Auszeichnung für die Restaurierung: Balkon der Kreuzbergkirche glänzt in 24 Karat Gold

Auszeichnung für die Restaurierung : Balkon der Kreuzbergkirche glänzt in 24 Karat Gold

Nach seiner Restaurierung glänzt der Balkon der Heiligen Stiege in 24 Karat Blattgold. Kunstschmied Sebastian Hoppen aus Dattenberg hat für diese Arbeit den deutschen Metallbaupreis erhalten.

Das schmiedeeiserne Balkongitter an der Heiligen Stiege auf dem Kreuzberg fällt ins Auge. Da ist tatsächlich Gold, was seit der Restaurierung wieder glänzt. Genauer gesagt 24 Karat Blattgold. „Eine schmiedetechnisch ungewöhnlich aufwendige und kunstvolle Arbeit“, bescheinigt der ehemalige stellvertretende Landeskonservator Gisbert Knopp dem einstigen Baumeister des Gitters. Daher sollte eine dringend notwendige Restaurierung unbedingt in sachkundige Hände gelegt werden. Denn wie sich herausstellte, hatte eine Reparatur in den 60er Jahren nur wenig Rücksicht auf die handwerklichen Besonderheiten des barocken Balkongitters genommen. Rund zwei Jahre war der Kunstschmied Sebastian Hoppen aus Dattenberg damit beschäftigt, die Brüstung in der Tradition der alten Meister zu restaurieren. Für seine Arbeit erhielt er jetzt den deutschen Metallbaupreis.

Die Balkonsanierung der Heiligen Stiege war wegen der porösen Abdichtung zum Mauerwerk erforderlich geworden. In einem Zug sollten außerdem die lebensgroße Ecce-Homo-Szene und das Brüstungsgitter restauriert werden. Bei einer Bestandsaufnahme in seiner Werkstatt stellte Hoppen am Gitter stärkere Beschädigungen fest als angenommen. „Rost hatte das Material gesprengt. Korrosionsschäden fanden sich an fast allen Elementen“, berichtete er.

Botschaft für den Betrachter

Hoppen arbeitete sich in die Machart des Gitters ein und kam dabei auch dem Handwerker, der das Balkongitter vor 270 Jahren schmiedete, nahe. Sein Name lautet Josef Gratz, seines Zeichens Bonner Schmiede- und Schlossermeister und Mitglied der Zunft. Das geht aus der Baurechnung hervor, die er 1749 seinem Auftraggeber, Kurfürst Clemens August, geschickt hat.

Gisbert Knopp geht davon aus, dass Balthasar Neumann, der den Bauplan für die Heilige Stiege entwickelte, auch der Entwurf des Balkongitters zuzuschreiben ist. Es soll dem Betrachter – wie in der Epoche des Barock üblich – eine Botschaft übermitteln. In das Gitterwerk des Balkons aus Spiralen und feingliedrigem Blatt- und Rankenwerk sind die aus Eisen getriebenen und vergoldeten Passionswerkzeuge eingefügt. Knopp: „Da sie als Waffen gegen Sünde und Tod angesehen werden, gelten sie auch als Siegeszeichen, die hier demonstrativ, jedermann sichtbar, zur Schau gestellt werden.“

Das gesamte Gitter wurde von Hoppen in seine Bestandteile zerlegt, nummeriert, abgebürstet, der Rost vollständig entfernt. Die wenigen fehlenden Teile von Ornamenten schmiedete er neu – aber nach alter Väter Sitte und mit eigens dafür angefertigtem Handwerksgerät. Dreimal trug er auf jedes Teil Grundierung, dreimal schwarzes Leinöl auf, unterbrochen von langen Trocknungszeiten.

Kirche ist Eigetum vom Land

Die ursprünglich vergoldeten Verzierungen erhielten eine neue Auflage aus 24-karätigem Blattgold. Für die akribische Kleinarbeit nach alten Techniken, die Hoppen teils neu erlernen musste, wie Spalten, Lochen, Zinnen, Kehlen, Breiten, Spitzen, Feuerschweißen, Blatten und Gesenkschmieden, erhielt er, so die Begründung der Jury, auch den Metallbaupreis. Laut Bau- und Liegenschaftsbetrieb NRW, Niederlassung Köln (BLB), hat die gesamte Balkonsanierung rund 195 000 Euro gekostet. Dazu muss man wissen, dass sich die Kreuzbergkirche im Eigentum des Landes befindet. Für die bauliche Unterhaltung ist die Bezirksregierung Köln verantwortlich und beauftragt den BLB mit der Durchführung.

Zurzeit werden die historischen Fenster am Klostergebäude restauriert. Die Kosten schätzt das BLB auf rund 100 000 Euro. Außerdem sollen historische Paramente, das sind liturgische Textilien wie Gewänder oder Altartücher, in einem speziellen Schubladenschrank gelagert werden. Dabei handelt es sich um die im Landesbesitz befindlichen Paramente, die nicht mehr genutzt werden. Es sind über 30 Einzelobjekte, darunter Chormäntel und Stolen. Sie stammen alle aus der Zeit von Ende 18. bis Anfang 20. Jahrhundert. Auch die Paramente werden restauriert. Die neuen Schränke sollen laut BLB im sogenannten „Raum Nazareth“ zwischen Heiliger Stiege und Kirche aufgestellt werden.

Geplant ist, den Raum für Besichtigungen unter fachkundiger Führung zu öffnen. Die Maßnahme, die Anfang 2019 abgeschlossen sein soll, beziffert das BLB auf rund 80 000 Euro.

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