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Prozess in Bonn: Attacke wegen Streit um Parkplatz

Prozess in Bonn : Attacke wegen Streit um Parkplatz

Weil die Verwalterin einer Wohnanlage in Tannenbusch einen Mieter am 9. Oktober 2013 daran hindern wollte, die Feuerwehrzufahrt zuzuparken, soll der 27-Jährige sie attackiert und sogar angefahren haben.

Am Mittwoch musste sich der Mann vor dem Amtsgericht wegen gefährlicher Körperverletzung und Sachbeschädigung verantworten - und ließ nichts aus, um die 49-Jährige schlecht zu machen.

Nichts, aber auch gar nichts habe er der Frau getan, versicherte er vor Strafrichter Alexander Fühling. "Herr Richter, ich sitze nur hier, weil die Frau Märchen erzählt." Sie wolle immer alle kontrollieren und sei sauer und hysterisch geworden, weil er nicht gehorcht habe.

Dabei habe er nur kurz in der Feuerwehrzufahrt gestanden, um mit seinem Bruder etwas aus seiner Wohnung zu holen, während ein Freund im Auto gewartet habe. Die zwei könnten bezeugen, dass er nichts gemacht habe. Diese Zeugen aber hatte er zunächst gar nicht erwähnt. Erst im ersten Prozesstermin im vergangenen Jahr hatte der auch wegen Betruges Vorbestrafte sie plötzlich dem Gericht präsentiert - mit der Folge, dass der Prozess geplatzt und vertagt worden war.

Der Bruder des Angeklagten ließ sich nicht blicken

Und während der Freund gestern die Geschichte des Angeklagten teils wortgetreu bestätigte, ließ sich der Bruder des 27-Jährigen trotz Zeugenladung nicht blicken. Und unter dessen Handynummer, die der Angeklagte dem Richter diktierte, gab es keinen Anschluss. Wegen unentschuldigten Fehlens brummte der Richter dem Bruder 150 Euro Ordnungsstrafe, ersatzweise drei Tage Haft auf.

Ausgesprochen glaubwürdig wirkte die Verwalterin im Zeugenstand. Sie schilderte, wie der Angeklagte sich wie so oft auf die Zufahrt für Feuerwehr und Rettungswagen habe stellen wollen, und wie sie sich ihm in den Weg gestellt habe: "Ich habe ihm mit Handbewegungen gezeigt, dass er wieder zurückfahren soll und ihm das auch zugerufen." Doch der 27-Jährige habe sie aggressiv angeschrien, sie solle verschwinden.

Sie aber sei stehengeblieben, und da sei er aus dem Auto gesprungen und ihr so nahegekommen, dass sie ihn um Abstand gebeten habe wegen seines Mundgeruchs. Daraufhin habe er ihr das Handy aus der Hand geschlagen, sei ins Auto gestiegen und gegen ihr Schienbein gefahren. Doch weder ihrem Handy noch ihrem Bein sei etwas passiert. Und noch etwas erklärte die Zeugin: Der Angeklagte saß allein im Auto. Weil der Bruder als Zeuge fehlte, konnte der Prozess wieder nicht beendet werden.