Ausstellung zu Michael Jackson in Bundeskunsthalle in Bonn

Michael-Jackson-Ausstellung : Besucher diskutieren über Missbrauchsvorwürfe

Phänomen, Ikone, King of Pop? So diskutieren die Besucher der Michael-Jackson-Ausstellung in der Bundeskunsthalle über die Missbrauchsvorwürfe gegen den verstorbenen Superstar.

Phänomen, Ikone, King of Pop: Superlative umgeben Michael Jackson, und es gibt eine ganze Reihe bildender Künstler, die sich damit beschäftigt haben, diese zu visualisieren. Da sind etwa die Tanzschuhe, die mit Luftballons auf ihre Spitzen angehoben werden, um die Leichtfüßigkeit des Musikers darzustellen, oder das Gemälde von Jackson hoch zu Ross wie einst der spanische König Philipp II. Andy Warhols stilisierte seinen Freund für eine Darstellung im Time Magazin. Damit beschäftigt sich die Ausstellung „Michael Jackson: On the Wall“ in der Bundeskunsthalle.

Womit sie sich nicht beschäftigt, ist die aktuell durch die Dokumentation „Leaving Neverland“ wieder aufkommende Diskussion um Missbrauchsvorwürfe gegen den verstorbenen Musiker. „Der Bundeskunsthalle ist bewusst, dass man dieses Thema im Zusammenhang mit Michael Jackson nicht ausklammern kann“, sagte Beate Marks-Hanßen, die durch die Ausstellung führte und mit ihren Begleitern an ausgewählten Stationen diskutierte.

Michael-Jackson-Ausstellung stand auf der Kippe

Wegen der Vorwürfe stand die Schau in Bonn auf der Kippe, wurde dann aber doch aufgebaut: Die Ausstellung sei nicht biografisch, so Marks-Hanßen, es gehe um Jackson als Motiv für andere Künstler. Zudem sei sie kuratiert worden, bevor die Diskussion wieder aufgekeimt war.

So müssen Besucher das Thema Kindesmissbrauch in diesen Werken selbst suchen. Viel Interpretationsspielraum lässt das Gemälde von Kehinde Wiley, das Jackson persönlich in Auftrag gegeben hatte. Dieses stellt ihn als König dar, immerhin nannte er sich selbst King of Pop. „Fernab der Realität“, kommentierte eine Teilnehmerin der Führung. „Er hat ja auch in einer Märchenwelt gelebt.“

Michael-Jackson-Ausstellung "On the Wall" in Bonn

Wiley stellte das Werk nach dem Tod Jacksons fertig, aber die beiden Engelsputten, einer mit weißer und einer mit brauner Hautfarbe, über dem Superstar in glänzender Rüstung zu Pferde waren im Original nicht vorgesehen, erklärte Marks-Hanßen.

Man könne überall viel hineininterpretieren, sagten Jil und Marcel, die ihren Nachnamen nicht in der Zeitung lesen möchten. Marcel ist seit zwölf Jahren glühender Jackson-Verehrer, hat sich das Cover zum Album „Dangerous“ auf den Rücken tätowieren lassen. „Ich hatte eine Konzertkarte für seine letzte Tournee, aber er ist vorher gestorben.“

Missbrauchsvorwürfe gegen Jackson muss man suchen

Wie denkt Marcel über die Missbrauchsvorwürfe und die Dokumentation? „Das geht bei mir links rein und rechts raus“, sagt der 26-Jährige. Vieles sei ja auch schon widerlegt. Jil, 21 Jahre alt, empfand es, „als würde seine Naivität ausgenutzt“. Beide fanden die Ausstellung auch deshalb gut, weil das Thema darin nur wenig Platz einnimmt. „Wenn man in der Öffentlichkeit steht, hat man immer mit Schlägen zu rechnen“, sagte Marianne Bürkner. „Und Michael Jackson stand sehr in der Öffentlichkeit.“ Wenn an den Vorwürfen etwas dran wäre, wäre das nicht verzeihbar, sagte Brückner.

„Es ist schwierig, seine Kunst von seinen Taten zu trennen“, sagte Maximilian Blume. Er und Carolin Giese konnten sich vorstellen, dass etwas an den Vorwürfen dran sei. Man werde wohl nie ganz ergründen, wie Michael Jackson eigentlich war, so Blume. Auch die Ausstellung helfe dabei nicht, aber die fanden die beiden klasse.

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