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Nach Attacke im Bonn Paulusheim: Bewährung für Messerstecher

Nach Attacke im Bonn Paulusheim : Bewährung für Messerstecher

Die Messerattacke eines Flüchtlings auf einen Mitbewohner im Endenicher Paulusheim ist auf eine ausgebrochene schizophrene Psychose zurückzuführen. Zu diesem Schluss kamen am Freitag die Richter der dritten großen Strafkammer des Landgerichts.

Da der aus dem westafrikanischen Guinea nach Deutschland geflüchtete 24-Jährige aufgrund der psychiatrischen Erkrankung zur Tatzeit schuldunfähig war, kam er nicht ins Gefängnis. Die Voraussetzungen für eine dauerhafte Unterbringung des 24-Jährigen in der Psychiatrie lagen laut Urteil zwar vor.

Die Richter sahen es allerdings genauso wie die Staatsanwältin: Sie setzten diese Maßregel wie gefordert zur Bewährung aus, und zwar für fünf Jahre.

Am 1. August 2015 war der 24-Jährige, wie berichtet, mit zwei Messern in den Händen in dem Zimmer eines guten Freundes in der Flüchtlingsunterkunft erschienen. Er verletzte den 27-Jährigen am Arm und lief zunächst weg. Kurz darauf erschien er noch einmal an dem Zimmer und trat die inzwischen verschlossene Tür ein.

Für großes Aufsehen hatte der Fall gesorgt, da sich der Flüchtling beim Eintreffen der alarmierten Polizei in einer Gemeinschaftsküche im zweiten Stock verschanzt hatte. Die Beamten forderten daraufhin ein Spezialeinsatzkommando (SEK) an. Als sich die Kräfte gerade vor Ort fertig machten, sprang der 24-Jährige plötzlich aus dem Küchenfenster.

„Das müssen schon große Ängste, Todesängste gewesen sein“, so der vorsitzende Richter Klaus Reinhoff zu dem Sprung „des in seinem Wahn gefangenen Flüchtlings“ aus dem zweiten Stock. Die Polizisten sollen versucht haben, den offenbar weiterhin mit den Messern in der Hand umherlaufenden Mann mit Pfefferspray zu stoppen.

Dann wurden Schüsse aus drei Dienstwaffen auf den 24-Jährigen abgefeuert. Er wurde sechs Mal ins rechte Bein, einmal in die rechte Schulter und einmal in die rechte Gesäßhälfte getroffen. Die Ermittlungen gegen die Beamten sind laut der Staatsanwaltschaft noch nicht abgeschlossen.

Nach dem Krankenhaus wurde der Flüchtling in eine psychiatrische Klinik verlegt. Da er krankheitseinsichtig ist und seine Medikamente zuverlässig nimmt, „kann man es wagen, die dauerhafte Unterbringung zur Bewährung auszusetzen“, so Reinhoff.

Das Gericht ordnete an, dass der 24-Jährige vorerst weiter auf der offenen Station der Klinik bleiben muss. Blutkontrollen sollen zeigen, dass er seine Medikamente nimmt, Drogen und Alkohol hingegen nicht.