Fall Niklas Pöhler: Beweislage gegen Walid S. weiterhin unklar

Fall Niklas Pöhler : Beweislage gegen Walid S. weiterhin unklar

Auch am zwölften Tag im Prozess gegen Walid S. können die letzten geladenen Zeugen kein klares Bild liefern.

Es ist der zwölfte Tag im Prozess um den gewaltsamen Tod des 17-jährigen Niklas, der dem 21-jährigen Walid S. angelastet wird. Und am Ende sind mehr Fragen offen als beantwortet, denn auch die letzten geladenen Zeugen liefern kein klares Bild von der verhängnisvollen Nacht des 7. Mai 2016 und vom Aufenthaltsort des Angeklagten, der die Tat bestreitet.

Der wichtigste Zeuge am Mittwoch war der Polizeibeamte, der Walid S. nach dessen Festnahme drei Mal vernommen hat. Der 41-Jährige schildert, wie Walid S. bei der ersten Vernehmung mit „sich überschlagender Stimme“ versichert habe, am fraglichen Abend bis nachts mit seiner Freundin und vielen Leuten im Bad Godesberger Kurpark am Ententeich gewesen und nur einmal mit einem Freund – genau zur Tatzeit – zur Tankstelle gefahren zu sein, um Zigaretten und Energydrinks zu kaufen. „Er sagte das mit solchem Nachdruck, dass ich ihm geglaubt habe“, sagt der Beamte. Doch weitere Ermittlungen und Zeugenvernehmungen hätten ergeben: Walid S. hat gelogen. „Nicht ein einziger Zeuge, nicht ein einziger“, betont der Polizist, „konnte seine Angaben bestätigen.“

In den weiteren Vernehmungen habe Walid S. seine Angaben angepasst. Und als die Jacke mit Niklas' Blut, die bei Walid sichergestellt worden war, zur Sprache gekommen sei, habe er eine verwickelte Geschichte erzählt, wie er an diese Jacke, die nachweislich einem Freund gehört, gekommen sein will – nach der Tat, mit der er nichts zu tun habe.

Allerdings habe Walid S. zugegeben, schon öfter zugeschlagen und getreten zu haben bei Auseinandersetzungen. Deshalb sei auch nach Veröffentlichung der Täterbeschreibung in den Medien in entsprechenden Bad Godesberger Kreisen rumgegangen: Der Gesuchte sehe aus wie er. „Doch so sehen viele aus“, habe Walid S. in der Vernehmung gesagt. Und: Freunde hätten ihn gewarnt. „Denn die kennen meine Faust. Ich habe ja Kickboxen gemacht.“ Und dann habe er erklärt: Er könne der Polizei einen Tipp geben, wer der Täter sei. Doch der von ihm Genannte habe ein wasserdichtes Alibi gehabt.

Was aber ist Walid S. nun wirklich nachzuweisen? Zwar hat ihn der 19-jährige Freund von Niklas als Tatzeuge am Ende „eindeutig“ als Täter identifiziert – auch vor Gericht. Doch genau dieser Zeuge hatte zuvor auch auf Fotos angebliche Täter identifiziert, die nachweislich nicht am Tatort waren. Außerdem, so räumt der Polizist im Zeugenstand ein: Keine Handyverbindung und -ortung belegt, dass Walid S. zur Tatzeit dort war. Dafür wurde direkt nach der Tat in Tatortnähe der 22-Jährige gesehen, dem die Jacke mit Niklas' Blut gehört. Er warnte Zeugen, die ihm begegneten, vor der Polizei.

Wie der Polizist erklärt, habe er auch ihn vernommen – im Gefängnis, wo der 22-Jährige in anderer Sache einsitzt. Er habe grinsend im Stuhl gelegen, zugehört und sei dann gegangen mit den Worten: „Das kann alles nicht sein, so darf man mit mir nicht reden. Für mich ist das hier beendet.“ Eines steht am Ende dieses Prozesstages fest: Die Beweislage bleibt unübersichtlich.