Bonn: 29-Jähriger versteigert Briefmarken zum Kauf eines Eigenheims

Briefmarkensammler in Bonn : Bonner versteigert Briefmarken zum Kauf eines Eigenheims

Der Bonner Benjamin Voigt trennt sich schweren Herzens von seiner seltenen Preußen-Sammlung, um sich ein Eigenheim zu kaufen. Am Samstag kommt sie in Dr. Fischers Auktionshaus unter den Hammer.

Eine wertvolle, einzigartige Briefmarkensammlung kommt an diesem Samstag in Dr. Fischers Auktionshaus unter den Hammer. Schweren Herzens trennt sich der Bonner Benjamin Voigt von seiner hochkarätigen Preußen-Sammlung. „Dies ist eine der bedeutendsten Sammlungen dieses Gebietes, die in den vergangenen Jahrzehnten auf den Markt gekommen ist“, schwärmt Dr. Fischers Auktionshaus in einer Mitteilung.

Mit viel Herzblut hat Benjamin Voigt die Sammlung über einen Zeitraum von mehr als zehn Jahren zusammengestellt. Schon als kleines Kind hatte der heute 29-Jährige eine Leidenschaft für das Sammeln entwickelt und vervollständigte so zum Beispiel seine Panini-Bücher gewissenhaft. Das Interesse an Briefmarken wiederrum kommt von seinem Vater: „Mein Vater war auch Briefmarkensammler. Ich hatte ihm immer wieder über die Schulter geschaut und festgestellt, dass mir das auch Spaß macht“, erinnert sich Voigt.

Bereits im Jugendalter hatte er die gesamte Bundesrepublik-Sammlung mit 2500 verschiedenen Marken zusammen. Dann folgte der Entschluss, historische Briefmarken zu sammeln. „Mein Vater kommt aus Stettin, eine für Preußen bedeutende Stadt. So hatte ich mich entschlossen, mich beim Briefmarkensammeln auf Preußen und die Zeit zwischen 1850 und 1867 zu konzentrieren“, sagt Voigt. Mehrere hundert Stunden an Freizeit hat der heutige Berufs-Philatelist in seine Sammlung investiert.

„Bei den Preußen-Marken geht es um Ästhetik, alle Marken sind in ästhetischen Farben und haben klare deutliche Stempel“, erklärt der gebürtig aus dem Harz stammende Sammler. Die Preußen-Sammlung wuchs und wuchs und wurde zur Geldanlage: „Ich war alleinstehend und hatte mein ganzes Geld in die Briefmarken investiert“, sagt Voigt. Mehrere hundert Auktionskataloge hatte er durchgeschaut, bei Auktionshäusern in ganz Deutschland, aber auch in Dänemark oder der Schweiz war er fündig geworden. Die Sammlung umfasst alle Marken, die es in Preußen gegeben hat – von der ersten bis zur letzten Ausgabe. „Ich habe 1000 Positionen zusammengeführt“, sagt Voigt.

Seinem philatelistischen Meisterwerk hat er den Namen „Sanssouci“ gegeben, da Potsdam für Preußen eine bedeutende Stadt gewesen ist. Die einzelnen Marken haben einen Wert von 50 bis 3000 Euro pro Stück, der Gesamtwert der Sammlung liegt im sechsstelligen Bereich. Ein Brief, der zunächst von Preußen nach Sachsen, dann von Sachsen nach Münster und anschließend nach Bad Reichenhall geleitet wurde zählt zu den teuersten Exemplaren der Sammlung. Anlässlich der Auktion hat Fischers Auktionshaus gemeinsam mit Voigt einen Sonderkatalog angefertigt, der 1066 Verkaufseinheiten, die unter Philatelisten auch „Lose“ genannt werden, umfasst. Allein in die Anfertigung des Sonderkatalogs hat Voigt 160 Arbeitsstunden investiert.

„Für mich ist das das Panini-Album meiner Erwachsenenzeit“, lacht der Philatelist. Grund für die nicht ganz so leichte Trennung von der Sammlung ist der Wunsch, mit seiner Frau und den beiden Kindern in ein Eigenheim ziehen zu können. Die Auktion bedeutet für Voigt aber keinesfalls das Ende seines Sammlerlebens: „Ich werde versuchen, die Sammlung nach und nach wieder zurückzukaufen“, sagt Voigt.

Gleichzeitig denkt er auch schon über neue Herausforderungen nach. So könnte er sich vorstellen, zukünftig Briefmarken nach Destinationen zu sammeln, zum Beispiel Marken, die von Preußen nach Griechenland wanderten. Ansonsten bleibt dem Sammler noch seine Märklin Eisenbahn und die Lego-Sammlung, die beim Spielen mit dem Sohn zum Einsatz kommt.

Die Versteigerung der Sammlung „Sanssouci“ findet am Samstag, 22. November ab 12 Uhr in Dr. Reinhard Fischer Auktions- und Handelshaus für Briefmarken und Münzen, Joachimstraße 7, statt.