Eine Stadt in Bewegung: Ausblick auf das Jahr 2017 in Bonn

Eine Stadt in Bewegung : Ausblick auf das Jahr 2017 in Bonn

Von B wie Beethovenhalle bis W wie Waldau. In Bonn stehen im neuen Jahr zahlreiche Projekte an, und manche von ihnen sind alte Bekannte. Gleich zwei Mal erlebt die frühere Bundeshauptstadt eine Renaissance der Gipfeltreffen.

Beethovenhalle: Die Sanierung hat begonnen und wird in den nächsten Wochen Fahrt aufnehmen. Seit September sind die Säle für Veranstaltungen gesperrt. Mit etwa 60 Millionen Euro aus dem städtischen Haushalt werden die Instandsetzung und Modernisierung kalkuliert, weitere fünf Millionen Euro kommen als Spende von der Sparkasse für den Umbau des bisherigen Studios in einen Kammermusiksaal. Zunächst aber ist da noch Konfliktpotenzial: Für die Neugestaltung der Grünflächen rings um die Halle sollen in den kommenden Monaten 24 teils stattliche Bäume fallen. Bleibt abzuwarten, ob die floralen Nachfolger bis zum Beethovenjahr 2020 optische Akkorde setzen können.

Bonn/Berlin: Mit dem „Statusbericht“ zur Arbeitsteilung zwischen alter und „neuer“ Bundeshauptstadt will Bundesbauministerin Barbara Hendricks nach den Weihnachtsferien ins Kabinett gehen. Das Papier, so ist schon jetzt zu hören, soll wenig konkret sein und vor allem eines nicht enthalten: konkrete Empfehlungen. Und damit – so dürfte es in Bonn interpretiert werden – auch keinen Komplettumzug.

B 56: Wie lange sich Autofahrer noch im Stau auf der B 56 zwischen Beuel und Stadtgrenze quälen müssen, ist ungewiss. Eigentlich sollte mit dem Ausbau längst begonnen worden sein. Aber es gibt gute Nachrichten. Die Pläne für den vierspurigen Ausbau des zweiten Abschnitts zwischen Herrengarten und Kautexstraße liegen jetzt vor. Drei Varianten kommen infrage: Kreisel mit 90 Metern Durchmesser, Turbokreisel mit zwei Streifen und vierstreifige Kreuzung. Und auch mit der Verbreiterung der Bundesstraße in Höhe Vilich-Müldorf, wo die Arbeiten seit über einem Jahr ruhen, soll es nun weitergehen. „Frühjahr 2018“, so lautet jetzt die Parole, wenn die Verantwortlichen nach der Fertigstellung gefragt werden. Autofahrern im obligatorischen Stau bleibt vorerst weiter die Vorfreude.

Gallwitzkaserne: Auf nahezu 76 000 Quadratmetern Bauland kann sich demnächst die Firma Pandion AG als Bauträger entfalten. Für 23,15 Millionen Euro hat die Kölner Baugesellschaft das Gelände der Gallwitzkaserne in Duis-dorf gekauft, auf dem bald das aktuell größte Bonner Wohnbauprojekt bevorsteht. 1200 Menschen sollen nahe der Autobahn ein neues Zuhause finden. Geplant ist, auf dem Grundstück zwischen A 565, Julius-Leber-Straße und Auf dem Kirchbüchel 465 Wohnungen zu errichten – davon 30 Prozent, also 140 Wohnungen, für den sozialen Wohnungsbau. Nicht nur in Duisdorf wird man gespannt sein, welche Strecke das Vorhaben auf dem langen Weg der Planungsphase bis Ende 2017 zurückgelegt haben wird.

Haltestelle UN-Campus: Für alle, die es noch nicht gehört haben: Bonn bekommt in diesem Jahr einen neuen Bahnhof. Dass die Bahnsteige hinter der Museumsmeile im Bundesviertel bislang immer nur als „Haltepunkt“ tituliert werden, dürfte bönnscher Bescheidenheit geschuldet sein. Tatsache aber ist: Ende 2017 soll die Haltestelle der Deutschen Bahn betriebsbereit sein. Und soll täglich von mehr als 4000 Berufspendlern, aber auch von den Besuchern der Museen genutzt werden. Schöner Nebenaspekt aus Bonner Sicht: Die knapp acht Millionen Euro Baukosten übernimmt fast vollständig die Bahn. Noch ist nicht bekannt, in welchem Takt an die Züge hinter den Museen bremsen. Aber die Freunde der rasanten Direktverbindung zwischen Bonn und Bad Godesberg werden sich an einen Zwischenstopp gewöhnen müssen.

Gipfeltreffen: Wer zu vergessen droht, wie sich Bonn als Parkett der internationalen Bühne anfühlt, dem winkt in diesem Jahr Auffrischung: Im Zuge der deutschen Präsidentschaft in der Gruppe der 20 größten Industrienationen und Schwellenländer (G 20) werden zunächst am 16. und 17. Februar die Außenminister der USA und Deutschlands mit ihren Kollegen aus Ländern wie China, Russland, Japan oder Saudi-Arabien zu einem Vorbereitungstreffen im World Conference Center (WCCB) zusammentreffen. Inwieweit das Treffen den Bonner Alltag berührt, wird sich zeigen. Bei der Polizei jedenfalls laufen die Vorbereitungen schon auf Hochtouren. Mehr Aufsehen dürfte die Weltklimakonferenz mit dem vielsagenden Titel COP23 erregen, die vom 6. bis 17. November im WCCB stattfinden wird. Bonn war im November kurzfristig als Standort ausgewählt worden – als Ersatz für die Fidschi-Inseln, die sich zur Ausrichtung nicht in der Lage sahen. Gerechnet wird mit rund 20 000 Teilnehmern aus 190 Ländern.

Hauptbahnhof: Um gleich beim Thema Bahn zu bleiben: Wie die Ölsardinen drängen sich derzeit die Fahrgäste auf den Bahnsteigen zwei und drei des Hauptbahnhofs. Und nicht immer endet das erzwungene Zusammenrücken solidarisch – etwa wenn sich Problemfans auf dem Weg zum Auswärtsspiel, die Koffer chinesischer Messebesucher und eine Gruppe des Eifelvereins denselben Quadratmeter zum Warten teilen müssen. Der Grund für das unfreiwillige Kuscheln an Gleis 2/3: Das Bahnhofsdach wird komplett erneuert, nachdem sich bei Regen regelmäßig Sturzbäche auf den Bahnsteig ergossen hatten. Dann aber erkor die Deutsche Bahn Bonn als „1 von 150“ aus. Bei dem Projekt investiert die DB fast eine Milliarde Euro, um bis zum Jahr 2023 insgesamt 150 Bahnhöfe in Nordrhein-Westfalen instand zu setzen. Und Bonn gehört zu den ersten drei. Bis Ende 2019 sollen hier die Arbeiten abgeschlossen sein. Warum die südliche Verlängerung von Bahnsteig eins für die Dauer der Arbeiten nicht genutzt werden kann, vermochte die Bahn bislang nicht zu erklären. Dafür gaben ihre Mitarbeiter den Fahrgästen auf den Weg ins Gedränge auf dem Mittelbahnsteig den Tipp, sich möglichst „günstig hinzustellen“. Besonders bei durchfahrenden Güterzügen könnte dieser Hinweis noch überlebenswichtig sein.

IT-Sicherheit: Heer, Luftwaffe, Marine – wer bei den drei Begriffen noch an „Waffengattungen“ denkt und dabei gänzlich die Streitkräftebasis und den Zentralen Sanitätsdienst vergisst, dessen Berührung mit der Bundeswehr dürfte bereits eine Weile zurückliegen. Vom 1. April an werden die „Militärischen Organisationsbereiche“, wie sie inzwischen heißen, um eine neue Sparte ergänzt: Das neue Kommando „Cyber- und Informationsraum” der Bundeswehr (Kdo CIR) wird mit seiner Gründung in Bonn angesiedelt und bezieht seinen Gefechtsstand mit zunächst 260 (und perspektivisch bis zu 700) Personen an der Johanna-Kinkel-Straße in Hochkreuz. Der Standort in Sichtweite zur Rheinaue wird damit eines der deutschen Zentren im Kampf gegen Cyberkriminalität. Denn gleich nebenan entsteht der Neubau für das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI). Für den Arbeitsmarkt der Branche sind dies wichtige Nachrichten: Etliche Stellen, zumeist für den höheren Dienst, sind ausgeschrieben.

Kurfürstenbad: Während die Bonner Stadtwerke – abseits ihres originären Aufgabenportfolios – und mit dem Wohlwollen des Rates am Profil für ein neues Hallenbad in Dottendorf feilen, könnte eine andere Aktivität das Konstrukt zum Einsturz bringen, bevor es überhaupt Gestalt annimmt. Sollte sich der Stadtrat nicht dem Bürgerbegehren zum Erhalt des Bad Godesberger Kurfürstenbades anschließen, folgt automatisch ein Bürgerentscheid, in dem die Mehrheit entscheidet – wobei dann mindestens 24 500 Ja-Stimmen nötig sind, um das marode Bad zu retten. Die Schließung von Kurfürsten- und Frankenbad aber gehörte eigentlich zur Basis des gesamten Bäderkonzeptes. Und das droht bei einem erfolgreichen Bürgerentscheid ausgeschüttet zu werden wie das Kind mit dem Bade.

Lutherjubiläum: Die einstige Katholikenhochburg Bonn wird zum Zentrum des Reformationsgedenkens. Unter dem Motto „Luther – teuflisch gut“ gibt es am Reformationstag, 31. Oktober, eine Gala mit Musik, Comedy und Kanzelrede. Mit 5000 Teilnehmern soll die Veranstaltung die größte Reformationsfeier Deutschlands werden. Auf unterhaltsame Weise wollen die Protestanten der kulturellen, gesellschaftlichen und religiösen Relevanz der Reformation an diesem einmaligen Feiertag im kommenden Jahr Gestalt geben. Ort der Veranstaltung ist der Telekom Dome, wozu dem Reformator womöglich sein eigenes Zitat in den Sinn gekommen wäre: „Das passt wie die Faust aufs Auge“. Die Katholiken in Bonn beginnen das Jahr 2017 derweil mit einer Neuorientierung: Wie alle Dekanate im Erzbistum Köln, so werden auch in Bonn die bisherigen vier Dekanate der katholischen Kirche neu geordnet. Seit Sonntag gibt es nur noch ein Dekanat Bonn.

Nordbrücke: Um es kurz zu machen – das Damoklesschwert des Verkehrschaos bleibt noch ein wenig über den Bonnern hängen. Denn die bisherigen Verzögerungen an anderen Baustellen und ausstehende Vorbereitungen deuten darauf hin, dass mit der Grundsanierung der Nordbrücke womöglich erst 2018 begonnen wird. Vervollständigt wird die „Dauerbaustelle Bonn“ erst im Anschluss: Mit Südbrücke und „Tausendfüßler“ (A 565).

Nordfeld und Südüberbauung: Im Frühjahr sollen sie beginnen, die Arbeiten auf dem Gelände gegenüber dem Hauptbahnhof. Dort will die „developer Projektentwicklung GmbH“ aus Düsseldorf ein Gebäudeensemble mit Einzelhandel, Büros, Wohnungen und Gastronomie bauen. Wohlklingender Name der neuen Adresse, die das Bonner Loch überdeckt: „Urban Soul“. Gleich nebenan verschwindet eine weitere Bausünde: Die sogenannte „Südüberbauung“ weicht dem „Maximiliancenter“ mit der Modekette „Primark“ als Hauptmieter. Der Abriss steht kurz bevor, vom Frühjahr an wird neu gebaut. 2020 soll das neue Bahnhofsumfeld dann fertig sein.

Pützchens Markt: Als ob „Pützchen“ nicht schon per se genug Grund zum Feiern böte – in diesem Jahr kommen Veranstalter und Besucher um eine Besonderheit definitiv nicht herum. Zum 650-jährigen Bestehen der historischen Wallfahrt wird am Festprogramm mit Ausstellung bereits akribisch gefeilt. Der Fassanstich erfolgt diesmal mit Pauken und Trompeten: Am 7. September, dem Vorabend der Kirmeseröffnung, gibt der neue Generalmusikdirektor Dirk Kaftan sein erstes Konzert mit dem Beethoven Orchester Bonn – und zwar im Bayernzelt.

Uni-Bibliothek: Wohin mit der Philologischen Bibliothek der Universität? Die Suche nach geeigneten Räumlichkeiten von mehr als 6000 Quadratmetern dürfte auch im neuen Jahr weitergehen, nachdem aus der Ansiedlung im Viktoriakarree in Gesellschaft eines Einkaufszentrums bekanntlich nichts wurde. Die Zukunft des Viertels rund um das ehemalige Viktoriabad liegt von Februar an in den Händen einer Bürgerwerkstatt. Diese Form der Bürgerbeteiligung hatte der Stadtrat beschlossen, als er sich dem Bürgerbegehren gegen das Einkaufszentrum angeschlossen hatte.

Viktoriabrücke: Keine halben Sachen, das schöne Motto kann für die Viktoriabrücke zurzeit nur eingeschränkt gelten. Denn anstelle einer Fahrspur klafft derzeit ein Loch, das den Blick auf die Bahngleise freigibt. Wenn alles gut läuft, könne bis Ende 2017 die Ostseite der wichtigen Bonner Verkehrsspange zwischen West- und Nordstadt erneuert sein, so teilte das Tiefbauamt jetzt mit. Noch mehr Vorfreude dürfte das Amt den Bonnern mit der Mitteilung bereiten, wann genau die geplante Rampe von der Thomasstraße den Gordischen Verkehrsknoten auf der Bornheimer Straße entwirrt.

Wahlen: Keine Kommunalwahl, dafür aber eine Landtagswahl (Mai) und eine Bundestagswahl (September) werden in diesem Jahr auch die Bonner beschäftigen. Es ist wie im echten Leben: Die Platzhirsche wollen Mandate verteidigen, andere kämpfen um den Klassenerhalt oder den (Wieder-)Aufstieg. Also bitte nicht wundern: Mit personalisierten Werbeplakaten am Straßenrand ist zu rechnen.

Waldau: Seit zwei Jahren liegt das beliebte Ausflugslokal am Rande des Kottenforstes im Dornröschenschlaf. Jetzt aber soll neues Leben einkehren. Mit dem neuen Jahr wurde der Eigentümerwechsel wirksam. Das Restaurant wird ab Februar modernisiert und umgebaut. Die Wiedereröffnung ist für den Sommer geplant.

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