Bönnsche Bimmel: Historische Bahn in Bonn tritt letzte Reise an

Historische Bahn „Bönnsche Bimmel“ : Letzte Fahrt eines Bonner Originals

Der „Bönnsche Bimmel“ getaufte Bahnwagen war viele Jahrzehnte auf Bonner Schienen im Einsatz - auch wenn die „Bimmel“ zuletzt nur bei Sonderfahrten zu sehen war. Nun trat sie ihre letzte Fahrt an, hat aber bereits einen neuen Verwendungszweck.

"Sonderfahrt" prangt in roten Lettern auf der analogen Anzeige der Bönnschen Bimmel - und besonders war diese Fahrt des zwölf Meter langen, weißen Stadtbahnwagens auf einem Schwerlasttransporter über die A 562 ganz bestimmt. An diesem Mittwoch bestritt die Bönnsche Bimmel ihre letzte Etappe vom Betriebshof der Stadtwerke in Beuel zum Basecamp nach Dottendorf. Nach beinahe 110 Jahren im Einsatz ist endgültig Endstation. Im Basecamp ist sie in bester Gesellschaft: Viele historische Fahrzeuge dienen hier als Schlafunterkünfte, Konferenzräume oder Trauzimmer.

Ein echtes Bonner Original auf einem Abstellgleis unter der Thomas-Mann-Straße einfach so vermodern zu lassen - das hätte Michael Schlößer nicht gefallen. Er ist Betreiber des Basecamps Bonn und verantwortlich dafür, dass die alte Stadtbahn fortan ihr Dasein auf dem Hostel-Gelände in Dottendorf fristen darf. Jetzt begrüßt sie mit ihrem altmodisch anmutenden Schriftzug alle Gäste des Basecamps direkt vor den Türen der riesigen Halle. Schlafen kann man zwar nicht in ihr, dafür aber heiraten und konferieren.

Die Vorbereitung für den Transport von der einen auf die andere Rheinseite verlief ohne Probleme. Gegen 8 Uhr sollte die Bönnsche Bimmel auf einen Schienenwagen gerollt werden, eine halbe Stunde später stand sie schon sicher verpackt an Ort und Stelle. Nach der Ankunft am Basecamp begann schließlich der schwierige Teil, der das Ausmaß der Aktion erst deutlich machte. Gut ein Dutzend Hände und drei weitere Schwerlasttransporter brauchte es offenbar, um die im Vergleich recht zierliche Tram auf ihren vorbestimmten Platz zu bewegen. Dazu kamen der Berufsverkehr, unerwartet viele Medienvertreter und Schaulustige aus dem Basecamp oder solche, die davon gehört hatten und deshalb vorbeischauten.

Bönnsche Bimmel erreicht nach acht Stunden ihr Ziel

So wie Marlene Ramm aus Bonn, die sich trotz der fröstelnden Temperaturen das Spektakel nicht entgehen lassen wollte. "So etwas bekommt man schließlich nicht alle Tage zu sehen", sagte sie auch noch nach vier Stunden, während das Wetter immer wieder zwischen Sonne und Schauern wechselte.

Wie genau die 18,8 Tonnen schwere Bahn schließlich metergenau unter das Vordach manövriert werden sollte, erschloss sich den meisten Zuschauern erst kurz bevor sie dort auch wirklich stand. Regelmäßig sah es so aus, als würde es überhaupt nicht weitergehen, dann wieder doch, aber immer vorsichtig und in minimalem Tempo. Es gibt bei so teurer Fracht viel zu verlieren.

Deshalb benötigte es einen etwa 20 Meter hohen Kran, der eine gewaltige Traverse hochzog, die wiederum mit Feuerwehrschläuchen ähnelnden Trägern um die Bönnsche Bimmel gebunden wurde. Vom Transporter schwebte sie dann irgendwann endlich neben ihren Platz, damit Rollbretter daruntergeschoben werden konnten. Ab diesem Zeitpunkt ging es schnell - eine halbe Stunde später hatte sie ihr Ziel erreicht. Nach gut acht Stunden der Aufregung war der Bönnschen Bimmel fürs Erste eine Pause gegönnt. Sie selbst wird zwar nie wieder Bonns Straßen sehen - aber vielleicht bald ihre Fahrgäste mit Virtual-Reality-Brillen auf den Augen. Eine virtuelle, historische Bahnfahrt ist in der Planung.

Bönnsche Bimmel hatte ein bewegtes Leben

Darin nimmt sie die Besucher ein Stück weit mit in ihre Vergangenheit, denn die alte Stadtbahn hatte ein bewegtes Leben. Im Jahr 1911 gebaut, war sie zunächst als Beiwagen zwischen Bonn und Bad Godesberg unterwegs. Ab dem Jahr 1949 wurde sie auf der Strecke von Bonn nach Mehlem zum Triebwagen befördert. Irgendwann musste aber auch der letzte Passagier aussteigen und die Bahn wurde ausgemustert.

Engagierten Stadtwerke-Mitarbeitern brach es jedoch das Herz, den Oldtimer auf dem Abstellgleis zu sehen. Sie brachten die Bönnsche Bimmel im Dransdorfer Betriebshof wieder in Schuss. 19 Sitzplätze, rot gepolsterte Sitze, Tischlampen und Vorhänge - die alte Stadtbahn durfte als Party und Hochzeit- und Eventwagen wieder auf die Schienen. 1989 war der letzte Handgriff getan.

Beinahe 30 Jahre Dauerfeiern bei bis zu 80 Veranstaltungen im Jahr zogen aber nicht spurlos an der Stadtbahn vorbei. 2017 musste die Bremse endgültig gezogen werden, 140.000 Euro hätten die nötigen Modernisierungen gekostet, damit sie die nächste Untersuchung besteht. Die geringe Zahl der Sitzplätze hätte es zudem schwierig gemacht, sie zu vermarkten.

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