Architekten im Kreuzfeuer: Beschluss zur Instandsetzung der Bonner Oper verschoben

Architekten im Kreuzfeuer : Beschluss zur Instandsetzung der Bonner Oper verschoben

Nach zweieinhalbstündiger Debatte haben die Ratspolitiker am Dienstagabend den Grundsatzbeschluss zur Instandsetzung von Oper und Kammerspielen ohne Abstimmung verschoben.

In der Sitzung von Kultur- und Finanzausschuss geriet die Fachfirma „theapro“ aus München, von der das Instandsetzungskonzept stammt, regelrecht ins Kreuzfeuer. Kämmerin Margarete Heidler machte zudem klar, dass die Kreditfinanzierung der Baumaßnahmen alles andere als einfach wird.

Brandschutz

Für beide Häuser gebe es dringenden Handlungsbedarf, so „theapro“-Geschäftsführer Reinhold Daberto – das gelte auch für die Brandschutzmängel. Nach Rücksprache mit Brandschutzexperten seien Oper und Kammerspiele aber trotzdem sicher und müssten nicht geschlossen werden. Als Felix Kopinski (Sozialliberale) aus internen städtischen Prüfberichten „erhebliche Bedenken gegen den Weiterbetrieb“ zitierte, konterte ein Mitarbeiter Dabertos: Die Aktenlage zur Oper sei „seit 15 Jahren unfassbar widersprüchlich“. Um dringendste Brandschutzmängel zu beheben, stellt die Stadt 2017 und 2018 rund sechs Millionen Euro bereit.

Arbeit bei laufendem Betrieb

Auf Wunsch von Generalintendant Bernhard Helmich schlägt „theapro“ die Instandsetzung bei laufendem Betrieb vor. Start wäre erst nach dem Beethoven-Jubeljahr 2020, Bauzeit bei der Oper etwa fünf, bei den Kammerspielen rund zwei Jahre. Die Stadtverwaltung will eine Alternative mit Schließzeiten prüfen lassen (siehe „Beschlussvorschlag der Stadtverwaltung“). Eine Kostenprognose für diese Alternative hatte CDU-Fraktionschef Klaus-Peter Gilles vom Architektenbüro aber schon vor der Sommerpause verlangt.

„Das müssten Sie aufgrund Ihrer Datenbasis aus dem Stand liefern können“, machte er seinem Ärger Luft. „Sonst fühle ich mich verschaukelt!“ Marion Duisberg, Chefin des Städtischen Gebäudemanagements Bonn (SGB), stützte Gilles' Forderung. Sie wies zudem auf ein Kostenrisiko hin, wenn die Baufirmen bei Instandsetzung im laufenden Betrieb in den Spielzeitpausen in ein enges Zeitkorsett gezwungen werden müssten. Intendant Helmich hielt dagegen, eine Ausweichspielstätte und Einnahmeausfälle würden auch viel Geld kosten: „Man würde unter keinen Umständen sparen“, erklärte er.

Fehlende Baupreissteigerung

Noch mehr Kritik musste „theapro“ wegen der Kostenprognosen von 69,7 Millionen Euro für die Oper und 24,6 Millionen Euro für die Kammerspiele (jeweils mit 30 Prozent Puffer für „Unvorhergesehenes“) einstecken. Das Büro hatte keinerlei Baupreissteigerung eingerechnet, die in den vergangenen Jahren jeweils weit über zwei Prozent lag. Das sei doch spekulativ und außerdem nicht Vorgabe des Theaters als Auftraggeber gewesen, so Planer Daberto. Linken-Fraktionschef Michael Faber forderte, der übliche Preisindex müsse eingerechnet werden. CDU-Mann Gilles nannte die „theapro“-Summen sogar „unvollständig und irreführend“.

Haushaltsprobleme

Die Gesamtinvestition von rund 100 Millionen Euro kann die Stadt offenbar nur stemmen, wenn sie vorher ihren seit Jahren defizitären Haushalt ausgleicht. So sieht es Kämmerin Margarete Heidler. Die Vorgabe des Haushaltssicherungskonzepts, bis 2021 die schwarze Null zu schaffen, müsse erfüllt werden, unterstrich sie in der Sitzung. Auch danach dürfe der Etat „nicht aus dem Ruder laufen“ – Investitionen müssten demnach zeitlich gestreckt werden. Klar sei aber auch, dass in beiden Häusern gehandelt werden müsse.

Die SPD beantragte eine Prüfung, ob statt Instandsetzung ein Neubau für Oper und Schauspiel günstiger sein könnte – wobei es für das Kammerspielhaus eine attraktive Nachnutzung geben müsse. Intendant Helmich hielt vehement dagegen: Der Rat habe den Fortbestand der Kammerspiele garantiert. „Wenn diese demokratische Entscheidung infrage gestellt wird, löst das existenzielle Verunsicherung aus“, warnte Helmich. Über den Antrag wurde nicht abgestimmt. Die Beschlussvorlage der Stadt geht ohne Votum in die Ratssitzung am 28. September.