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Serie „Bonner Alltagshelden in der Corona-Krise“: Bei Apothekerin Andrea Forst-Raasch laufen die Drähte heiß

Serie „Bonner Alltagshelden in der Corona-Krise“ : Bei Apothekerin Andrea Forst-Raasch laufen die Drähte heiß

Der General-Anzeiger stellt Menschen vor, die in dieser Sondersituation im Dienste der Allgemeinheit ihren Mann und ihre Frau stehen – diesmal: die Bonner Apothekerin Andrea Forst-Raasch.

Es liegt schon mehr als zwei Monate zurück, da bekamen Apothekerinnen wie die Bonnerin Andrea Forst-Raasch die ersten Anhaltspunkte geliefert, dass das neue Coronavirus nicht nur ein chinesisches Problem ist. Berufsreisende standen schon im Januar in der Hofgarten-Apotheke am Kaiserplatz an der Theke und stellten Fragen, Fragen, Fragen. Später dann meldeten die für deutsche Apotheken zuständigen Verbände und Kammern die großen Aufgaben und schwierigen Situationen, vor denen die italienischen Kollegen stehen. „Die Italiener haben schnell reagiert und bereitwillig ihre Erkenntnisse geteilt“, sagt Forst-Raasch, die in der Kaiserpassage eine Apotheke mit 20 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern leitet. Deshalb schützt nun ein Plexiglas vor der Theke Mitarbeiter wie Kunden gegenseitig vor einer Ansteckung.

Der Beratungsbedarf habe gerade nach den einschneidenen Einschränkungen des öffentlichen Lebens erheblich zugenommen. „Es gab Tage, an denen wir zu dritt permanent über drei Leitungen beraten haben“, sagt die 53-Jährige Apothekerin. Diagnosetipps, Behandlungsratschäge, wirksamer Schutz: Der Informationsbedarf sei groß.

Seit 27 Jahren arbeitet die Apothekerin in ihrem Beruf, einige Jahre in Bayern, 2002 hat die Bonnerin die Hofgarten-Apotheke übernommen. Eine ähnliche Situation wie in diesen Tagen hat sie in ihrem Berufsleben noch nicht erlebt. „Die Unsicherheit in der Bevölkerung ist groß. Wir sehen es als unsere Aufgabe an, zu informieren, aufzuklären und damit auch zu beruhigen.“ Die Krise führt zurück zu den Ursprüngen, warum Forst-Raasch diesen Beruf ergriffen hat. Und die Apotheker erfahren in größerem Maße als zuvor Dankbarkeit für ihre fachkundigen Worte, sagt sie. Die verheiratete Mutter einer 20-jährigen Studentin und eines 14-jährigen Schülers meint: „Das ist etwas, das der Online-Handel nicht bieten kann.“

Ihre Apotheke bietet  wie andere auch einen kostenlosen Botendienst an, der Arzneimittel nach Hause bringt. Viele nähmen diesen Service in Anspruch, um direkte Kontakte zu vermeiden. Manch einer versuchte, 30 Schutzmasken zu bestellen.

„Da hinterfragen wir und haken nach, wozu die gedacht sind.“ Es bringe auch nichts, sich mit literweise Desinfektionen einzudecken und hundert Mal am Tag die Hände mit reinem Alkohol zu desinfizieren. Das rechte Maß und ein vernünftiges Verhalten versuchen Forst-Raasch und ihre Mitarbeiter den Kunden zu vermitteln. Hände gründlich waschen, Abstand halten. Immer wieder aufs Neue, immer wieder mit ruhigem Ton.

Sensibilisiert durch die Italiener hat die Hofgarten-Apotheke die Dienstpläne schon vor Wochen weitreichend umgestellt und zwei Teams gebildet, die sich praktisch nicht begegnen. „Wenn sich in einem Team ein Mitarbeiter infiziert, könnte das andere Team weiterarbeiten und den Betrieb aufrecht erhalten.“ Die Kassen werden jeweils nur von einem Angestellten bedient, beim Schichtwechsel ist die Theke gründlich zu desinfizieren. Forst-Raasch nimmt sich aus dieser Regelung nicht aus. Nach der Hälfte des Tages begibt sie sich auf den Heimweg und regelt die weiteren Geschäfte am Schreibtisch.

Die Pandemie zeigt schon jetzt Auswirkungen auf dem Arzneimittelmarkt. Einige Antibiotika würden knapp, sagt die Apothekerin. Einige Mittel, beispielsweise gegen Bluthochdruck, würden vor allem in China und Indien produziert, die Exportverbote verordnet haben. „Auch das gebeutelte Italien ist ein großer europäischer Produzent von Arzneimitteln“, erklärt die Apothekerin.

Der bestehende und künftige Mangel an Medikamenten in manchen Bereichen werde die Branche noch lange beschäftigen, ist sie sicher. Auch zu solchen Lieferengpässen führen Forst-Raasch und ihr Team in diesen Tagen vermehrt Gespräche mit besorgten Kunden. Ihnen rät sie, sich frühzeitig zu melden, wenn der eigene Vorrat zu Ende geht, am besten 14 Tage vorher. Dann bliebe genug Zeit, gemeinsam mit dem Arzt zu überlegen, welches Medikament eine Alternative sein könnte, falls das Wunschpräparat nicht zur Verfügung steht.