Kampf gegen elektronische Kriminalität: Bonn auf dem Weg zur Cyber-Hauptstadt

Kampf gegen elektronische Kriminalität : Bonn auf dem Weg zur Cyber-Hauptstadt

Die Stadt Bonn und Mitstreiter wollen den Schutz vor Internetkriminalität bündeln. Ein noch zu gründender Verein mit dem Namen „Cyber-Security-Cluster Bonn“ soll helfen, die Region Bonn/Rhein-Sieg zu einem national und international beachteten Standort zu entwickeln.

Cyberangriffe sind eines der großen Themen dieser Zeit. Auch in Bonn bekommen Unternehmen und Institutionen regelmäßig schmerzhaft zu spüren, was es heißt, ins Visier von Hackern geraten zu sein. Die Stadt Bonn möchte jetzt einen Beitrag zum Kampf gegen die elektronische Organisierte Kriminalität leisten, indem sie einem Verein beitreten will, in dem sich Institutionen aus Wissenschaft, Wirtschaft, Forschung und Lehre sowie Behörden und anderen Bereichen der Cybersicherheit verschreiben.

Ziel sei es, so heißt es im Satzungsentwurf des noch nicht gegründeten Vereins mit dem Namen „Cyber-Security-Cluster Bonn“, dazu beizutragen, die Region Bonn/Rhein-Sieg zu einem national und international beachteten Standort für Cybersicherheit zu entwickeln und auszubauen. Verwirklichen will der Verein diesen Zweck durch enge Zusammenarbeit und Vernetzung der Mitglieder, die Einwerbung von Fördermitteln und der Förderung des Wissenstransfers – beispielsweise unter Einbindung der Universität.

Standort für Cyberwaffenagentur noch offen

„Einige Aktivitäten, die den Bekanntheitsgrad Bonns als Kompetenzzentrum für Cybersicherheit steigern und den öffentlichen Dialog über diese Fragen fördern sollen, bestehen seit einigen Jahren“, unterstreicht die Stadtverwaltung in ihrer Beschlussvorlage. So hätten 2013 das Fraunhofer FKIE und die Deutsche Telekom den Bonner Dialog für Cybersicherheit (BDCS) gestartet. Veranstaltet werde der BDCS inzwischen gemeinsam vom Fraunhofer FKIE, von der Telekom, der Wirtschaftsförderung der Stadt Bonn, dem Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI), der Bundeszentrale für politische Bildung, der Uni sowie der Industrie- und Handelskammer. Viele dieser Akteure, so die Stadt, hätten bereits ihre Bereitschaft signalisiert, sich in dem sogenannten Cluster zu engagieren.

Entscheiden müssen über die Mitgliedschaft nun die zuständigen Fachausschüsse des Stadtrates und schließlich der Rat selbst, was für dessen Sitzung am 27. September vorgesehen ist. Die Verwaltung schlägt vor, den Verein in den ersten drei Jahren mit 15.000 Euro zu unterstützen; danach soll der Jahresbeitrag für Bonn bei 10.000 Euro liegen.

Unterdessen ist über den Standort der von der Bundesregierung geplanten Cyberwaffenagentur mit ihren rund 100 Dienstposten noch nicht entschieden. Das teilte ein Sprecher des Bundesverteidigungsministeriums auf Anfrage des GA mit. Wie berichtet, planen Verteidigungs- und Innenministerium die Gründung der ressortübergreifenden Behörde. Sie soll die Bundeswehr und die Sicherheitsbehörden in die Lage versetzen, Cyberangriffen aktiv vorzubeugen. Die neue Cyberagentur werde „mutig und bürokratiearm bahnbrechende und ambitionierte Technologien initiieren und gestalten, um Deutschland und Europa zu einer eigenen Technologie-Souveränität zu verhelfen“, so der Ministeriumssprecher. Gemeinsam mit dem Bundesinnenministerium werde die Bundeswehr nicht nur in neue Technologien investieren, sondern auch eigene Expertennetzwerke und nationale Cluster stärken – womit wiederum der Bogen zum Bonner Cyber-Cluster gespannt wäre.

Kein unmittelbarer Zusammenhang besteht indes zum 2017 neu geschaffenen Kommando Cyber- und Informationsraum (CIR). Dort werden die Aufgaben Cyber, IT, militärisches Nachrichtenwesen, Geoinformationswesen und Operative Kommunikation gebündelt und aus einer Hand truppendienstlich und fachlich geführt. So stellt das Kommando CIR beispielsweise ein gemeinsames Lagezentrum bereit. Die Cyberagentur von Innen- und Verteidigungsministerium soll hingegen – auch unter Einsatz von Wagniskapital – Hochtechnologie fördern und selbst entwickeln. Ein Beispiel: ein Internetsystem, bei dem die Daten ausschließlich über Übertragungswege in Europa fließen. Nicht zuletzt soll die Cyberagentur dem Vernehmen nach privatwirtschaftlich organisiert werden – auch dies ein Unterschied zu den bestehenden staatlichen Institutionen auf diesem Gebiet.

Bonn als Standort der Cybersicherheit

Die Stadt Bonn beherbergt inzwischen mehrere öffentliche Einrichtungen mit dem Tätigkeitsschwerpunkt der Cyberabwehr. Größter Arbeitgeber ist hier das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI), das in einigen Jahren mit rund 900 Mitarbeitern einen Neubau gegenüber dem Forschungszentrums Caesar an der Bonner Rheinaue beziehen soll. Gleich daneben führt das Kommando Cyber- und Informationsraum (Kdo CIR) der Bundeswehr seit dem vergangenen Jahr die neu gegründete Teilstreitkraft, bestehend aus einer Reihe von Verbänden, die ihren Sitz außerhalb Bonns haben. Zudem operiert von Bonn aus das Informationstechnikzentrum des Bundes (ITZ) mit Sitz Am Probsthof.

Mehr von GA BONN