Von Ruhestand keine Spur: Bernhard "Felix" von Grünberg im Porträt

Von Ruhestand keine Spur : Bernhard "Felix" von Grünberg im Porträt

Nach zwölf Jahren im Landtag zieht der Bonner SPD-Politiker Bernhard von Grünberg Bilanz. Der 71-Jährige ist weiterhin im Mieterverein aktiv, in der Uno-Flüchtlingshilfe und in der Sozialberatung.

Nun sitzt Bernhard „Felix“ von Grünberg auf seinem braunen Ledersofa mit einer Tasse Tee in der Hand und soll Bilanz ziehen. Bilanz nach zwölf Jahren als Bonner Landtagsabgeordneter in Düsseldorf. „Aber so einfach ist das nicht“, sagt er. Dann nennt er nach einigem Zögern das Integrationsgesetz, an dem er mitgewirkt habe, in dem unter anderem ein verbindlicher Anstieg des Migrationsanteils in Behörden festgeschrieben ist.

Zuletzt hat er außerdem noch mit im Amri-Untersuchungsausschuss gesessen, der den Terroranschlag durch Anis Amri auf dem Berliner Weihnachtsmarkt und die Verantwortung der Landesregierung NRW näher untersuchen sollte. Und am Wohnungsaufsichtsgesetz hat er ebenfalls mitgewirkt. Er, der alte Mietfuchs, der im 47. Jahr seine Sozialberatung im Alten Rathaus anbietet und seit Ewigkeiten im Vorstand des Bonner Mietervereins sitzt.

Letztlich ist die Integration, so sperrig das Wort sein mag, wohl eines der wichtigen Lebensthemen des Bernhard, genannt „Felix“, von Grünbergs. Man kann nicht sagen, dass der Weg dorthin familiär vorgegeben war: Der Vater Hans-Bernhard von Grünberg gehörte den Nationalsozialisten an und war bis 1944 Rektor der berühmten Albertus-Universität Königsberg. Später gründete er die NPD, mit der er 1969 nur knapp den Einzug in den Bundestag verfehlte. „Aber er hatte auch liberale Züge und ließ mich machen“, sagt der Sohn. Als Generationenkonflikt sieht Grünberg seine Entscheidung, in die SPD einzutreten, jedenfalls nicht. „Das wäre mir doch zu platt.“

Streitbar, aber mit leiser Stimme

In jedem Fall gab es eine Menge Konfliktfelder, in denen der Bonner Politiker sich bewegte. Er versuchte (und versucht), zwischen Türken und Kurden zu vermitteln. Da wäre sein Einsatz für Minderheiten wie Roma und Sinti zu nennen. Die Sozialberatung ist auch nicht eben eine glatte Nummer. Unzählige Briefe verfasste der streitbare von Grünberg mit der leisen Stimme an Behörden.

Im Düsseldorfer Parlament haben sie den Mann, der sehr schnell zu sprechen pflegt, aber nicht zum Zornesausbruch neigt, bis 2012 für manchen Kommentar belächelt: Wenn der Sozi wieder einmal für den „kleinen Mann“ oder die „kleine Frau“ sprach. Bis 2012 – das war wohl, was die Medienwirksamkeit angeht, das Jahr des „Felix“ von Grünberg. Damals ließ sich der damalige Bundesumweltminister Norbert Röttgen für die CDU im nördlichen Bonner Wahlkreis aufstellen und schickte sich an, Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen zu werden. Ausgerechnet in Grünbergs Wahlkreis.

Die Süddeutsche Zeitung schrieb damals vom Bonner „Inventar“ – und meinte damit nicht Röttgen. Es hatte etwas von David gegen Goliath. Doch war es auch eine Frage der Perspektive, wem welche Rolle zufiel. Im Wahlkampf kam Ministerpräsidentin Hannelore Kraft vorbei und schüttelte Hände. Der Jurist von Grünberg zückte beim Besuch des Vereins für Gefährdetenhilfe jede Menge Visitenkarten für die Drogenabhängigen. Er gewann mit deutlichem Abstand.

Beine hochlegen kommt nicht in Frage

Mit der Parlamentsarbeit ist es nun vorbei. Mit 71 Jahren ist der gebürtige Hallenser allerdings weiterhin beim Mieterverein aktiv. Als stellvertretender Vorsitzender der Uno-Flüchtlingshilfe sammelt er Geld für Syrien. Die Sozialberatung bleibt eine Aufgabe, sagt er. Im katalanischen Barcelona hat ihn Parlamentspräsidentin Carme Forcadell kürzlich für seinen Einsatz geehrt, ein spanisches Mietrecht auf den Weg zu bringen. Dort haben nun „El Mietrecht“ und „La Mietpreisbremse“ Eingang in die Sprache gefunden.

Sicher ist, dass der rastlose und überzeugte „Altstädter“ sicher nicht die Beine hochlegen wird. Schließlich sind da noch seine Frau Maria Efstathiou und die Liebe zum Reisen. Von Grünberg hat schon viele Regionen Afrikas, Südamerikas und Asiens bereist. Kunst sammelt er auch. Seine Wohnung wirkt fast schon wie ein völkerkundliches Museum.