Verfahren um den verstorbenen Bad Godesberger Niklas Pöhler in die Schlagzeilen geriet und immer wieder durch Gewaltdelikte auffiel. Er zeigt sich in einem Rapvideo auf Youtube, in dem zudem einige der jetzt Festgenommenen auftreten. Zu sehen ist darin auch der hochwertige Mercedes mit Bonner Kennzeichen, der auf Mohammed H. zugelassen ist und sichergestellt wurde. Nach GA-Informationen soll er unter anderem dafür genutzt worden sein, Drogen nach Bonn zu bringen.

Die verdeckten Ermittlungen dauerten mehrere Monate. Dabei stießen die Polizisten auch auf zwei 26 und 29 Jahre alte Drogenlieferanten aus Aachen, die regelmäßig „Betäubungsmittel im Kilogrammbereich“ aus den Niederlanden organisierten und anschließend an die Bonner Bande übergaben. Die Wege der Lieferungen, die zunächst in Bad Godesberg versteckt und umverpackt wurden, ließen sich schließlich bis nach Tannenbusch und in weitere Stadtteile zu lokalen Dealern nachvollziehen. Bereits während des laufenden Verfahrens stellten die Polizisten durch Kontrollen etwa 1,4 Kilogramm Marihuana und Haschisch sicher.

Schon vor der Razzia am Mittwochmorgen erließ ein Ermittlungsrichter auf Antrag der Bonner Staatsanwaltschaft sieben Haftbefehle. Neben dem früheren Black Jackets-Präsidenten Mohammed H. wurden zwei weitere Tatverdächtige, die sich nicht in ihren Wohnungen aufhielten, in Köln und Bonn festgenommen. Vier weitere Tatverdächtige konnte die Polizei aufgrund der Durchsuchungsergebnisse vorläufig festnehmen. Darunter zwei 17 und 21 Jahre alte Intensivtäter, die am 5. Januar in der Bonner Innenstadt einen 27-Jährigen zu Boden geschlagen und anschließend gegen den Kopf getreten haben sollen. Auch sie sollen einem Haftrichter vorgeführt werden.