Vor der Europawahl: Bad Godesberger plakatiert für Europa

Vor der Europawahl : Bad Godesberger plakatiert für Europa

228.000 Bonner sind am Sonntag aufgerufen, ihre Stimme abzugeben. Aus Deutschland ziehen 96 Abgeordnete ins Europäische Parlament ein. Der Bad Godesberger Reinhard Pfotenhauer hofft auf rege Wahlbeteiligung und hat zahlreiche Plakate im Stadtbezirk aufgehängt.

Diesmal wollte er die Sache größer aufziehen. 2014 hatte Reinhard Pfotenhauer mit Aushängen in Schulen für die Europawahl geworben; fünf Jahre später sei es nun Zeit für Plakate. „Es wäre doch schön und wichtig, wenn die Bonner bei der Europawahl nicht mit einer Wahlbeteiligung von nur 30 Prozent ankommen“, sagt der 85-Jährige. Um die Bonner zum Wählen zu animieren, hat er 50 Plakate drucken lassen und sie mit Hilfe eines Bekannten in Bad Godesberg verteilt.

Mit Plakaten kennt Reinhard Pfotenhauer sich aus. Er weiß, wo sie am meisten Aufmerksamkeit auf sich ziehen, ohne dabei Passanten und Radfahrer zu behindern, und dass sie mit Kabelbinder am besten halten. Eines weiß er nicht: Wie man Plakate so gestaltet, dass die Botschaft deutlich wird. „Da habe ich mir Hilfe bei der Kreisgeschäftsstelle der FDP geholt“, sagt er. Seit 40 Jahren ist Pfotenhauer Mitglied der FDP Bad Godesberg. Mit Parteienwerbung haben seine Plakate allerdings nichts zu tun. Auf sattblauem Grund zieren zwölf zum Kreis angeordnete gelbe Sterne die Plakate – die EU-Flagge im A2-Format. Darauf steht in schwarzen Lettern: „Ich rufe Euch auf, die Ihr wie ich in Bonn und damit in Europa wohnt: Es geht um Europa, ein demokratisches Europa! Nutzen wir unsere Chance! Beteiligen wir uns an der Wahl! Geben wir unsere Stimme diesem Land!“

Plakate müssen Abstand zu Parteiwerbungen haben

Für die Plakate habe er natürlich eine Genehmigung, betont Reinhard Pfotenhauer. Im Rathaus von Bad Godesberg habe man sie ihm auf Antrag gewährt – mit der Einschränkung, seine Plakate nicht in die Nähe von Parteiplakaten zu hängen. „Damit sie nicht indirekt Werbung für eine bestimme Partei machen“, sagt der Bad Godesberger. Zumindest auf dem Theaterplatz, vor dem Eingang zum Schauspielhaus, hat das nicht geklappt: Dort hat sich Katharina Barley von der SPD über und als Aufsteller sogar um die blauen Plakate von Reinhard Pfotenhauer geschoben. „Die sind dazugekommen, als meine Plakate schon hingen“, sagt er.

Fragt man Reinhard Pfotenhauer, warum es ihm so wichtig ist, dass die Bonner wählen gehen, sagt er: „damit wir uns nicht blamieren“. Wenn man schon das Glück habe, in einer Demokratie zu leben, dann sollte man die Möglichkeit, seine Stimme abzugeben, auch nutzen. Er habe Kontakte in die ehemalige DDR gehabt; was er von dort gehört habe: „ein trauriges Spektakel“, sagt Pfotenhauer. 60 Prozent Wahlbeteiligung in Bonn, nach oben offen, ist sein erklärtes Ziel. Tatsächlich lag die Wahlbeteiligung bei der Europawahl vor fünf Jahren bei 59,85 Prozent. Damit, heißt es aus dem Presseamt der Stadt, belegten die Bonner 2014 Platz 17 aller 402 Wahlkreise in Deutschland.

2018 das Bundesverdienstkreuz erhalten

Bei denen, die nicht ihre Stimme abgeben, meint Reinhard Pfotenhauer, seien 80 Prozent einfach zu bequem, die anderen 20 Prozent Europa- oder generell Wahlgegner. Hinzu komme, dass einem jeder Kommunalpolitiker nun mal näher sei als ein Europa-Abgeordneter.

Pfotenhauer, der für sein kommunalpolitisches und soziales Engagement im vergangenen Jahr mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet wurde, schätzt Europa: „Ich finde es wunderschön, dass man über Grenzen fahren und mit dem gleichen Geld bezahlen kann“, sagt er. 1951, da war er 17 Jahre alt, sei er zum ersten Mal per Anhalter durch Europa gereist. „Da hat man für jedes Land ein Visum gebraucht.“ Frankreich, Italien, Schweden hat der Bad Godesberger auf diese Weise kennengelernt. Eine Erfahrung, die er nicht missen möchte.

Reinhard Pfotenhauers Wahlbenachrichtigung liegt gut sichtbar an seiner Garderobe. Den Gang zum Wahllokal am Sonntag zelebriert er: Er trifft dort Bekannte, mit denen er ein Wörtchen spricht, setzt sein Kreuz und schiebt den Abstimmungszettel durch den Schlitz der Wahlurne. „Das gehört für mich dazu.“ Seine beiden Töchter, erzählt er noch, hätten wahrscheinlich Briefwahl gemacht. So genau wisse er das nicht. Nur: „Meine Töchter wählen auf jeden Fall. Das sind sie ihrem Vater schuldig“.

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