1. Bonn
  2. Stadt Bonn

Bonn-Ippendorf: Körperverletzungen und Raubdelikte nach Karneval in Ippendorf

Polizei ermittelt und sucht Zeugen : Unbekannte treten auf Bewusstlosen in Ippendorf ein

In Ippendorf kam es am Sonntag zu mehreren teils gewalttätigen Auseinandersetzungen. Unter anderem wurde auf einen 16-jährigen Bewusstlosen eingetreten und mehrere Jugendliche beraubt. Außerdem mussten zwei Männer nach Streitigkeiten in Krankenhäusern behandelt werden.

Eine Schlägerei überschattet den Ippendorfer Karnevalszug: Nachdem die Jecken am Sonntag durch die Straßen gezogen waren, prügelten mehrere Unbekannte auf einen Jugendlichen ein, der schwerverletzt ins Krankenhaus gebracht werden musste. Tatort war der abgelegene Sportplatz, an dem sich mehr als 100 Jugendliche versammelt hatten. Der Treffpunkt ist bei jungen Leuten seit Jahren beliebt. „Da ist man unbeobachtet, kann feiern und trinken“, erzählt ein junger Bonner.

Ein Fußball, den der 16-Jährige und seine Freunde auf dem Zug gefangen hatten, war offenbar der Auslöser für den Streit. Während die Gruppe feierte und auf dem Platz kickte, begegneten ihnen auf einmal Ältere und wollten mitmachen. Daraufhin eskalierte die Situation, wie die Polizei berichtet: Gegen 16 Uhr schlugen die Unbekannten, die nicht verkleidet waren, den 16-Jährigen zu Boden und traten auch dann noch weiter auf ihn ein, als er bewusstlos war. Der Junge wurde dabei so schwer verletzt, dass er die Nacht wegen einer Gehirnerschütterung und schweren Prellungen im Krankenhaus verbringen musste. Auch zwei seiner Freunde wurden angegangen: Man bedrohte die Zwölf- und 13-Jährigen und nahm ihnen Geld, eine Musikbox sowie eine Kette ab. Als die Polizei mit Blaulicht eintraf, flüchteten die Täter unerkannt. Lediglich einen 14-jährigen Verdächtigen konnten die Beamten  schnappen, der später wieder entlassen wurde, da laut Polizei keine Haftgründe vorlagen.

Immer häufiger Randale und Pöbeleien

Die Mutter eines Jungen, der angegriffen wurde, ist schockiert. „Das, was da passiert ist, übersteigt das normale Jugendlich-sein.“ Ohnehin sei Ippendorf nicht mehr der „Familienzug, der er mal war“. Immer häufiger würde es zu Randale und Pöbeleien kommen, und zwar in einem solchen Maße, dass manche der Veranstaltung fern blieben. „Das ist schade, aber leider die Realität. Hier stimmt doch etwas nicht“, sagt sie mit einer gewissen Ratlosigkeit. Denn dass sich Jugendliche dort träfen, wo sie unbeobachtet seien, sei nachvollziehbar. Dennoch müsse man solchen Gewaltexzessen begegnen.

Auch Bonner Jugendliche berichten von solchen Situationen, gerade rund um den Sportplatz. „Alleine würde ich da ungern hingehen. Die meisten Leute da sind normal, aber da laufen auch zwielichtige Gestalten rum“, erzählt ein Jugendlicher. Er hat den Vorfall am Sonntag aus der Ferne mitbekommen. „Als die Polizei kam, sind alle weggerannt. Wir haben dann jemanden am Tor liegen gesehen.“ Obwohl viele Personen in der Nähe waren, haben offenbar nur wenige etwas davon mitbekommen.

Untätig waren die Behörden nicht – aber nicht am richtigen Zeitpunkt zur Stelle. Zum Präventionskonzept gehört beispielsweise das Suchtmobil Eventsprinter. Es stand am Bernhard-Berzheim-Platz, etwa 500 Meter vom Sportplatz entfernt. „Der Stadtordnungsdienst hat während und nach dem Karnevalszug verstärkt kontrolliert“, sagt Isabel Klotz vom Presseamt. Dabei seien auch Orte in die Kontrollen einbezogen worden, über die bekannt sei, dass sich Jugendliche dort treffen. Man sei auch auf dem Sportplatz präsent gewesen – „allerdings erst nach besagtem Vorfall und nach Kontrollen in anderen Bereichen Ippendorfs, an denen in den vergangenen Jahren ebenfalls immer wieder alkoholisierte Jugendliche aufgefallen sind“. Dabei wurden rund 130 Personen gefilzt, mehr als 80 Schnäpse, zwölf selbstgemische hochprozentige Getränke und sieben Zigarettenschachteln einkassiert.

Keine dauerhafte Präsenz gewährleistet

Kontrollen seien an den bekannten Stellen immer eingeplant, es könne jedoch keine dauerhafte Präsenz an zahlreichen Orten gleichzeitig gewährleistet werden. „Der Stadtordnungsdienst konnte aber anschließend in Abstimmung mit der Polizei wesentlich dazu beitragen, dass es nicht erneut zu Gewalttaten auf dem Sportplatz kam, auf dem sich auch nach dem Vorfall noch viele Jugendliche aufhielten“, so Klotz.

Kurze Zeit später gab es in Ippendorf bei einer Karnevalsveranstaltung an der Röttgener Straße  erneut Schlägereien: Gegen 17.40 Uhr wurde ein 19-Jähriger mit der Faust ins Gesicht geschlagen und am Boden liegend getreten. Anderthalb Stunden später geriet ein 24-Jähriger auf der Straße mit drei Personen in Streit, in dessen Verlauf ihm einer der Männer eine Flasche auf den Kopf schlug. In beiden Fällen wird der Täter als etwa Mitte 20, 1,75 Meter groß, mit schwarzen Haaren und Tigerkostüm verkleidet beschrieben.

Hinweise nimmt die Polizei unter 0228/150 entgegen.