Bauprojekte in Bonn: Belastungen durch Baustellen sollen minimiert werden

Bauprojekte in Bonn : Belastungen durch Baustellen sollen minimiert werden

Wie können die Belastungen durch die kommenden Großbaustellen in Bonn minimiert werden? Straßen NRW hat nun eine Koordinierungsstelle eingerichtet.

Mit einem Baustellenkoordinator will Straßen NRW die Belastungen durch die anstehenden Großbaustellen im Bonner Raum minimieren. Wie das funktionieren soll, fragte Martin Wein den zuständigen Regionalleiter Thomas Ganz.

Was verstehen Sie konkret unter Baustellenkoordinierung?

Thomas Ganz: Bei einer Vielzahl von Baumaßnahmen droht die Gefahr, dass die Einschränkungen im Verkehrsnetz sich gegenseitig aufschaukeln. Deshalb müssen wir alle Baustellen in der Region gemeinsam betrachten, um die Belastungen insgesamt so gering wie möglich zu halten.

Das ist ein hehres Ziel. Aber kommt das nicht alles etwas spät? Allein in Bonn stehen in diesem Jahr mehr als 200 Baustellen an. Dazu kommen die Bauvorhaben des Landes Nordrhein-Westfalen. Warum hat man sich nicht viel früher abgestimmt?

Ganz: Tatsächlich führt Straßen NRW seit drei Jahren regional im Rheinland und in Westfalen sogenannte Baustellenkonferenzen durch. Dort stellen wir die Großmaßnahmen der kommenden Jahre den Beteiligten und der Presse vor. Darüber hinaus gibt es noch die Konferenzen zum Baustellen-Management unter Federführung von Regierungspräsidentin Frau Walsken.

Aber so richtig gebracht hat das anscheinend nichts, wenn es für Bonn nun einen eigenen Koordinator braucht.

Ganz: Im Bonner Raum sind von uns die Autobahnniederlassung Krefeld, die Regionalniederlassung Rhein-Berg mit Außenstelle in Köln, die Regionalniederlassung Ville-Eifel mit Sitz in Euskirchen und unsere Verkehrszentrale für das übergeordnete Management tätig. Wir meinen, dass angesichts der Vielzahl anstehender Projekte ein zentraler Ansprechpartner, sowohl intern wie auch für externe Beteiligte, sinnvoll ist.

Die Stelle ist im Moment personell gar nicht besetzt. Wie sorgen Sie dafür, dass hier trotzdem etwas passiert?

Ganz: Im Moment behelfen wir uns in der Projektgruppe Bonner Maßnahmen unter meiner Koordination. Die dortigen Mitarbeiter stellen Kontakte zur Stadt Bonn und zu anderen Beteiligten her. Ich gehe davon aus, dass wir in etwa zwei Monaten komplett aufgestellt sind und auch nach außen in Erscheinung treten.

Was wurde bereits erreicht?

Ganz: Wir haben nach den Erfahrungen von 2016 inzwischen regelmäßige Treffen mit der Stadt Bonn, wo wir konkret über einzelne Maßnahmen und das große Ganze sprechen. Spätestens bis zum Sommer wollen wir alle anderen wichtigen Beteiligten etwa vom ÖPNV oder von der Bahn zusammenbringen.

Können Sie ausschließen, dass mehrere Autobahnbrücken in Bonn gleichzeitig saniert werden?

Ganz: Das lässt sich vermutlich nicht verhindern. Wir hoffen aber, dass die Sanierungsmaßnahmen weitestgehend nicht gleichzeitig in den Verkehr eingreifen.

Verkehrsteilnehmer ärgern sich regelmäßig über eingerichtete Baustellen, an denen dann monatelang scheinbar nichts passiert.

Ganz: Dafür gibt es viele Gründe. Oft müssen wir nach Einrichtung der Baustelle zuerst nach Kampfmitteln im Boden fahnden. Oder es müssen Standstreifen verstärkt oder Nothaltebuchten eingerichtet werden. In der Bonner Nordbrücke sind derzeit Mitarbeiter unterwegs um Betonproben zu nehmen, damit wir überhaupt den Sanierungsbedarf abschätzen können. Für all das müssen wir schon absperren.

Müssen Sie das der Öffentlichkeit besser erklären?

Ganz: Es gibt zu den Hintergründen bereits eine ausführliche Internetpräsenz und Informationsmaterial auf der Webseite von Straßen NRW.

Eine Internetseite allein ist noch keine Öffentlichkeitsarbeit.

Ganz: Die wollen wir in Bonn in den kommenden Jahren mit einem Newsletter und anderen Maßnahmen deutlich intensivieren, damit jeder weiß, was wann und warum geschieht. Da werden wir Wirtschaft, Bevölkerung, Verwaltung und Politik deutlich besser einbeziehen, beispielsweise durch die Installation eines Dialogforums.

Welche Rücksicht werden Sie bei der Baustellenplanung auf regionale Großereignisse nehmen?

Ganz: Bei großen Fußballspielen im Kölner Raum machen wir das bereits. Kleinere Baumaßnahmen können wir auf gewisse Termine abstimmen. Bei den großen Ausbauvorhaben muss die Verkehrsführung allerdings so gut sein, dass sie dem Andrang auch dann gewachsen ist.

Befürworten Sie auch Absprachen mit den Nahverkehrsträgern zum Beispiel zu erhöhten Taktfrequenzen oder einer Freigabe der IC-Züge zwischen Köln und Bonn während der nächsten Jahre?

Ganz: Im Zuge von Instandsetzungsarbeiten an der Autobahn 59 hat die Stadt Duisburg die Frequenzen ihrer Busse und Bahnen erhöht, um Pendlern eine Alternative zum Stau zu schaffen. Ähnliches ist auch im Bonner Raum wünschenswert. Es ist in jedem Fall sinnvoll, dass wir gemeinsam abstimmen, was Sinn macht und was nicht. Alleingänge helfen unter Umständen nicht weiter. Dafür suchen wir den Schulterschluss.

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