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Verein für Gefährdetenhilfe: Berühmte Szenen für Bonner Kalender neu fotografiert

Verein für Gefährdetenhilfe : Berühmte Szenen für Bonner Kalender neu fotografiert

Einmal wie Leonardo DiCaprio an der Reling stehen oder scheinbar hoch über Bonn auf einem Geländer sitzen: Klienten des Vereins für Gefährdetenhilfe haben für einen neuen Kalender Modell gestanden.

Sein weißes Schlafmützchen hatte Andreas zwar vergessen. Machte aber nichts. Die weiße Haube eines Karnevalskostüms tat es zur Not auch. Schnell setzte er sie auf und präsentierte stolz eines der großformatigen Bilder, die gestern Abend im Kunstmuseum ausgestellt wurden. „Ich bin der Arme Poet“, sagte er und lachte.

Allerdings spielte die Szene nicht wie bei Carl Spitzweg in einer schäbigen Dachkammer, sondern im dritten Stock der Notunterkunft Haus Sebastian des Vereins für Gefährdetenhilfe (VfG). „In der Frauenetage“, meinte Andreas. Sein Bild ziert das Januar-Blatt des neuen VfG-Kalenders. Unter dem Titel „Kunstbanausen“ haben Klienten und Mitarbeiter berühmte Szenen und Motive aus Kunst und Kultur nachgestellt. Die Fotos stammen von Cynthia Rühmekorf.

Diana und Stefan erinnerten sich gerne an ihr erstes Fotoshooting zurück. Sie posierten wie einst Kate Winslet und Leonardo DiCaprio an der Reling eines Schiffs. Allerdings nicht an Bord der Titanic, sondern auf der Rheinfähre nach Königswinter. „Wir durften sogar ganz nach oben in einen Bereich, den Passagiere normalerweise nicht betreten dürfen“, meinte Stefan.

Mit dem Ergebnis sind beide mehr als zufrieden. „Das ist wirklich ein sehr schönes Bild von uns“, so Diana. „Ich bin wirklich stolz, dass wir beide an diesem Projekt mitgearbeitet haben.“ Zweimal musste die Fähre übersetzen, dann waren die Fotos im Kasten. Ganz einfach war der Ausflug in die Modelwelt allerdings nicht. „Ich hatte damals noch sehr lange Haare, und die wehten mir dauernd ins Gesicht. Das war schon recht nervig“, sagte Stefan.

Ein haariges Problem hatte auch Tanja: Gemeinsam mit ihrem Mann Manfred stellte sie die „Bed-Ins for Peace“-Szene mit John Lennon und Yoko Ono nach. „Ich musste eine Perücke tragen. Da wir die Bilder mitten im Sommer gemacht haben, war das schon unangenehm“, sagte sie. Doch ihr „John“ ist zufrieden. „Wir sehen doch beide sehr gut aus“, meinte er und setzte seine kleine Nickelbrille zurecht.

In schwindelerregende Höhe begaben sich die Mitarbeiter der VfG allerdings nicht, um das Bild „Mittagspause auf einem Wolkenkratzer“ nachzustellen. „Nein“, sagte Susanne Fredebeul bei der Präsentation des Kalenders. „Die sitzen auf einem Gelände unseres Verwertungshofs. Ganz ungefährlich. Wir haben das Bild einfach in eine Luftaufnahme von Bonn hineinmontiert.“

Auch die „Abbey Road“ wurde in die Bonner Weststadt verlegt, ein Mädchen der VfG-Kindertagesstätte Schatzinsel wie Picassos „Mädchen mit Taube“ fotografiert. „Alle Darsteller wurden zu einem Kunstwerk und mit ihren Fähigkeiten, sich Kunstwerke mit Liebe und Begeisterung zu erschließen, gleichzeitig zu Künstlern“, lobte Nelly Grunwald, VfG-Geschäftsführerin, alle Akteure bei der Vorstellung des Kalenders.

Der Kalender ist ab diesem Mittwoch für zehn Euro beim Verein für Gefährdetenhilfe, Am Dickobskreuz 6, 02 28/9 85 76 28, erhältlich. Der Erlös ist für die Vereinsarbeit bestimmt.