Essen auf Rädern: Auf Tour mit dem Bonner Lieferdienst für Senioren

Essen auf Rädern : Auf Tour mit dem Bonner Lieferdienst für Senioren

Die Organisation„Essen auf Rädern“ aus Bonn ist mehr als ein Lieferdienst. Seit 1962 bringen die ehrenamtlichen Helfer Mahlzeiten ins Haus.

Ein weißer Transporter der Johanniter fährt gegen 9.30 Uhr auf den Hof der Paritätischen Sozialdienste Bonn. Im Laderaum befinden sich 141 Mahlzeiten. Seelachsfilet, süßer Kirsch-Michel, mexikanischer Hacktopf und Nudeln in Rahmsoße stehen unter anderem auf dem Speiseplan. Die Mahlzeiten liefern ehrenamtliche Helfer von „Essen auf Rädern“ in den nächsten drei Stunden in ganz Bonn aus.

Georg Fobes und Martin Rahner sind zwei dieser rund 70 Helfer. Seit knapp fünf Jahren fahren sie Tour Nummer sieben, die durch Kessenich bis in die Bonner Altstadt führt. An zwölf verschiedene Adressen liefert das Duo warme Mahlzeiten aus. Fobes am Steuer und Rahner auf dem Beifahrersitz. Der 72-jährige Fobes fährt in der Woche zwei Touren. Seit inzwischen elf Jahren. Der frühere Hausarzt aus Ippendorf möchte durch seine ehrenamtliche Tätigkeit der Gesellschaft etwas zurückgeben. „Mir geht es schließlich gut. Abgesehen davon: Was soll ich sonst mit meiner ganzen freien Zeit als Rentner anfangen“, sagt Fobes.

Sein Begleiter Martin Rahner (84) ist ein ehemaliger Patient von Fobes. Vor knapp fünf Jahren überzeugte Fobes ihn, bei Essen auf Rädern auszuhelfen. „Ich bin ein sogenannter Springer“, sagt Rahner. Wenn Fobes als Fahrer ausfällt, übernimmt Rahner seinen Platz. Ansonsten hilft er als Beifahrer aus. Dieser ist dafür zuständig, das Essen dem jeweiligen Kunden vorbeizubringen. In der Zeit sortiert der Fahrer die nächste Mahlzeit von einer großen in eine kleine Warmhaltebox zum Transportieren. In der Wohnung der Kunden wird das Essen von der Warmhaltebox von den Helfern von Essen auf Rädern in die eigene Box des Kunden umgeräumt. Das sei aus hygienischen Gründen Vorschrift.

Eingespieltes Team

Grundsätzlich ist es vorgesehen, dass die Touren von zwei ehrenamtlichen Helfern durchgeführt werden. Doch dafür fehlt es an Freiwilligen. „Wir bräuchten insgesamt 75 Helfer“, sagt Isabelle Reusch von Essen auf Rädern. „Da uns derzeit sechs fehlen, fahren einige unserer Freiwilligen ihre Tour alleine.“ Das gehe aber nur in Ortsteilen, in denen es garantiert Parkmöglichkeiten gebe. In der Altstadt ist eine Fahrt ohne Beifahrer unvorstellbar. „Manchmal halten wir vor Einfahrten und müssen im Zweifel schnell wegfahren können“, sagt Fobes.

Er und Rahner sind inzwischen ein eingespieltes Team. Während Fobes fährt, achtet Rahner mit auf den Verkehr. Das Duo kennt seine Kunden inzwischen gut. „Eine Dame hat keine Warmhaltebox zu Hause und stellt das Essen stattdessen in ihr warmes Bett“, erzählt Fobes. „Viele freuen sich, wenn sie mit uns ein paar Minuten reden können“, erzählt Rahner. Für viele Kunden sei Essen auf Rädern mehr als nur ein Lieferdienst. „Es erleichtert unser Leben ungemein und gibt meinem Mann viel Lebensqualität“, sagt Ingrid Husemann. Ihr Ehemann ist seit einem Schlaganfall schwerbehindert und bekommt seit einigen Monaten die Mahlzeiten von Essen auf Rädern. geliefert. Die ehrenamtlichen Helfer liefern nicht nur das Essen aus, sondern öffnen ihm auch die Verpackung. Voraussetzung, um von der Hilfsorganisation beliefert zu werden, ist ein Mindestalter von 65 Jahren oder ein Handicap. Insgesamt 165 Kunden bekommen derzeit ihre Mahlzeiten von Essen auf Rädern. 135 erhalten täglich ein warmes Essen, andere nur an einigen Wochentagen.

Hilfsorganisation besteht seit 1962

Mit einem Vorlauf von zwei Wochen können die Kunden zwischen sechs Menüs wählen. Diese kosten zwischen 6,45 Euro und 7,85 Euro und werden von einer Großküche in in Rheine zubereitet. Bei einem geringen Einkommen besteht die Möglichkeit, Zuschüsse zu bekommen. Die Mahlzeiten werden vorgekocht, schockgefrostet und am Auslieferungstag fertig gekocht.

Die Hilfsorganisation besteht seit 1962 in Bonn und hatte das Modell: „Meals on Wheels“ aus England zum Vorbild. Nach Krefeld war Bonn die zweite deutsche Stadt, die dieses Konzept umsetzte. Ziel der Organisation ist es, den Menschen so lange wie möglich ein eigenständiges und selbstverantwortliches Leben zu ermöglichen. „Besonders, weil es immer schwieriger wird, einen Heimplatz zu finden, ist die Arbeit bei Essen auf Rädern so wichtig“, findet Fobes. Solange er noch Auto fahren könne, möchte er bei Essen auf Rädern weiter mithelfen.

Essen auf Rädern, Lotharstraße 84, 02 28/21 01 06 und 21 63 64; Mail: kontakt@essen-auf-raedern.de

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