Uniklinik Bonn: Ausländische Fachkräfte aus Griechenland verstärken Pflegeteam

Uniklinik Bonn : Ausländische Fachkräfte aus Griechenland verstärken Pflegeteam

Die Bundesregierung will Ausbildung und Beschäftigung junger Menschen aus EU-Ländern in Deutschland fördern. Kürzlich verabschiedete das Kabinett dazu eine Vereinbarung mit der Bundesagentur für Arbeit. Mit einem Sonderprogramm soll die berufliche Mobilität von ausbildungsinteressierten Jugendlichen und arbeitslosen jungen Fachkräften gefördert werden.

Ganz oben auf der Wunschliste: der medizinisch-pflegerische Bereich. Vor allem für die Intensivstationen werden Fachkräfte gesucht, auch in Bonn.

Im Frühjahr hatte die Uniklinik ihre Fühler Richtung Griechenland ausgestreckt. Mit Hilfe des Bonner Personaldienstleisters Randstad fand man geeignete Kandidaten. Elf gut ausgebildeten Berufseinsteigern konnte man seither auf dem Venusberg eine Chance auf Arbeit und eine Ausbildung zu Intensivpflegekräften geben. "Unsere Erfahrungen sind durchweg positiv", berichtet Pflegebereichsleiter Ernst Fenselau. Und: "Ich gehe davon aus, dass wir fast alle übernehmen werden." Im neuen Jahr sollen weitere griechische Fachkräfte angeworben werden.

Hintergrund ist nicht zuletzt der hohe Leistungsdruck, der auch an der Uniklinik auf den Pflegekräften lastet. Noch immer gibt es offenbar Personalengpässe: Dieser Tage erreichte den GA erneut ein Brief eines Mitarbeiters der Uniklinik Bonn, der die Probleme schilderte. Doch der Einsatz der Griechinnen hilft, die Situation zu verbessern.

Damit sie gut Fuß fassen können, absolvieren sie Sprachkurse, werden in der deutschen Fachsprache geschult und in das 80-köpfige Intensivpflege-Team integriert. Außerdem bekommt jeder einen Mentor zur Seite gestellt. "Die Kollegen sind sehr nett und beantworten alle Fachfragen. Ich bin sehr glücklich hier auf der Station", sagt die 26-jährige Eleni Asser. Obwohl sie nach vierjährigem Studium ihren Bachelor in der Tasche hatte, gibt es für die Pflegefachkraft in der Heimat keine Aussicht auf einen Job.

Die 38-jährige Ptolemaia Mitroulaki hatte bereits in Deutschland gearbeitet, war nach Griechenland zurückgekehrt und schlug Anfang Oktober wieder ihre Zelte in Bonn auf. "Hut ab vor meinen jüngeren Kollegen, sie lernen schnell", meint sie. Das Leben in Bonn habe sie positiv überrascht, alles sei sehr multikulturell.

Eine ausgeprägte "Willkommenskultur" ist auch Jürgen Hindenberg von der Industrie- und Handelskammer (IHK) wichtig, die kürzlich eine Kooperation mit den Kollegen in Barcelona einging. Zurzeit wird geprüft, ob man 2013 zehn Jugendliche nach Bonn holt, um sie als Auszubildende in der Gastronomie einzusetzen. "Trotz aller Werbemaßnahmen bekommen wir bei uns nicht alle Ausbildungsplätze besetzt", berichtet Hindenberg.

Es dürften aber "keine falschen Begehrlichkeiten geweckt werden, wie zum Beispiel in Schwäbisch Hall". Dort hatte die Stadt Journalisten aus kriselnden Euro-Staaten eingeladen, um sich ein Bild vom dortigen Jobangebot zu machen. Ein Beitrag in einer portugiesischen Zeitung löste einen Massenansturm portugiesischer Bewerber aus.

Darauf, dass es sich beim Fachkräftemangel um "kein Massenphänomen wie beispielsweise in den 1960er Jahren handelt", weist Marion Rang von der Bonner Zentralen Auslandsvermittlung der Bundesagentur für Arbeit (ZAV) hin. "Wir haben einen europäischen Arbeitsmarkt, deshalb werden die Leute auch von uns nicht erfasst, es herrscht Freizügigkeit."

Seit einem Jahr wird jedoch auch bei der ZAV verstärkt im Ausland rekrutiert. 2013 ist ein Pilotprojekt, "vor allem in den Eurokrise-Ländern", geplant, um verstärkt Ausbildungswillige nach Deutschland zu holen.

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