Umbau kostet 3,5 Millionen Euro: Beethoven-Haus in Bonn schließt bis zum Spätsommer

Umbau kostet 3,5 Millionen Euro : Beethoven-Haus in Bonn schließt bis zum Spätsommer

Das Beethoven-Haus in Bonn feiert den 250. Geburtstag des Komponisten mit einem neuen Konzept. Die Ausstellung wird dafür komplett überarbeitet. Was der Umbau für Besucher bedeutet.

Wer sich Ludwig van Beethovens Geburtszimmer in der Bonngasse noch einmal in dem Zustand ansehen möchte, wie er den Besuchern seit seit Jahrzehnten vertraut ist, sollte sich beeilen. Denn am 28. Februar schließt das jährlich von mehr als 100.000 Menschen besuchte Museum in der Bonngasse für mehrere Monate bis zur teilweisen Wiedereröffnung im Spätsommer.

Mit einem Festakt soll dann am 16. Dezember, wenn auch offiziell die Feierlichkeiten zum Jubiläumsjahr 2020 beginnen, das erweiterte Beethoven-Haus wiedereröffnet werden. Das teilte Direktor Malte Boecker am Donnerstag im Beethoven-Haus mit, wo er gemeinsam mit einigen verantwortlichen Mitarbeiterinnen das Projekt vorstellte.

Außerdem gab das Haus bereits das umfangreiche musikalische Programm bekannt, mit dem das Haus den 250. Geburtstag Beethovens feiern wird. Darunter das ambitionierte Vorhaben einer auf drei Wochen erweiterten Beethoven-Woche, in der Anfang 2020 das komplette Kammermusikwerk des Komponisten gespielt wird.

3,5 Millionen Euro für den Umbau

Doch zurück zum Geburtshaus: Rund 3,5 Millionen Euro werden in die Renovierung und Erweiterung gesteckt. Das Geld kommt vom Bund (1,5 Millionen Euro), vom Land (750.000 Euro), der Stiftung Beethoven-Haus (900.000 Euro) und dem Landschaftsverband Rheinland LVR (300.000 Euro). Die Stadt Bonn ist an den Kosten nicht beteiligt. „Wir verändern das Narrativ der Darstellung“, sagt Boecker im Hinblick auf die anstehenden Arbeiten.

Dabei will das Haus mehr auf das Publikum zugehen. Künftig werde die Dauerausstellung das Leben Beethovens nicht mehr chronologisch erzählen, sondern thematisch aufgefächert. Selbst am Geburtszimmer wird Hand angelegt. Bei diesem Raum habe es sich bislang um so etwas wie ein „Andachtszimmer“ gehandelt, erläuterte Boecker, das mit einer schweren Kordel vom übrigen Museum abgetrennt ist. „Dabei ist nicht einmal gesichert, ob Beethoven wirklich in diesem Zimmer geboren wurde“, so Boecker.

Man wisse nur sicher, dass das in einem Hinterhof gelegene Haus das Geburtshaus des Komponisten sei. Nach dem Umbau der Dauerausstellung wird man denn auch nicht mehr vor der Kordel Halt machen müssen, sondern kann das Zimmer betreten und sich anhand einer Multimedia-Anlage mit Informationen versorgen.

Gänzlich neue Präsentation

Die inhaltliche und mediale Modernisierung sind die beiden Kerngedanken der Neugestaltung, für die das auf Gestaltung von Ausstellungsräumen spezialisierte Zürcher Büro Holzer Kobler Architekturen verantwortlich zeichnet. Sie wollen „informative und emotionale Zugänge“ zu den 200 Exponaten der Ausstellung ermöglichen.

Die originalen Handschriften, die Instrumente, Alltagsgegenstände werden demnach gänzlich neu präsentiert. In drei kleinen Räumen der ersten Etage wird man beispielsweise Beethovens Netzwerken begegnen wie Freundeskreis, Familie oder Verleger. „Dabei wird jedem Ausstellungsstück ein Porträt der dazugehörigen Person hinzugefügt, so dass der Bezug lebendiger wird“, sagte Nicole Kämpken, Projektleiterin im Beethoven-Haus, bei einem Rundgang durch das Geburtshaus.

Auch das berühmte Beethoven-Porträt von Joseph Karl Stieler wird nicht mehr im Gegenlicht hinter zwei historischen Flügeln versteckt zu sehen sein, sondern seiner Bedeutung entsprechend inszeniert.

Neues Musikzimmer und „Sinnesräume“

Durch die Umbauten wird auch die Situation der Wechselausstellungen deutlich verbessert, die bislang auf verschiedene Räume im Museum verteilt wurde. Im „neuen“ Beethoven-Haus gibt es einen eigens abgegrenzten Bereich für Wechselausstellungen.

Darüber hinaus bietet das Beethoven-Haus seinen Besuchern ein Musikzimmer für regelmäßige Aufführungen auf historischen Tasteninstrumenten, Filmvorführungen und Vorträge, es gibt „Sinnesräume“ mit audiovisuellen Angeboten zu Beethovens Bonner Zeit und eine „Schatzkammer” mit Originalhandschriften.

„Die konnten wir bisher aus konservatorischen Gründen nicht in dem Umfang zeigen, wie es uns dann möglich sein wird“, so Boecker. Und gleich vis-à-vis auf der anderen Straßenseite entsteht ein Shop mit einem Café und Seminarräumen.

Das Programm zur Wiedereröffnung

Um die im Jubiläumsjahr geplanten Wechselausstellungen aufzubauen, wird man also ideale Bedingungen vorfinden. Sonderausstellungen: Neben der in Kooperation mit und in der Bundeskunsthalle ab dem 17. Dezember gezeigten großen kulturhistorische Ausstellung zum Thema „Beethoven – Welt.Bürger.Musik“ wird es im neuen Wechselausstellungsbereich des Beethoven-Hauses fünf Themenausstellungen geben, darunter „Bernsteins Beethoven” (18.6. bis 4.10.2020), „#bebeethoven“ (15. bis 29.10.2020) und „Zeitgenosse Beethoven” (12.11. 2020 bis 2.3. 2021).

Es kommt also viel Neues auf die Besucher zu, doch nicht alles in dem denkmalgeschützten Haus, das bereits seit 1893 als Museum dient, wird sich ändern: Die knarzenden Dielen werden auch weiterhin die Atmosphäre im Haus wesentlich bestimmen.

Das musikalische Programm des Jubiläumsjahres ist festivalwürdig. „Wir präsentieren das Programm Anfang März auf der ITB in Berlin. Aber es war uns ein Anliegen, es schon jetzt in Bonn bekanntzumachen“, sagte Sprecherin Ursula Timmer-Fontani.

Neben der Beethoven-Woche, die wieder unter der künstlerischen Leitung der Präsidentin des Vereins Beethoven-Haus, Tabea Zimmermann, steht, findet man in der ausführlichen, magazinartigen Broschüre zahlreiche andere musikalische Glanzlichter. Dazu zählt der Klaviersonaten-Zyklus, den Evgeni Koroliov erstmalig und exklusiv im Beethoven-Haus spielt, ebenso wie die Aufführung der Diabelli-Variationen durch Mitsuko Uchida.

Schließlich hat das Beethoven-Haus einige außergewöhnliche Künstler wie Daniel Hope, Martin Stadtfeld, das Artemis Quartett, András Schiff oder den Jazzpianisten Uri Caine dafür gewonnen, unter dem Titel „My Beethoven“ einzelne kleine und besondere Festivals zu gestalten.

Die Geigerin Anne-Sophie Mutter, der gerade erst der renommierte Polarpreis zuerkannt wurde, spielt um Abschluss des Jubiläumsjahres am 16. Dezember 2020 im Beethoven-Haus ein Benefizkonzert. Dabei handelt es sich allerdings um eine geschlossene Veranstaltung.

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