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Beethovenhalle Bonn: Prüfer kritisieren Gebäudemanagement

Pannen-Baustelle Beethovenhalle : Bonner Prüfer kritisieren städtische Gebäudemanager

Das Rechnungsprüfungsamt legt seinen Bericht zu den massiven Problemen in der Beethovenhalle in Bonn vor. Die Analyse zeigt, dass das Städtische Gebäudemanagement wohl nicht Herr des Geschehens war.

Das städtische Rechnungsprüfungsamt (RPA) sieht die Verantwortung für die massiven Probleme bei der Sanierung der Beethovenhalle offenbar hauptsächlich beim Städtischen Gebäudemanagement Bonn (SGB) und den externen Projektsteuerern der Firma Drees & Sommer. So liest sich zumindest ein neuer, vertraulicher RPA-Bericht, der dem GA vorliegt. Die Prüfer haben mehr als ein Jahr daran gearbeitet. Hier ein Überblick zu wesentlichen Punkten.

Der Zeitdruck: Schon im Dezember 2013 beauftragte die Ratsmehrheit die Stadtverwaltung, den Ziel-Zeit-Plan für die Sanierung der Beethovenhalle zu straffen – gegen Bedenken des SGB. Später legten die Politiker fest, dass die Halle spätestens Mitte 2019, kurz vor dem Beethoven-Jubeljahr, wieder bespielbar sein sollte. Das sei „kritisch zu bewerten“, so das RPA. Denn statt der ursprünglich ausgeschriebenen „kleinen“ Modernisierung hatte der Rat 2015 auf Vorlage der Verwaltung eine umfassende Kernsanierung samt Anbau und kompletter Erneuerung der Technik beschlossen. Die Objektplaner in Berlin (siehe „Wer macht was“) kamen danach mit wesentlichen Plänen nicht mehr hinterher. Bis heute sind nicht alle Ausführungsplanungen fertig.

Der risikoreiche Untergrund: Dass unter der Halle die Trümmer einer Klinik und der historischen Stadtmauer lagen, war bekannt – aber nicht im ausreichenden Maß, was beim Tiefbau zu teuren Problemen führte. Dem SGB „und damit auch den Projektbeteiligten“ hätten wohl nicht alle Unterlagen aus dem Stadtarchiv – insbesondere aus der Aktenlage zur Bauphase 1956 / 1957 – vollumfänglich vorgelegen“, schreiben die Prüfer.

Außerdem fanden zu wenig Probebohrungen statt. Dabei hatte ein Bodengutachter schon im November 2015 zu einer umfassenden Baugrunderkundung geraten und vor einem erhöhten Baurisiko gewarnt. Im selben Monat stellten die Architekten sogar eine Behinderungsanzeige für ihre eigene Arbeit: Die Baugrunduntersuchung sei zwingend erforderlich. Dass darauf nicht reagiert wurde, bewertet das RPA „als kritisch“.

Die Unklarheit über den Gebäudezustand: Der „Verzicht auf qualifizierte Bestandsaufnahmen und -analysen im Vorfeld der Planung und der Bauausführung“ habe sich nachteilig ausgewirkt. Die Prüfer: „Dadurch, dass erst im Zuge der Ausführung das wahre Ausmaß des erforderlichen baulichen Aufwands zutage trat, waren planerische Änderungen,Terminverschiebungen und Nachträge von Baufirmen vorprogrammiert“. Beispiel Klinkerfassade: Die Architekten empfahlen eine bautechnische Untersuchung des Mauerwerks, das SGB begnügte sich mit einer Sichtprüfung.

Das überforderte SGB: Das Gebäudemanagement ließ die Projektsteuerer weitgehend machen und „übernahm dabei aus unserer Sicht oftmals ohne ausreichende Faktenkenntnis zwangsläufig unkritisch deren Argumentation“, so das RPA. Zuständigkeiten seien nicht einvernehmlich geklärt, Abläufe nicht klar geregelt gewesen. Die Prüfer sehen „deutliche Indizien dafür, dass das SGB die Abstimmprozesse sowie die Kommunikation vielfach den externen Beteiligten überließ und eine eher passiv ausgerichtete Rolle des protokollierenden Beobachters einnahm“.

Erst am 21. Juni 2017, also Monate nach Sanierungsstart, beantragte das SGB einige Teilbauge-
nehmigungen. Das sei exemplarisch dafür, „dass projektkritische Aspekte aus dem Blick gerieten und diesbezüglich organisatorisch nicht zeitnah und im erforderlichen Umfang vonseiten der stellvertretenden Betriebsleiterin SGB nachgesteuert wurde“, schreibt das RPA. Gemeint ist Marion Duisberg, inzwischen Dezernatsleiterin Liegenschaften an der Universität. Am Freitag war sie für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

Zeitweilig wusste man beim SGB laut Bericht nicht einmal, wie viele Behinderungsanzeigen von Firmen vorlagen, die damit einen gestörten Bauablauf meldeten. 15 davon seien unbeantwortet geblieben. Schon unmittelbar nach Baubeginn hielten SGB-Mitarbeiter den vorgegebenen Zeitplan für „kaum mehr erreichbar“.

Die Rolle des Projektsteuerers: Das SGB überließ Drees & Sommer „teilweise vollständig die Kommunikation gegenüber den Projektbeteiligten…, was in der aktiven Bauphase aufgrund eines zunehmend raueren Umgangstones – insbesondere vonseiten der Projektsteuerung – zu einer sich verhärtenden Argumentationslage führte, die ein lösungs- und zielorientiertes Miteinander deutlich erschwerte“, stellt das RPA fest. Die Stadtmitarbeiter hätten es versäumt, Konflikte vor allem zwischen Projektsteuerer und Architekten zu dämpfen. Und das, obwohl die Leistungen von Drees & Sommer „bereits in einem frühen Projektstand als projektkritisch“ bewertet wurden.

Das RPA: „Insgesamt bestanden nach unseren Feststellungen über den gesamten Prüfzeitraum aus Sicht des Bauherrn Mängel in der Leistungserbringung der Projektsteuerung.“ So habe das SGB von Drees & Sommer mehr Personal gefordert. Der damalige Leiter der Projektsteuerung sei nicht gut genug erreichbar und zu passiv „bei akuten Problemstellungen“ gewesen.

Drees & Sommer darf sich aus Vertragsgründen nicht im Detail äußern. Grundsätzlich sei man als Projektsteuerer aber nicht weisungsbefugt gegenüber anderen Firmen. „Geraten Bauvorhaben mit vielen Akteuren in Verzug, ist eine der Aufgaben des Projektsteuerers, fair und konstruktiv auf die Schwierigkeiten und deren Ursache aufmerksam zu machen“, erklärte eine Sprecherin am Freitag.

Was wussten die Politiker? Als die Ratsmehrheit 2015 den Ausbau der Halle beschloss, hatten Architekten, Projektsteuerer und SGB den Zeitplan als schaffbar bewertet. „Hinreichend über alle möglichen Risiken informiert“ war der Rat jedoch nicht. So lautet das Fazit der RPA-Prüfer.