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Beethovenhalle in Bonn braucht neues Brandschutzkonzept - Baustellen-Rundgang

Problembaustelle in Bonn : Die Beethovenhalle braucht ein neues Brandschutzkonzept

Die Akustikdecke im Saal der Beethovenhalle in Bonn ist nicht so rauchdurchlässig wie vermutet. Das Gebäudemanagement arbeitet an einer Lösung. Wie viel die kosten wird, ist noch unklar.

Jetzt haben es die Ratsfraktionen schriftlich: Die Stadtverwaltung rechnet erst zum Jahresende damit, dass in der Beethovenhalle „die Voraussetzungen für einen störungsfreien Projektablauf“ auf der Baustelle erfüllt sind. So steht es in einer frischen Stellungnahme zu einem drängenden Fragenkatalog der Jamaika-Koalition.

Der komplexe Terminplan für die Sanierung muss noch mit rund 70 Prozent der beteiligten Firmen abgestimmt werden, was laut Städtischem Gebäudemanagement Bonn (SGB) bis Jahresende dauern wird. Auch die letzten Ausführungspläne für einzelne Gewerke sollen erst ab September vorliegen. Und es gibt ein Problem mit dem Brandschutz im großen Saal (siehe „Brandschutzkonzept“). Den Stand der Bausubstanzerfassung bewertet Generalplaner Nieto Sobejano Arquitectos (NSA) als „ausreichend“.

Genau diese Vokabel brachte Ros Sachsse-Schadt (Grüne) im Projektbeirat, der am Freitag tagte, in Rage. Man wolle es schon etwas genauer wissen, so die Ratsfrau: „Ich fühle mich nicht ernst genommen.“ Eine 100-Prozent-Antwort sei aber nicht möglich, hielt der neue SGB-Chef Lutz Leide dagegen. Bei der Sanierung eines alten Gebäudes müsse man immer mit Überraschungen rechnen.

Ein Beispiel hatte Leide dem Beirat kurz vorher bei einem Baustellenrundgang gezeigt. Im früheren Raucherfoyer sind drei Öffnungen in eine Wand gesägt worden, um Leitungen hindurch zu führen. Dabei stellte sich heraus, dass die Wand nicht komplett aus Beton, sondern auch aus Mauerwerk besteht. Im Beton steckt außerdem noch die hölzerne Verschalung. „Der Tragwerksplaner musste die Tragfähigkeit der Wand neu begutachten“, erläuterte Bauleiter Haval Kassem von der Leitwerk AG, die seit 2019 mit der Objektüberwachung beauftragt ist – und laut Stadt einen besseren Job macht als die Vorgängerfirma. Das Mauer-Problem habe eine mehrwöchige Verzögerung verursacht.

An einigen Stellen der Beethovenhalle konnte Kassem den Baufortschritt demonstrieren. Im neuen Technikanbau an Wachsbleiche sind die Großgeräte für Heizung und Kühlung installiert. Im entkernten Restaurant-Trakt mit Küche ist der Rohbau mit verbessertem Raumzuschnitt fertig und überdacht. Unterhalb des Kuppeldachs ist die Tuffsteinfassade zum großen Teil wieder angebracht, das Eindecken der Kuppel mit Kupferbahnen soll im Sommer starten. Das Tragwerk der Gipsdecke im großen Saal, dessen Belastbarkeit zunächst falsch berechnet worden war, ist laut Stadt so weit ertüchtigt worden, dass nun neue Lüftungsgeräte unter dem Dach montiert werden können.

Neu berechnet ist den Angaben zufolge auch das Stahltragwerk für das Studiodach, das im dritten Quartal eingebaut werden soll. Noch regnet es in den fünf Meter tiefer gelegten Raum hinein, in dem ab Mitte 2024 das Beethoven Orchester proben soll. Die alten Wände mussten beim Umbau erhalten werden. Selbst der Putz steht unter Denkmalschutz. „Das hat die Arbeiten erschwert“, wie Kassem trocken anmerkte. Allein das Studio kostet rund 18 Millionen Euro. Die Prognose der Gesamtkosten steht laut SGB weiter bei schlimmstenfalls 166 Millionen Euro. Bernhard Wimmer (Bürger Bund) kritisierte im Beirat, dass trotz der immensen Summe kein Fahrstuhl vorgesehen sei, um das Hochparterre des Saales barrierefrei erreichen zu können. „Das ist unverzeihlich“, monierte Wimmer. Man solle dieses Versäumnis doch korrigieren. SGB-Chef Leide sagte zu, das zu prüfen.