Bonn: Pfarrei rechtfertigt Werbebanner am Münster

Bonner Münster : Pfarrei rechtfertigt Werbebanner am Münster

Die Meinungen zum Werbebanner am Bonner Münster sind kontrovers, Kritiker haben sich an das Erzbistum Köln gewandt. Die Münsterpfarrei rechtfertigt das Banner.

Die Kirche und das liebe Geld: Erneut hat sich in Bonn um dieses geschichtsträchtige Spannungsfeld eine Kontroverse entwickelt. Nach dem Finanzskandal am Bonner Münster sind es nunmehr nicht die Ausgaben, sondern die Einnahmen der Gemeinde, an der sich Einzelne reiben. Anlass ist ein Reklamebanner am Baugerüst der Basilika. Während sich Einzelpersonen an der kommerziellen Werbung an der Außenwand der Apsis reiben, hat die Pfarrei die Hintergründe der Aktion erklärt.

„Wer früher anfängt, kann sich länger freuen“, steht auf dem großflächigen Werbebanner der Firma Knauber, das den Betrachter offenbar zum ausgedehnten vorweihnachtlichen Einkaufsbummel animieren soll. Zu sehen ist eine offenbar glückliche junge Frau, umgeben von goldenen Christbaumkugeln. Eine „fortschreitende Kommerzialisierung der Adventszeit und der Weihnachtsbotschaft“ sei das, eine „arrogante Missachtung unserer rheinisch-katholischen Tradition und unserer christlich geprägten Wertmaßstäbe“, schimpft ein Bonner Ehepaar in einem an Erzbischof Rainer Maria Woelki gerichteten Protestschreiben.

Protestschreiben an den Kölner Erzbischof

Die beiden Unterzeichner kritisieren die Aktion als eine „Profanisierung der christlichen Botschaft“, die Anlass dafür biete, „sich von den handelnden Personen des Bonner Katholizismus zu distanzieren, wenn nicht gar der Kirche den Rücken zu kehren“. Nicht zuletzt habe sich der ehemalige Stadtdechant Wilfried Schumacher dafür eingesetzt, dass der Beginn der Adventszeit in Bonn den kommerziellen Interessen folgend nicht immer weiter in den November vorverlegt worden seien.

Damit berühren die Kritiker einen wunden Punkt, den die Pfarrei in einer Erklärung zu der Angelegenheit aufgreift: die finanzielle Situation am Bonner Münster seit der Ära Schumacher. Da die Münsterpfarrei sich nach der Misswirtschaft der vergangenen Jahre und dem Verlust aller wirtschaftlichen Rücklagen in einer desolaten wirtschaftlichen Situation befinde und die Restaurierung des Bonner Münsters erhebliche Summen beanspruche, könne auf solche Einnahmen durch Werbung nicht verzichtet werden, erklärte die Pressestelle der Pfarrei.

Keinen Ansatz gibt es demnach für Kritik an der Vorgehensweise der Pfarrei, geschweige denn für einen Protestbrief an den Erzbischof: So habe die Kirchengemeinde Sankt Martin die Flächen des Baugerüstes und des Bauzauns für solche Zwecke freigegeben. Das Erzbistum Köln habe der Münsterpfarrei diese Einnahmequelle ausdrücklich empfohlen. Dabei wurde aus Köln darauf hingewiesen, dass auch im Vatikan nicht auf Einnahmen durch Außenwerbung auf den Gerüstbauten des Petersplatzes in Rom und den Basiliken der Stadt verzichtet werde.

Im Vertrag mit der beauftragten Werbeagentur sei zudem gesichert, dass die Werbemotive die ausdrückliche Zustimmung der Münsterpfarrei und des Erzbistums benötigen. Damit werde sichergestellt, dass kein problematisches Motiv als Werbung Verwendung fände. Die Genehmigung eines Motivs bedeute aber ausdrücklich nicht, dass sich die Münsterpfarrei oder die katholische Kirche mit dem Unternehmen oder dem Produkt identifiziere, heißt es aus der Pressestelle weiter.

Man verstehe, wenn Einzelne die Werbung auf dem Baugerüst zunächst verwundere. Andererseits habe es bereits vor der ersten Werbemaßnahme „zahlreiche Anfragen aus der Bonner Bevölkerung gegeben“, warum man die Gerüst- und Zaunflächen nicht für Werbung und für die Verbesserung der Haushaltssituation der Gemeinde nutze. Man habe darauf seinerzeit antworten müssen, dass es bisher noch keine Werbekunden gegeben habe.

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version des Artikels wurde Stadtdechant Picken wörtlich zitiert. Die Stellungnahme der Pfarrei stammt hingegen aus deren Pressestelle.

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