Bauvorhaben in Endenich: Bäume am Paulusheim sollen doch gefällt werden

Bauvorhaben in Endenich : Bäume am Paulusheim sollen doch gefällt werden

Die Bezirksvertretung Bonn hatte das Projekt für 210 neue Wohnungen am Paulusheim wegen acht Bäumen blockiert. Oberbürgermeister Ashok Sridharan moniert jedoch einen Rechtsverstoß.

Es kommt nicht oft vor, dass ein Beschluss der gewählten Volksvertreter in Bezirksvertretung oder Stadtrat beanstandet werden muss, weil er gegen geltendes Recht verstößt. Im Fall von acht Bäumen auf dem Gelände des ehemaligen Paulusheimes in Endenich hat Oberbürgermeister (OB) Ashok Sridharan die Mitglieder der Bezirksvertretung Bonn zurückgepfiffen. Sie hatten die Fällung der Bäume mit Mehrheit abgelehnt und damit den Fortgang des Bauvorhabens blockiert.

Dabei sind die Abrissarbeiten für einen Teil des zuletzt als Flüchtlingsunterkunft genutzten Gebäudekomplexes zwischen Alfred-Bucherer- und Sebastianstraße bereits in vollem Gang. Der Investor, die Instone Real Estate Development GmbH, plant im Zuge seines von der Politik längst abgesegneten Projekts „Schumanns Höhe“ 210 Wohneinheiten, darunter auch seniorengerechte Wohnungen. Um das Vorhaben wie geplant bis Ende 2020 fertigstellen zu können, benötigt der Investor bis Jahresende die Baugenehmigung.

Die aber, so schreibt Sridharan in seiner Beanstandung, kann er nur erhalten, wenn gleichzeitig die Fällgenehmigung für die acht Bäume vorliegt. Insgesamt müssen der Verwaltung zufolge auf dem Areal 67 Bäume gefällt werden. In besagtem Beschluss geht es um sechs Rosskastanien, einen Bergahorn und einem Mammutbaum. Alle acht Bäume weisen einen Stammumfang von mehr als zwei Metern auf. Der Stammumfang einer Rosskastanie misst gar 3,09 Meter, der Kronendurchmesser liegt bei den Bäumen zwischen zwölf und 16 Metern. Der Stammumfang des Mammutbaums misst 2,69 Meter, die Krone acht Meter.

Ersatzpflanzungen folgen

Für alle 67 gefällten Bäume sollen Ersatzpflanzungen erfolgen. Ergänzend weist der OB in seinem Schreiben an die Bezirksverordneten darauf hin, dass der Satzungsbeschluss für den Bebauungsplan in der Bezirksvertretung Bonn immerhin mit Mehrheit gefasst worden sei. In dieser Satzung sei „explizit aufgeführt, dass im restlichen Bereich des Plangebiets ein nicht unerheblicher Eingriff in den Baumbestand unvermeidlich ist“. Falls die Bezirksvertretung ihren Beschluss nicht aufhebe, werde der Stadtrat die Angelegenheit an sich ziehen, kündigte Sridharan an.

Doch dazu wird es wohl nicht kommen. „Da haben wir nicht richtig aufgepasst“, räumte Hartmut Lohmeyer (Grüne) freimütig ein. „Wir haben nicht damit gerechnet, dass die Beschlussvorlage keine Mehrheit findet.“ Hintergrund: Die Grünen enthalten sich Lohmeyer zufolge grundsätzlich, wenn es um Baumfällungen geht. So auch in der Baumkommission, die vor der Bezirksvertretung getagt hatte und einstimmig bei Enthaltung der Grünen für die Fällung der acht Bäume gestimmt hatte.

In der Bezirksvertretung hatten indes lediglich CDU und FDP zugestimmt. „Wir werden den Beschluss der Bezirksvertretung aufheben“, sagte Lohmeyer. Wie sein Fraktionskollege Rolf Beu versteht er allerdings nicht, warum die Verwaltung das Thema überhaupt als Beschlusspunkt vorgelegt hat. Eine Mitteilungsvorlage wäre in dem Fall „sachgerechter und fairer“ gewesen. Lohmeyer wies in dem Zusammenhang daraufhin, dass die Ratskoalition nicht zuletzt mit Blick auf diese und andere Bauvorhaben, bei denen ebenfalls Bäume weichen müssen, im kommenden Doppelhaushalt zusätzlich zwei Millionen Euro für Ersatzpflanzungen eingestellt habe.