LED-Firma aus Rheinbreitbach geht in Insolvenz: Baskets-Sponsor zahlt nicht

LED-Firma aus Rheinbreitbach geht in Insolvenz : Baskets-Sponsor zahlt nicht

Ein vorbestrafter Unternehmer hat seine LED-Firma in die Insolvenz geführt – nicht zum ersten Mal im Leben des Baskets-Sponsors.

Der Mann erschien als Lichtgestalt. Stephan B. (50), ein Macher, der mit umweltfreundlichen LED-Leuchten sein Geld verdiente und außerdem noch Gutes tat. Einer Honnefer Schule spendete die Firma, in der er Geschäftsführer war, 1000 Euro für neues Spielzeug. Das bedrohte Deutsche Museum in Bonn stattete der Rhöndorfer im März 2016 großzügig mit seinen Leuchten aus.

Auch das Ausbildungszentrum der Telekom Baskets beleuchtete Stephan B., um es als Referenzobjekt zu nutzen. Er trat als Sponsor des Bundesligisten auf, Tausende Fans sahen den Namenszug der LEDexchange GmbH auf den Werbebannern der Halle und an den Wänden des Sportclubs im Telekom Dome. B. durfte sich über eine Nominierung für den IHK-Mittelstandspreis „Ludwig“ freuen. Er schien überdies ein Mann des Geistes zu sein: An der Bonner Universität, schrieb er in seinem Linked-In-Profil im Internet, habe er 2006 bis 2009 Philosophie studiert.

Allerdings weiß die Universität davon nichts.

Was kein Wunder ist: Denn Stephan B. verbüßte in dieser Zeit eine Gefängnisstrafe. Das Landgericht Hagen hatte ihn im März 2006 wegen Betrugs in mehreren Fällen zu fünf Jahren und zehn Monaten Haft verurteilt. Auch sonst gibt es mehr Schatten als Licht im Wirken des 50-Jährigen. Die LEDexchange-Firmengruppe, in der er Gesellschafter und Geschäftsführer war, steckt im Insolvenzverfahren. Die Firmen in Rheinbreitbach und Bonn mit ehemals rund drei Dutzend Mitarbeitern sind verwaist.

Die Gesamtforderungen liegen nach GA-Informationen bei mehr als vier Millionen Euro. Und einige frühere Geschäftspartner fühlen sich über den Tisch gezogen. Beim Basketball-Bundesligisten nennt Präsident Wolfgang Wiedlich einen „sechsstelligen Zahlungsausfall für zwei Spielzeiten“. Wiedlich: „Eine extrem unerfreuliche Angelegenheit.“

Andrea Niehaus, die Chefin des Deutschen Museums, dachte sich zunächst nichts dabei, als für die gespendeten Leuchten eine Rechnung ins Haus flatterte. „Der Geschäftsführer hatte beiläufig erwähnt, dass sein Buchhaltungssystem die Zahlungsaufforderung automatisch senden würde, er sie aber sofort stornieren würde. Wir sollten sie einfach ignorieren.“

Doch plötzlich meldete sich die A.B.S. Global Factoring AG und verlangte jede Menge Geld für die Leuchten. Die Firma kauft offene Forderungen mit einem Abschlag auf und kassiert die volle Summe dann selbst beim Schuldner. „Wir sollten rund 30 000 Euro zahlen“, berichtet Niehaus. Es sei aber gelungen, das Factoring-Unternehmen zu überzeugen, dass es gar keinen Zahlungsanspruch gab – weil Stefan B. nachweislich als Spender aufgetreten war.

„Wir hatten Glück“, sagt Niehaus. Stephan B. erklärt heute, diese Rechnung sei von ihm „nie beabsichtigt“ gewesen. Auch die Vorwürfe der Telekom Baskets weist er zurück.

Es ist die Tragik im Leben des gebürtigen Hageners, dass er nicht der erfolgreiche Geschäftsmann ist, den er anderen vorspiegelt. Die Zeche zahlen am Ende seine Angestellten, die ihre Jobs verlieren – und seine Gläubiger. Dabei stammt er aus soliden Verhältnissen: Seine Eltern betrieben ein Elektrogeschäft; er legte das Fachabitur ab, absolvierte eine Kaufmannslehre.

Doch statt im Familienbetrieb einzusteigen,machte sich B. in den 90er Jahren selbstständig. Er entwickelte Lichtfilter zur verfälschenden Darstellung von Produkten, die im Lebensmittelhandel abgesetzt wurden, wie die Hagener Richter in ihrem Urteil von 2006 schrieben. 1992 traf er auf den betrügerischen „Baulöwen“ Jürgen Schneider. B. lieferte Leuchten für die Zeil-Galerie in Frankfurt, sah aber kein Geld dafür: seine „ersten großen geschäftlichen Verluste“, heißt es im Urteil.

Danach gründete B. immer wieder neue Firmen – und fuhr sie gegen die Wand. Zahlreiche Immobiliengeschäfte, auf Pump finanziert, schlugen fehl. Ab dem Jahr 2000, so das Gericht, war er zahlungsunfähig, beschaffte sich aber Kredite, indem er diverse Banken leimte. Der Hamburger Sparkasse etwa legte er als Bonitätsnachweis einen gefälschten Prüfungsbericht der frei erfundenen „Unitax Steuerberatungsgesellschaft“ vor, in dem ihm für 2001 Gesamteinkünfte in Höhe von 15,3 Millionen Mark und ein Vermögen von 33,2 Millionen Mark bescheinigt wurden.

2003 schlug B. in Hamburg auf, wo er Büros an repräsentativen Adressen mietete und rund 30 Mitarbeiter beschäftigte. Die Geschäftsidee diesmal: ein Anwälteportal im Internet. Doch die Gewinne reichten nicht, um die Kosten zu decken. Im Jahr 2004 verurteilte das Hamburger Landgericht Stephan B. wegen Betruges zu einem Jahr und zehn Monaten auf Bewährung. Doch er machte weiter – bis er vor dem Hagener Landgericht landete.

Die dortigen Richter schickten ihn 2006 zwar in Haft, werteten aber als mildernden Umstand, dass B. bei seinen Betrügereien vor allem die Finanzierung seiner Firmen im Sinn hatte. Es sei nicht um „die persönliche Bereicherung im großen Stil“ gegangen.

Stephan B., ein etwas korpulenter Mann mit rundem Gesicht und Brille, hat die Gabe, Menschen zu überzeugen. Im Gespräch wirkt er beredsam, zupackend, zugewandt. Mit diesem Talent gelang es ihm wohl auch, 2012 sein neuestes Projekt zu starten. Für die Idee, preiswerte LED-Leuchten aus Asien zu importieren, in Deutschland zu montieren und zu verkaufen, fand er sogar staatliche Geldgeber: Die Investitions- und Strukturbank Rheinland-Pfalz stieg ebenso ein wie der Hightech Gründerfonds der Bundes, der in Bonn sitzt. Der Fonds hat seine Firmenanteile inzwischen verkauft.

Auch der schwerreiche Peter Unger, Gründer der Autowerkstattkette A.T.U., wurde über zwei seiner Beteiligungsfirmen Miteigentümer bei LEDexchange. Doch seit die Preise für die Leuchten fielen, scheint es zwischen den Gesellschaftern geknirscht zu haben. „Ab einem gewissen Punkt gab es unterschiedliche Auffassungen zur strategischen Ausrichtung der Firma, und ich hatte den Eindruck, dass ich aus der Gesellschaft gedrängt werden sollte“, sagt Stephan B. Die Firma sei erfolgreich gewesen.

Ausweislich der Insolvenzakten, die dem GA in Teilen vorliegen, stimmt das allerdings nicht: Der Umsatz brach demnach von 5,9 Millionen Euro im Jahr 2015 auf 1,4 Millionen im ersten Halbjahr 2016 ein; spätestens ab Juni gab es massive Liquiditätsprobleme. Viele Kunden hätten sich geweigert, ihre Rechnungen zu begleichen, berichtet ein Eingeweihter.

Die Qualität der Leuchten aus Asien sei offenbar nicht gut genug gewesen. „Die LEDexchange hat außerdem mit Dumpingpreisen gearbeitet. Der Geschäftsführer ist vielleicht ein guter Lichttechniker, aber kein guter Kaufmann.“

Im Juli legte Stephan B. sein Amt nieder. Danach beantragten die anderen Gesellschafter die Insolvenz. Ein Schachzug der Unger-Gruppe, um sich die besten Teile der LEDexchange aus der Insolvenzmasse zu holen – diesen Eindruck jedenfalls will Stephan B. erwecken: „Die größte Forderung kam von der eigenen Tochterfirma in den Niederlanden, über die der Wareneinkauf in Asien lief. Sie war über Anleihen finanziert worden, die fällig gestellt wurden.“ Und zwar „über Umwege“ durch die Unger-Gruppe, wie B.s Anwalt in den Insolvenzakten schreibt.

Tatsächlich gehen etwa 2,3 Millionen Euro der Gesamtforderungen gegen die LEDexchange aufs Konto dieser Tochterfirma. Und tatsächlich hat eine Gesellschaft aus dem Unger-Umfeld nach GA-Informationen mit der Koblenzer Anwaltskanzlei Lieser als Insolvenzverwalter über eine Übernahme von Firmenteilen verhandelt – allerdings bisher ergebnislos. Die Unger-Gruppe ließ mehrere GA-Anfragen unbeantwortet.

Ob die Gläubiger wenigstens einen Teil ihres Geldes bekommen, ist ungewiss. In diesen Tagen entscheidet sich, ob überhaupt genug Masse für die Insolvenzeröffnung da ist. Diesmal wird aber auch Stephan B. selbst viel Geld verlieren. Noch um die Jahreswende hatte er sich mit 467 000 Euro an einer Kapitalerhöhung für die LEDexchange beteiligt. Vor wenigen Tagen hat er eine neue LED-Firma in Bonn angemeldet.

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