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Krisenprojekt in Bonn: Beethovenhalle frühestens 2024 wieder betriebsbereit

Krisenprojekt in Bonn : Beethovenhalle frühestens 2024 wieder betriebsbereit

Die Sanierung der Beethovenhalle läuft noch nicht in sicheren Bahnen. Der Chef des Städtischen Gebäudemanagements, Lutz Leide, hält einen störungsfreien Ablauf der Sanierung frühestens ab Jahresende für gesichert.

Die Sanierung der Beethovenhalle läuft auch mehr als drei Jahre nach dem Start nicht in sicheren Bahnen. Die Voraussetzungen für einen störungsfreien Projektablauf seien noch nicht gegeben, räumte Lutz Leide, der neue Leiter des Städtischen Gebäudemanagements Bonn (SGB), am Donnerstagabend im zuständigen Projektbeirat auf Nachfragen der Jamaika-Koalition ein. Das „sportliche Ziel“ sei, die Baustelle bis Jahresende vollständig in den Griff zu bekommen.

Nach Einschätzung eines anwesenden Experten ist das ein dickes Brett. „Gut, wenn er das schafft“, sagte Oliver Kohlmetz vom Düsseldorfer Architektenbüro KHSP, das das Beethovenhallen-Projekt analysiert hat. „Das ist nicht zu unterschätzen.“ Das Kernproblem laut KHSP: Der ursprüngliche Planungsauftrag an das Architektenbüro Nieto Sobejano umfasste nur eine Sanierung und Mängelbeseitigung für maximal 30 Millionen Euro. Was der Rat 2015 auf Vorlage der Stadtverwaltung beschloss, war aber viel mehr: eine umfassende Kernsanierung mit Anbau und massiven Eingriffen in die Bausubstanz sowie die vollständige Erneuerung der Haustechnik.

Obwohl die Planung damit aufwändiger wurde, hielten Architekten, Projektsteuerer Drees & Sommer sowie die Stadt am Zeitplan fest. Das konnte nicht funktionieren, so Kohlmetz. Dazu kam, dass der Bauzustand der Halle nicht ausreichend untersucht war. Kohlmetz riet in der Sitzung, eine „Taskforce“ einzurichten, um jetzt alle Planungen abzuschließen.

Tagtägliche Überraschungen möglich

Die KHSP-Empfehlungen würden umgesetzt, sicherte SGB-Chef Leide zu. Und er ließ durchblicken, dass auch er den Sanierungsstart ohne vollständige Pläne für unglücklich hält. „Da es eine baubegleitende Planung in wesentlichen Punkten gab“, erklärte Leide, „müssen wir jetzt eben das Beste daraus machen“. Man sei aber auf gutem Weg.

SGB-Projektleiterin Georgia Weiß berichtete, der Bauzustand der Halle sei inzwischen „in vertretbarem Maß“ erfasst. Allerdings könne es auf der Baustelle täglich Überraschungen geben. Erstaunt nahmen die Politiker im Beirat zur Kenntnis, dass plötzlich von einem ganz neuen Bauteil die Rede war: einem Geräteraum für Kältetechnik, der seit kurzem unterhalb der Restaurantterrasse geplant ist. Je nachdem, ob eine Tiefengründung nötig wird, könnte das den Zeitplan beeinflussen.

Das SGB will Ordnung auf dem Projektserver schaffen, den die KHSP-Prüfer moniert hatten. „Dort liegen unglaublich viele Daten“, sagte Weiß, „können aber nur schwer gefunden werden“. Bei den Ausführungsplanungen werde eine Liste offener Punkte erstellt, berichtete die Projektleiterin. Verträge mit Baufirmen müssten an das korrigierte Planungssoll angepasst werden. Probleme scheint es noch immer mit dem Planungsbüro für die technische Gebäudeausstattung zu geben. „Der TGA-Planer funktioniert nicht so, wie wir uns das vorstellen“, sagte SGB-Chef Leide, der sein Controlling auf der Baustelle personell verstärken will.

Aktuelle Kostenprognose bei 146 Millionen Euro

Die Beethovenhalle könne im Juli 2024 wieder betriebsbereit sein, berichtete Haval Kassem von der Leitwerk AG, die seit 2019 mit der Bauleitung vor Ort beauftragt ist. Das gelte aber nur, wenn alles optimal laufe. Es seien keine Zeitpuffer im neuen Terminplan enthalten, der bis zum Sommer mit allen Firmen auf der Baustelle abgestimmt sein soll. Die aktuelle Kostenprognose liegt bei 146 Millionen Euro. Im schlimmsten Fall sollen es laut Stadt 166 Millionen werden.

Dass die Sanierung mit einem laut Prüfbericht unrealistischen Zeitplan begonnen worden ist, löste Kritik im Beirat aus. Er sei „fassungslos“, konstatierte Tom Schmidt (Grüne). Jetzt müsse das SGB konkretere Antworten zum wirklichen Sachstand liefern. Der alte Zeitplan sei von den Architekten so vorgelegt worden, betonte Klaus-Peter Gilles (CDU). Projektsteuerer Drees & Sommer hätte die Plausibilät der Pläne prüfen müssen. Gilles: „Dieser Aufgabe kann der Projektsteuerer nicht in besonderem Maß nachgekommen sein.“