Kreuzkirche in Bonn: Bau des Kirchenpavillons kann beginnen

Kreuzkirche in Bonn : Bau des Kirchenpavillons kann beginnen

Es war eine Herbstsynode, in der sich der Evangelische Kirchenkreis Bonn darüber freuen konnte, an mehreren Punkten einen großen Schritt weitergekommen zu sein. Auf der die Gemeindevertreter aber durchaus auch die typisch hohe evangelische Streitkultur boten.

Eitel Sonnenschein herrschte, als Superintendent Eckart Wüster verkündete: Die Baugenehmigung für den neuen Kirchenpavillon an der Kreuzkirche liegt vor. Ab Anfang 2014 könne der Bau für das Kulturcafé mit Beratungs- und Kircheneintrittsstelle beginnen.

Wüsters Zusatz: "Die Kosten sind nur relativ moderat von den schon genehmigten 1, 050 Millionen Euro auf 1,2 Millionen Euro gestiegen, aber die Mehrkosten sind gedeckt", hatte manchen Stoßseufzer in der Synode zur Folge. Man habe nur eine ökologisch wichtige Dachbegrünung und einen Behindertenaufzug aufgestockt, erläuterte Pavillon-Leiterin Martina Baur-Schäfer.

Für diese Mehrkosten seien 130.000 Euro Einzelspenden und 50.000 Euro von den Bad Godesberger Gemeinden eingegangen. Zufrieden konnten die Synodalen auch über einen ausgeglichenen Haushalt von 3,3 Millionen Euro sein. Einstimmig votierten sie für eine jährliche 3000-Euro-Finanzspritze für die regionale evangelische Gehörlosenseelsorge, nachdem ihnen der selbst gehörlose Jugendleiter Guido Holthaus, von einer Gebärdendolmetscherin übersetzt, aus seiner Arbeit berichtet hatte.

Zur Sache ging es in der Diskussion darum, wie die Bonner Krankenhausseelsorge ausgeweitet werden soll. Mit knapper Mehrheit setzte die Synode einen im Frühjahr gefassten Beschluss aus, eine halbe Pfarrstelle einzurichten. Grund: Die Landeskirche wird nun doch eine Dreiviertel Stelle für die Krankenhausseelsorge finanzieren.

Obgleich nur befristet im Rahmen einer so genannten mbA-Pfarrstelle. Darüber hinaus beschloss die Synode für den Zeitraum der mbA-Stelle jährlich 20.000 Euro für die Krankenhausseelsorge zu bewilligen. Als Gastredner Pfarrer Thomas Weckelmann, neuer Beauftragter der Evangelischen Kirche im Rheinland, Westfalen und Lippe bei der Landesregierung, die Frage aufwarf, wie politisch Kirche sein dürfe, lief sich die Synode richtig warm.

Die Kirche stehe sehr wohl in der Pflicht, öffentlich für soziale Gerechtigkeit und die Bewahrung der Schöpfung einzustehen, aber sie möge sich, wenn es thematisch an theologischer Substanz fehle, auf ihr Kerngeschäft, die Verkündigung des Evangeliums, konzentrieren, hatte Weckelmann argumentiert.

Ein Teil der Synode gab kräftig Gegenwind. Sie sehe im Evangelium keine abstrakten Prinzipien, widersprach Schulreferentin Pastorin Beate Sträter. "Unsere Kirche muss in politischen Fragen immer wieder die Stimme erheben, denn es geht auch in der Bibel um klare Parteilichkeit für den Menschen."

Kerngeschäft sei für ihn, gegen die Spaltung der Gesellschaft in arm und reich zu agieren, sagte Ulrich Hamacher, Geschäftsführer des Diakonischen Werks Bonn und Region. "Und da stehen wir Tag für Tag vor der Notwendigkeit, notfalls auch in bösen Streit etwa mit der Verwaltung unserer Stadt zu geraten." Genau dieses politische Engagement habe dazu geführt, dass Diakonie und Caritas inzwischen bei den wichtigen sozialen Fragen mit an den Verhandlungstisch geholt werden.

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