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Bombenfund an Uniklinik Bonn: Entschärfung am Donnerstag, Patienten werden evakuiert

Fliegerbombe entdeckt : Uniklinik Bonn wird nach Bombenfund teilweise geräumt

Die Fliegerbombe, die am Mittwoch an der Uniklinik Bonn gefunden wurde, soll am Donnerstagnachmittag entschärft werden. Die Evakuierung der Patienten läuft seit dem Abend, rund 1200 Anwohner müssen ihre Häuser verlassen.

Erst hat man kein Glück und dann kommt auch noch Pech dazu. So ähnlich lässt sich die Lage beschreiben, in der das Uniklinikum gerade steckt. Während der Betrieb aufgrund der Corona-Epidemie stark erhöht ist, wurde am Mittwochmorgen bei Bauarbeiten auf dem Gelände des Universitätsklinikums (UKB) eine Fünf-Zentner-Fliegerbombe aus dem Zweiten Weltkrieg gefunden. Der Bereich um den Fundort wurde großräumig abgesperrt, nachdem sich der Kampfmittelbeseitigungsdienst der Bezirksregierung Düsseldorf, der Stadtordnungsdienst und die Feuerwehr über die ersten einzuleitenden Maßnahmen in Zusammenarbeit mit der Klinikleitung abgestimmt hatten. Am Mittwochabend lud das Klinikum zu einer Pressekonferenz und gab weitere Details bekannt.

„Der Bombenfund war etwa auf der Mitte des Geländes des Unklinikums“, sagt Wolfgang Holzgreve, Ärztlicher Direktor des UKB: „Dort finden gerade Vorbereitungsarbeiten für das Herzzentrum statt. In dem Bereich, in dem ein Wirtschaftshof entstehen soll, wurde in den frühen Morgenstunden die 250 Kilogramm schwere Bombe gefunden.“ Das sei etwas, was man in diesen Zeiten nun wirklich nicht brauche. „Aber wir sind in solchen Zeiten natürlich auf Notfälle eingestellt.“

Die Evakuierung der Patienten habe bereits am Abend begonnen. „Natürlich sind noch viele Patienten in den Krankenhäusern. Wir haben in einem Plan festgelegt, in welcher Reihenfolge sie verlegt werden sollen“, so Holzgreve weiter. So sollen insgesamt 144 stationäre Patienten für den Zeitraum der Entschärfung verlegt werden. Davon 120 innerhalb des Geländes. „Da kommt uns zugute, dass auf dem Klinikgelände der Südbereich nicht betroffen ist.“ Dorthin sollen die 120 Patienten gebracht werden. Darunter befänden sich auch elf Patienten, die mit dem Coronavirus infiziert seien. 23 Patienten aus dem chirurgischen und internistischen Bereich müssten extern in andere Krankenhäuser verlegt werden.

Besonders heikel sei es bei den Patienten auf der Intensivstation. Die meisten werden nach Aussage des Klinikchefs gerade beatmet. Dabei handele es sich um insgesamt 69 Patienten. „Da ist unser Bemühen, das hausintern zu schaffen.“ Am Donnerstag sollen aufgrund der Evakuierung und Entschärfung der Bombe den ganzen Tag alle Ambulanzen gesperrt sein. „In Zeiten von Corona ist das natürlich eine zusätzliche Belastung“, so Holzgreve.

Dieses Video ist Teil einer Kooperation zwischen GA und WDR.

Der Leiter des Bonner Stadtordnungsamtes, Carsten Sperling, berichtete Genaueres über die Entschärfung am Donnerstagnachmittag. „Wir haben den Kampfmittelbeseitigungsdienst hinzugezogen. Er hat nach einer Begutachtung der Bombe entschieden, dass die Entschärfung hier vor Ort möglich ist.“ Dies bedeute, dass am Venusberg die Anwohner während der Entschärfung ab 16 Uhr nicht mehr das Haus verlassen dürfen. Nach Aussage Sperlings seien davon etwa 660 Bewohner betroffen.

Ein weiterer Stadtteil, den die Evakuierung betrifft, ist Dottendorf. Dort sollen etwa 1250 bis 1300 Menschen evakuiert werden. Die Feuerwehr werde mit Lautsprechern durch die Straßen fahren und die Anwohner über die Evakuierung informieren. Zusätzlich wurde am Mittwochabend ein Bürgertelefon unter der Nummer 0228/717171 eingerichtet, an das sich besorgte Bürger wenden können.

Die Anwohner in Dottendorf, die während der Evakuierung ihr Haus verlassen müssen, sollen während dieser Zeit in der Gesamtschule „Bonns Fünfte“ in der Eduard-Otto-Straße 9 untergebracht werden. „Die Feuerwehr hat das Gebäude bereits besichtigt. Damit der Mindestabstand zwischen den Menschen eingehalten werden kann, sollen die Leute auf die einzelnen Klassenräume verteilt werden“, sagt Sperling. 70 bis 80 Einsatzkräfte sollen vom Stadtordnungsamt dabei sein.

Nach Aussage des Kampfmittelbeseitigungsdienstes habe die Bombe zwei Zünder, wobei nur einer davon sichtbar sei. „Man kann aber davon ausgehen, dass die Entschärfung problemlos verlaufen wird“, so Sperling. Die Bombe sei vorsichtshalber mit Sand abgedeckt. Auch werde die Polizei regelmäßig den Fundort anfahren, um zu schauen, ob sich Schaulustige nähern.

Gegen 19 Uhr am Mittwochabend wies die Stadt dann auch mit einer Amtlichen Gefahrenmeldung auf die Evakuierung hin. Demnach sollen die betroffenen Dottendorfer bis spätestens 9 Uhr ihre Häuser verlassen haben. Bereits ab 7.30 Uhr stehe die Gesamtschule in der Eduard-Otto-Straße zur Verfügung.