Bädergutachten in Bonn: Alle Bäder sollen erhalten bleiben

Bädergutachten in Bonn : Ein Hallenbad für jeden Bonner Stadtbezirk

Nach ihren Sitzungen hinter verschlossenen Türen haben 92 zufällig ausgewählte Bonner das Bädergutachten der Stadt vorgestellt. Mit diesem müssen sich nun Verwaltung und Politik auseinandersetzen.

Es liegt nun vor, das Bädergutachten, dessen Inhalte 92 zufällig ausgewählte Bonnerinnen und Bonner an acht Tagen im September erarbeitet haben. Am Donnerstagabend übergaben Bürgergutachter dieser Planungszellen es im Beueler Brückenforum an Oberbürgermeister Ashok Sridharan. Sridharan betonte, Verwaltung und Politik würden sich nun intensiv mit dem 132 Seiten starken Gutachten auseinandersetzen: „Wir werden es nicht nur in der Verwaltung aufmerksam lesen, sondern auch in die politische Beratung bringen“, sagte Sridharan. Er sei sicher, dass es „ein gutes Fundament” als Entscheidungsgrundlage für die Zukunft der Bonner Bäderlandschaft sein werde.

  •  Die Kernbotschaften: Die Planungszellen beschäftigten sich in Gruppen mit der Materie, besichtigten Bestandsbäder und befragten mehr als 30 Experten aus Politik, Verwaltung, aber auch von außerhalb. Die Stadt hatte nach politischem Mehrheitsbeschluss die Gesellschaft für Bürgergutachten aus München mit dem Beteiligungsverfahren beauftragt. Das nun vorgelegte Gutachten fasst die Erkenntnisse mit den meisten Schnittmengen zusammen. Die Teilnehmer konnten die ihnen wichtigen Anforderungen mit Punkten bewerten: Besonders groß war die Übereinstimmung beim Erhalt dezentraler Bäder, die für alle erreichbar sind. Dafür seien besonders bestehende Standorte geeignet. Alle Freibäder sollten erhalten bleiben, ein Hallenbad pro Stadtbezirk „mit Spezialisierung auf unterschiedliche Nutzergruppen“ sei wünschenswert.
  • Hardtberg könnte besonders Familien ansprechen (mit einer Modernisierung zum Spaßbad), Beueler Bütt das Schul- und Vereinsschwimmen im Schwerpunkt übernehmen, der Bonner Stadtbezirk als Sport- und Wettkampfstätte dienen und Bad Godesberg sich auf Gesundheit und Fitness spezialisieren. Wünschenswert wäre eine attraktivere Ausstattung mit Wasserfall, Rutschen oder Wellness und längere Öffnungszeiten. Als Leitlinie formulierten sie, die Wasserfläche möglichst zu erhöhen, bezahlbare Preise spielten bei der Nennung eine eher untergeordnete Rolle. Zur Standardausstattung eines Hallenbads sollten ein 25-Meter-Becken, ein Mehrzweck- und ein Lehrbecken sowie ein Kleinkindbereich, ein barrierefreie Zugang und ein Sprungturm gehören.
  • Konkrete Vorschläge für die Bestandsbäder: Aus dem Bädergutachten geht hervor, dass Bad Godesberg ein eigenes Hallenbad braucht. Es könnte am alten Standort (dem geschlossenen Kurfürstenbad) oder an der Rigal’schen Wiese als Neubau entstehen. Die Standortfrage könnte ein Bürgerentscheid klären. Den Parkplatz an der Wiese hatte bereits vor Beginn der Bürgerbeteiligung der OB ins Gespräch gebracht.
  • Die Sanierung des Hardtbergbads (dem bislang einzigen Bonner Kombibad) sollte zeitnah erfolgen, sodass im Anschluss das Bad möglichst im Sommer 2022 wieder in Betrieb gehen kann. Für den Stadtbezirk Beuel lautet die Idee: Sanierung oder Modernisierung der Beueler Bütt an selber Stelle oder ein Kombibad am Standort des Ennertbads. Das unter Denkmalschutz stehende Frankenbad, heißt es weiter in der Analyse, sei als „Zentralbad“ für den Bonner Stadtbezirk zu erhalten – entweder saniert oder als Neubau an selber Stelle. Doch auch ein Kombibad auf dem Grundstücke des heutigen Römerbads nennt das Gutachten als Option.
  • Weitere Anregungen: Aus der Analyse der Planungszellen geht hervor, dass ein (zusätzliches) Sportbad in Dottendorf denkbar wäre, weil dort ohnehin die Sportanlagen im Wasserland bestünden. An dieser Stelle sollte der von Oberbürgermeister Sridharan vorgeschlagene und der Ratsmehrheit beschlossene Neubau eines Kombibades durch die Stadtwerke entstehen, der allerdings am Ende durch einen Bürgerentscheid gestoppt wurde. Weitere Anregung: Der Zugang des Schwimmbads im Sportpark Nord für die Öffentlichkeit, bislang ist er Vereinsmitgliedern des SSF Bonn vorbehalten. 
  • Was die Finanzierung anbelangt, so wäre ein Neubau dann zu bevorzugen, wenn er inklusive Betriebskosten (also unter Einbeziehung der Energieeffizienz) für die errechnete Lebensdauer günstiger wäre als der Bestandsbau. Das funktioniere nur, sofern zuverlässige Angaben zur alten Bausubstanz möglich sind. Um die längeren Öffnungszeiten in den Bonner Schwimmbädern zu ermöglichen, müsste die Stadt ihre Bemühungen verstärken, Personal zu finden, und mehr in die eigene Ausbildung investieren. Der Punkt Finanzierung ist auch einer gewesen, den die Bürgergutachter bei der Bewertung des Verfahrens kritisierten. Vielen Teilnehmern fehlten aktuelle belastbare Zahlen zum Sanierungstatus, die in Gänze nicht vorliegen weil das letzte Fachgutachten zu Bädern schon einige Jahre alt ist.
  • Die nächsten Schritte: Das Bürgergutachten wird nun in die politischen Gremien eingebracht. Stets klar war, dass es nicht verbindlich ist und letztlich die Politik zu entscheiden hat. Die Kommunalpoltiker werden sich auch mit dem Bürgerbegehren „Rettet die Bonner Schwimmkultur!“ zu befassen haben. Die Initiatoren Anja Niemeier und Axel Bergfeld haben es nach Angaben von Vizestadtsprecher Marc Hoffmann am Donnerstag angezeigt. Die Initative will Unterschriften für eine Sanierung und Modernisierung der bestehenden Bonner Hallenbäder sammeln. Die Stadt soll das bereits geschlossene Bad Godesberger Kurfürstenbad für einen symbolischen Euro an einen in Gründung befindlichen Verein übertragen, der es später wieder öffnet.