Bonn: Pizzeria „Da Sasa“ schließt wegen extremer Mieterhöhung - 3300 Euro Miete

275 Euro pro Quadratmeter : Pizzeria „Da Sasa“ in Bonn schließt wegen extremer Mieterhöhung

Die beliebte Bonner Pizzeria „Da Sasa“ am Wilhelmsplatz schließt. Der Grund: Die Miete soll auf 3300 Euro pro Monat steigen. Der Vermieter selbst zahlt hingegen weniger als 500 Euro Pacht.

Hohe Mieten sind in einer Stadt wie Bonn üblich. Den Quadratmeterpreis, den Pizzabäcker Salvatore Mazzamauro (40) und sein Schwager Gabriele Valentino (39) zahlen sollen, ist wahrscheinlich der höchste in der ganzen Stadt. Künftig verlangt der Vermieter von ihnen für ein zwölf Quadratmeter kleines Büdchen am Wilhelmsplatz knapp 3300 Euro. Also 275 Euro pro Quadratmeter – warm. Die beiden Geschäftsleute, die noch ein weiteres Restaurant „Da Sasa“ in Poppelsdorf betreiben, müssen die Mini-Pizzeria deshalb zum Monatsende schließen. „Das ist Wucher. Das können wir uns nicht leisten“, sagt Mazzamauro, der nur Untermieter ist. Das Büdchen gehört dem Johannes-Hospital, das es für unter 500 Euro an den Unternehmer Sabit Turhan vermietet.

Die Geschichte des kleinen Imbisses beginnt vor vier Jahren. Mazzamauro ist auf der Suche nach einem neuen Platz für ein Restaurant, um seine neapolitanische Pizza zu verkaufen. „Vorher hatte ich einen Laden in Bad Godesberg“, erzählt er. Das Handwerk hat er bereits als Jugendlicher in seiner Heimatstadt Neapel erlernt – erst als Küchenhilfe, dann als sein eigener Chef. In Deutschland machte er sich selbstständig und landete schließlich in Bonn.

Das Büdchen am Wilhelmsplatz soll nun wegen zu hoher Miete geschlossen werden. Foto: Nicolas Ottersbach

In dieser Zeit versuchte sich auch ein anderer Bonner als Pizzabäcker und hatte sich einen alten Kiosk am Wilhelmsplatz ausgeguckt, an dessen Stelle heute das „Da Sasa“ steht. „Die Ecke war völlig heruntergekommen, hatte aber Potenzial“, erzählt Halil Fisenk. Der Kiosk gehörte damals schon dem Johannes-Hospital. Fisenk wurde sich mit der Krankenhausleitung aber einig: Er baute ein neues Büdchen nach seinen Vorstellungen, installierte einen Steinofen aus Italien und eröffnete die Pizzeria „Pausenbrot“. Denn eigentlich war genau das sein Geschäftsmodell, mit dem er unter anderem Schulen anfuhr. „Den Namen habe ich dann einfach übernommen.“ Als er sich von seiner Frau scheiden ließ, übernahm sie das gesamte Geschäft, führte es aber nur noch eine kurze Zeit weiter und veräußerte es an den Bonner Unternehmer Sabit Turhan.

Der wiederum sah offenbar ein anderes Geschäftsmodell als gewinnbringender: Untervermietung. Rund 1800 Euro verlangte er jeden Monat von Mazzamauro. „Wir waren uns beide einig und die Geschäftsbeziehung war gut“, erzählt Turhan. Im Sommer soll es allerdings Querelen gegeben haben. Mazzamauro habe ständig angerufen und die Einrichtung, die zur Pacht dazugehört, bemängelt. Zudem habe er aus dem Mietvertrag aussteigen wollen. Daraufhin habe ihm Turhan gekündigt. „Dann kam er aber wieder an und wollte weitermachen, hat die Pacht jedoch nicht zuverlässig gezahlt.“ Das alles gefiel Turhan nicht: Er hatte „die Schnauze voll“ und längst andere Pläne, wollte den Laden selbst betreiben. „Dann habe ich die Miete einfach stark erhöht. Mir ist klar, dass sie zu hoch angesetzt ist. Ich bin davon ausgegangen, dass er so nicht weitermachen will.“ Warum sie überhaupt so hoch ist? „Ich muss auch kostendeckend arbeiten.“

Mazzamauro stellt die Geschichte anders dar. „Wir haben immer zuverlässig gezahlt. Er hat im Sommer eine Wasserleitung sanieren müssen, das Geld versucht er nun wieder bestimmt reinzuholen.“ Und er ist sauer. „Das muss man sich mal vorstellen: Im neuen Restaurant in Poppelsdorf habe ich 300 Quadratmeter und zahle 5000 Euro. Warum darf man so etwas?“ Er würde gerne am Wilhelmsplatz bleiben, sein Schwager, den er angelernt hat und der damit seine Familie durchbringt, soll die Pizzeria weiterführen. „Das alles ist sehr schade. Etwas mehr Miete hätten wir verkraftet, können aber nichts machen.“ Bei Gewerbeflächen gibt es, anders als bei Wohnraum, keine gesetzliche Einschränkung der Mietanpassung. „Wir versuchen ein anderes Geschäft zu finden.“

Auch das Johannes-Hospital ist nun auf den Fall aufmerksam geworden. „Von der Höhe der Untermiete wussten wir nichts“, sagt Sprecherin Katharina Müller-Stromberg. Man habe lediglich dem Mieter die Erlaubnis erteilt, das Büdchen unterzuvermieten. „Uns ist immer wichtig gewesen, dass diese Ecke zum Leben erweckt wird.“ So, wie sich die Situation derzeit darstelle, wolle man Konsequenzen ziehen, weil solch hohe Mieten nicht zu den Vorstellungen eines christlich geprägten Krankenhauses passten. „Wir beobachten das jetzt ganz genau.“