Rad-Aktionstag auf dem Münsterplatz: Bolle, E-Bikes und der tote Winkel

Rad-Aktionstag auf dem Münsterplatz : Bolle, E-Bikes und der tote Winkel

Der „Rad-Aktionstag“ auf dem Münsterplatz stand im Zeichen der Sicherheit. Auch einige Neuheiten der Branche waren zu sehen.

Sei es der Weg zur Arbeit, Uni oder Schule: Täglich sind viele Bonner mit dem Rad unterwegs. Dabei achten die Wenigsten auf ihre Sicherheit und ob ihr Zweirad tatsächlich verkehrstauglich ist.

Beim „Rad-Aktionstag“ am Samstag auf dem Münsterplatz stand die Sicherheit deshalb im Vordergrund. Aber auch Neuheiten aus der Welt der Fahrräder wurden präsentiert. Das Fahrradgeschäft „BundesRad Bonn“ stellte Velos mit Riemenantrieb vor.

Auch bei den E-Bikes hat sich einiges getan. „Die Räder sind schneller und haben mehr Reichweite“, sagte Benjamin Böhlert (27) vom Bonner Hersteller „Radon“. „Die stärkeren kommen dabei auf rund 50 Stundenkilometer, bei einer Reichweite von 110 Kilometern.“

Die immer zügigeren Räder sind jedoch nicht ungefährlich. „Durch die Weiterentwicklung von E-Bikes steigt das Unfallrisiko an“, sagte ein Sprecher der Verkehrswacht NRW. „Gerade ältere Menschen kaufen sich zur Entlastung ein E-Bike.

Doch oft reicht deren Reaktionsfähigkeit nicht mehr aus, um die Räder im Notfall unter Kontrolle zu halten“. Aus diesem Grund hatte die Verkehrswacht einen Simulator aufgebaut, mit dem die Reaktionsfähigkeit in verschiedenen Szenarien getestet werden konnte.

Die Sicherheit der Bonner Biker treibt auch Gabriele Heix vom Allgemeinen Deutschen Fahrrad Club (ADFC) die Sorgenfalten auf die Stirn. „Vor allem Studenten fahren auf alten Rädern, die längst nicht mehr sicher sind“, sagte die 69-Jährige, die mit einem Kollegen die Radfahrer in punkto Ausrüstung beriet. Ebenso informierten sie über die Diebstahlsicherung mit Codierung, die Fahrradbesitzer beim ADFC und der Caritas anbringen lassen können, um Räder identifizierbar zu machen.

Währenddessen machte die Polizei auf den toten Winkel aufmerksam. Mit einem Linienbus und einer Plane demonstrierten die Beamten, wie klein das Sichtfeld eines Busfahrers ist. Dabei richtete sich Polizeioberrat Alberto Copploa (50) mit einem besonderen Appell an die Radler: „Sie müssen sich verstärkt an die Verkehrsregeln halten.

Es passieren viele Unfälle, weil die Regeln missachtet und zum Beispiel rote Ampeln überfahren werden.“ 2015 habe es in Bonn 665 Unfälle gegeben, zum Teil, weil Radfahrer die Regeln gebrochen hätten.

Auch Bürgermeister Reinhard Limbach machte einen Rundgang über den Münsterplatz. „Ich fahre selbst viel mit dem Fahrrad“, so Limbach. „Letztes Jahr bin ich 3218 Kilometer gefahren. Ich zeichne die Fahrten mit dem Handy auf.“

Ein Projekt, das Limbach besonders ins Auge fiel, war das gemeinnützige Projekt „Bolle“. Das ist ein Lastenanhänger fürs Fahrrad, den jeder für eine kleine Spende für Umzüge oder ähnliche Transporte leihen kann. „Die Reservierung erfolgt über das Internet, nach einer kurzen Absprache kann er privat abgeholt werden“, sagt Miriam Kleiner (24) vom „Bolle“-Team.

Der Anhänger kann bis zu 250 Kilogramm auf einer Ladefläche von 160 mal 60 Zentimetern transportieren. Bei den Bonnern kam der Aktionstag trotz des wechselhaften Wetters gut an: „Vor allem die Polizei war sehr hilfreich und engagiert“, sagt Student Christian Günther (27). „Die Beamten stellten Mängel an meinem Rad fest und reparierten es sofort.“

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