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Bonn: Eva Kraus wird neue Intendantin der Bundeskunsthalle

Nachfolgerin von Rein Wolfs : Eva Kraus wird neue Intendantin der Bundeskunsthalle

Am 1. August 2020 wird Eva Kraus als Nachfolgerin von Rein Wolfs die neue Intendantin der Bundeskunsthalle in Bonn. Gegenwärtig leitet sie noch das Staatliche Neue Museum für Kunst und Design in Nürnberg.

Die Zukunft der Bundeskunsthalle ist weiblich: Die Entscheidungsgremien haben sich bereits vor Wochen bei einer Kuratoriumssitzung im Bonner Haus der Geschichte für Eva Kraus entschieden, die von der Pegnitz in Nürnberg an den Rhein nach Bonn wechselt. Am Freitag erst wurde nun die Personalie publik gemacht.

Kulturstaatsministerin Monika Grütters erklärte am Freitag: „Mit Eva Kraus gewinnen wir eine hochqualifizierte Kulturmanagerin für die Leitung eines der großen Ausstellungshäuser unseres Landes, dessen Programm auch im europäischen und außereuropäischen Ausland sehr aufmerksam verfolgt wird. Ich bin überzeugt, dass die neue Intendantin die Strahlkraft und das Renommee des Hauses, das sich in einer breiten Palette hochaktueller zeitgenössischer, aber auch historischer, natur- und kulturwissenschaftlicher Themen und Fragestellungen spiegelt, sichern wird. Zugleich wird es mit dem Wechsel der Intendanz sicher auch neue Akzente geben.“

Kraus selbst sagte am Freitag dieser Zeitung, dass sie sich unheimlich auf den Job in der Bundeskunsthalle freue. Seit ihrer Bewerbung für die Intendanz vor einem halben Jahr habe sie das Programm intensiv verfolgt, erzählt sie. Auch im Kunstmuseum Bonn war sie wiederholt, dessen Intendant Stephan Berg sie kennt.

Sie schätzt den interdisziplinären Ansatz der Bundeskunsthalle, hat selbst etwa eine Ausstellung über Kunst und Design und die Grenzen des Wachstums kuratiert, hat sich mit der japanischen Kultur befasst und hat das Bauhaus von den ersten Ansätzen bis zur Entwicklung der Künstlichen Intelligenz untersucht. Sogar für prähistorische Höhlen als Ursprung unserer Kreativität könne sich die 1971 in München geborene Kraus erwärmen, wie sie strahlend erzählt. Als was sieht sie sich? „Ich sehe mich als Kulturmanagerin, als eine, die Kooperationen anregt, Fachleute zusammenbringt, ich sehe mich auch als Vermittlerin“, sagt sie und betont, dass immer Spaß bei der Sache dabei sein sollte.

Gegenwärtig leitet Kraus das Staatliche Neue Museum für Kunst und Design in Nürnberg, dessen 20-Jähriges sie im April noch feiern will, bevor sie dann nach Bonn aufbricht und am 1. August 2020 ihre Intendanz antritt. Schon ab Januar 2020 wird sie alle zwei Wochen in Bonn sein, um die künftige Programmatik und das Konzept der Bundeskunsthalle zu besprechen.

Das Programm für 2020 stammt großteils noch vom Vorgänger Rein Wolfs. Kraus freut sich aber schon jetzt, dass „zwei Slots in der zweiten Jahreshälfte“ frei seien, die sie mit Inhalten füllen könne. Ideen hat sie schon, aber verraten wird noch nichts. Sie ist auch begeistert, dass sie in Bonn personell und finanziell so gut aufgestellt sein wird, dass sie deshalb Dinge realisieren kann, von denen sie schon immer geträumt hat.

Seit 2014 leitet sie das Neue Museum. Zuvor war Kraus Kuratorin am Cooper-Hewitt National Design Museum in New York, arbeitete im Wiener MAK – Österreichisches Museum für angewandte Kunst/Gegenwartskunst – und leitete eine Galerie in München. Später war sie freischaffende Kuratorin, bevor sie ans Nürnberger Museum wechselte. Der bayerische Kultusminister Ludwig Spaenle lobte damals ihre Erfahrungen mit der angewandten Kunst und ihre „enge Vernetzung mit der internationalen Kunstszene“.

Das Neue Museum verbindet Gegenwartskunst mit Design, Kraus brachte dazu das richtige Profil mit: In Wien wurde sie an der Universität für angewandte Kunst mit einem Thema zu der „Exposition Internationale du Surréalisme“ promoviert.

Kraus folgt auf den 59-jährigen Niederländer Rein Wolfs, der nach fast neun Jahren von der Bundeskunsthalle ans Stedelijk Museum in Amsterdam gewechselt ist, eine international renommierte Top-Adresse für moderne und zeitgenössische Kunst. Vor seiner Bonner Station war Wolfs unter anderem Direktor der Kunsthalle Fridericianum in Kassel, Ausstellungsdirektor im Museum Boijmans Van Beuningen in Rotterdam und Kurator des niederländischen Pavillons auf der Biennale in Venedig.

Grütters, Wolfs Vorgesetzte, hatte im Juni, als Wolfs Wechsel bekannt wurde, bedauert, dass er gehe: „Der Weggang von Wolfs ist ein großer Verlust für die Bundeskunsthalle. Als herausragender Ausstellungsmacher hat Wolfs die Bundeskunsthalle exzellent geführt und dort ein breites und vielfältiges Ausstellungsprogramm angeboten.“ Er habe das „Haus wieder zu einem bundesweiten Besuchermagneten“ gemacht.