Nach Rücktritt von Simone Stein-Lücke: Bad Godesberg braucht neuen Bezirksbürgermeister

Nach Rücktritt von Simone Stein-Lücke : Bad Godesberg braucht neuen Bezirksbürgermeister

CDU-Parteichef Christoph Jansen will Nachfolger von Bezirksbürgermeisterin Simone Stein-Lüke werden. Die Bezirksvertretung wählt am 15. Mai.

In Bad Godesberg hatte es bereits Montagabend die Runde gemacht, nun ist es offiziell: CDU-Politikerin Simone Stein-Lücke tritt von ihrem Amt als Bezirksbürgermeisterin zurück. In ihrer Sitzung am Mittwoch, 15. Mai, wählt die Bezirksvertretung Bad Godesberg einen Nachfolger.

Das könnte Christoph Jansen, Vorsitzender der Bad Godesberger CDU, sein. Vorstand und Fraktion nominierten den 35-Jährigen am Montagabend einstimmig als Kandidaten. Ob er sich durchsetzen kann, wird sich zeigen: Zwar ist die CDU Mehrheitsfraktion, meist stehen ihr in Abstimmungen Grüne und FDP zur Seite. Stein-Lücke aber erhielt bei ihrer Wahl keine Stimmen der Grünen und lediglich eine der FDP, die damals noch zwei Sitze inne hatte.

Ihre Stellvertreterin Hillevi Burmester (SPD) war ihr damals mit acht zu neun Stimmen denkbar knapp unterlegen. Ob sie als Gegenkandidatin antritt? „Es ist eine Frage von Mehrheiten“, sagte Burmester. Die müsse Jansen hinter sich vereinen. Gelinge das nicht, sehe man weiter.

Seit Juni 2014 ist Stein-Lücke Bezirksbürgermeisterin. Sie habe sich stets mit Engagement und Begeisterung für Bad Godesberg eingesetzt, so die 49-Jährige. „Menschen zu motivieren und selbst zu gestalten liegt mir am Herzen.“ So habe sie in den vergangenen fünf Jahren Projekte angeschoben, repräsentiert, sich eingebracht – und das stets mit vollem Einsatz. Doch neben dem Ehrenamt gab und gibt es den Job. Und der nahm von Jahr zu Jahr mehr Raum ein.

Beruflich sei sie „immer stärker international gefordert“. So bliebe immer weniger Zeit für das Amt an der Spitze des Bezirks. Vor rund zwei Monaten sei ihr das erste Mal der Gedanke gekommen, zurückzutreten – auch mit Blick auf die Kommunalwahl im Herbst 2020. Mit Kritik an ihrer Person habe die Entscheidung nichts zu tun. „Wenn man ein öffentliches Amt bekleidet, muss man Farbe und Standpunkt bekennen und das gefällt halt nicht allen. Das gehört dazu.“

Kritik hatte es in der Vergangenheit immer wieder gegeben. So hatte sich im September 2016 das „Aktionsbündnis für ein lebenswertes Bad Godesberg“ gegründet, das Stein-Lücke mit einer Unterschriftenkampagne zum Rücktritt bewegen wollte.

Seit ihrem Amtsantritt seien bei Themen wie Sicherheit, Zweckentfremdung von Wohnraum und Vermeidung von Parallelgesellschaften keine Ergebnisse wahrnehmbar, hieß es. Die Bemühungen verliefen im Sande. In letzter Zeit war massive Kritik ausgeblieben.

Christoph Jansen sitzt seit 2014 im Bonner Stadtrat

Am 15. Mai nun wird sich zeigen, ob die Bezirksvertretung Christoph Jansen das mehrheitliche Vertrauen ausspricht. „Ich werde in den nächsten Tagen bei allen Mitgliedern um Unterstützung für meine Wahl werben“, kündigte Jansen an, der seit neun Jahren für die GIZ arbeitet. Sollte dies gelingen, möchte er auch bei der Kommunalwahl 2020 für das Amt des Bezirksbürgermeisters kandidieren. Aufgewachsen in Jülich lebt der 35-Jährige seit 15 Jahren in Bad Godesberg – und fühlt sich im Stadtbezirk heimisch. Ein Grund, weswegen Jansen die Interessen der Bad Godesberger gerne als Bürgermeister vertreten würde.

„Es stehen viele Chancen und Herausforderungen bevor, sowohl in der Innenstadt als auch in den Ortsteilen“, so Jansen, der seit 2014 im Bonner Stadtrat sitzt und seit 2017 Vorsitzender der Bad Godesberger CDU ist. Die Sanierung der Stadthalle, die geplante Ansiedlung eines Zweigs der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg in der kurfürstlichen Zeile seien wichtige Zukunftsprojekte, so Jansen. Das gelte auch für den dauerhaften Erhalt des Schauspielhauses.

BBB nimmt Rücktritt mit Respekt zur Kenntnis

Oberbürgermeister Ashok Sridharan (CDU) zeigte Verständnis für den Entschluss. „Mir ist klar, welche Energie die Aufgabe als ehrenamtliche Bezirksbürgermeisterin der Amtsinhaberin abverlangt, und ich kann gut verstehen, wenn sie dies als nicht mehr vereinbar mit ihren unternehmerischen Aktivitäten ansieht.“

Den Rücktritt nehme man mit Respekt zur Kenntnis, teilte Marcel Schmitt vom BBB mit. Allerdings seien wohl nicht nur berufliche Gründe ausschlaggebend gewesen. Stein-Lücke sei es nicht gelungen, „Kontakt zu den Bürgern aufzubauen, die Interessen des Stadtbezirks erfolgreich gegenüber ihrer Ratsfraktion zu vertreten und aus dem Schatten ihrer Amtsvorgängerin hervorzutreten“.

Es ist das zweite Mal, dass ein Bezirksbürgermeister in Godesberg zurücktritt. 2002 hatte Christoph Brüse nach monatelangen Querelen sein Amt aufgegeben. Dem Anwalt wurde unter anderem vorgeworfen, Politik und Beruf zu verquicken. In Bonn gab es 2017 planmäßig den Wechsel von Helmut Kollig (SPD) zu Brigitta Poppe-Reiners (Grüne), in Beuel übergab 2011 Wolfgang Hürter (SPD) das Amt an den 2017 verstorbenen Werner Rambow (Grüne).

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