Hirsche im Gehege: Auf der Bonner Waldau hat die Brunftzeit begonnen

Hirsche im Gehege : Auf der Bonner Waldau hat die Brunftzeit begonnen

Viele Besucher nutzen das sonnige Herbstwetter für einen Ausflug in die Bonner Waldau. Die Hirsche im Gehege machen Pause beim Liebeswerben.

„Der röhrt den ganzen Tag“, merkte Claudia Hagelstein an, als sie am Samstag ihre Bäckerei in Ippendorf schloss. Gemeint war der Hirsch im Gehege an der Waldau. Auch die Stadt hatte wie berichtet verkündet, dass man derzeit den Brunftruf des Hirsches vernehmen kann. Doch sie ließen nichts von sich hören. Herr Hirsch lag, umringt von seinen Kühen, träge im Gras und hielt Siesta. In Sachen Trägheit wurde er nur von seinem älteren Artgenossen überboten, der sich, schwer an seinem Geweih tragend, von einem Schlafplätzchen zum anderen schleppte und dann wie tot dalag. Eine Gruppe junger Männer versuchte, ihn mit lautstarkem Grölen zu animieren. Zwei junge Frauen aus Bonn, die sich gerne im Kottenforst aufhalten, fotografierten resigniert den vor sich hin dösenden Hirsch.

Das einzige Getöse, das im Wald zu vernehmen war – abgesehen vom fröhlichen Kinderlärm vom Spielplatz – war der Konkurrenzkampf im Wildschweingehege um das Futter der Besucher oder um die schönste Schlammpfütze. Der Hirsch schwieg. Dieser erhabene Vielender, wie er in der Natur steht, den Kopf erhoben, und seine unumstrittene Herrschaft in seinen Wald hinausröhrt, er verweigerte sich. Dieses Symbol kitschigen Heimatgefühls, zu finden auf zahllosen Wandtellern und Gemälden, es wollte kein Lebenszeichen von sich geben. Stattdessen lag es am Boden, als wolle es den Besuchern die aktuelle Trägheit der Politik, des Nationalmannschaftsfußballs, der deutschen Willkommenskultur vor Augen führen. Oder zu mehr Gelassenheit mahnen.

Eine Gruppe aus mehreren Müttern und Kindern hielt sich zwischen Rot- und Damwildgehege auf und wollte eigentlich die Tiere füttern. Die Kinder erbettelten sich einen Becher Futter aus dem Automaten und schüttete es die Rampen hinab. Allerdings ließen sich die Paarhufer nicht dazu herab, es auch zu fressen. Man hätte darauf kommen können, dass sie keinen Hunger haben, denn an der Futterstelle lagen schon Berge nicht verputzter Kastanien. Den Euro hätten sich die Eltern auch sparen können.

Anlaufstelle Spielplatz

Doch auch ohne das schaurige Röhren konnten die Besucher einen entspannten Nachmittag auf der Waldau verbringen, deren Laubbäume ihre volle Herbstfarbenpracht zeigen.Das Wetter gab es am Wochenende noch einmal her. Eine Familie aus Sankt Augustin war gekommen, um Tiere zu gucken. Warum an der Waldau und nicht woanders? Es sei einfach schön dort oben, und abseits von Gehege und Spielplatz auch ruhig. Abschluss des Spaziergangs war der Spielplatz.

Im Lauf des Nachmittags füllte sich der Wald mit Menschen, dann wurde es auch auf der Zufahrtstraße eng; einige Besucher parkten unerlaubt. Am Spielplatz sammelte sich eine Gruppe Kinder mit Luftballons und Geschenken in den Händen zur Geburtstagsfeier. Auf den Klettergerüsten und an den Schaukeln herrschte reges Treiben. Eine Familie zog einen Bollerwagen mit einer großen Kiste voller Kastanien vorbei. Die Haribo-Tauschaktion gegen Süßigkeiten ist längst vorbei. Vermutlich sollten jetzt die Hirsche von den Früchten des Herbstes profitieren.

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