Kommentar zur Beethovenhalle Bonn: Atempause ohne Resultat

Kommentar zur Beethovenhalle Bonn : Atempause ohne Resultat

Die Führung über die Baustelle hat etwas Transparenz in das Thema Beethovenhalle gebracht. Doch eine Lösung für die Probleme wie ausufernde Kosten und zeitlicher Ablauf sind noch nicht in Sicht, meint GA-Redakteur Andreas Baumann.

Das war eine unkonventionelle, gute Idee: Interessierte Bürger hatten am Wochenende auf Einladung der Stadtverwaltung die Chance, sich auf der Baustelle der Beethovenhalle einen Eindruck zu verschaffen. Sie konnten sich überzeugen, dass der größte Teil der Rohbauarbeiten geschafft ist, erfuhren viel über die Belange des Denkmalschutzes in der Halle und die Komplexität einer solchen Sanierung. Es war ein Akt der Transparenz.

Weniger offen geben sich Oberbürgermeister Ashok Sridharan und seine Verwaltung bei den wirklich wichtigen Themen in der Beethovenhalle. Die Baustellen-Krise eskaliert an den folgenden drei Knackpunkten. Erstens: Den Projektplanern vom Architektenbüro Nieto Sobejano Arquitectos, denen die Stadtverwaltung seit zwei Jahren immer wieder mangelhafte Arbeit vorwirft.

Zweitens: Einem Terminplan zur Koordinierung aller Baumaßnahmen, der noch zu Monatsbeginn offenbar voller Fehler steckte. Und drittens: Den mittlerweile vier Technik-Firmen, die ihre Aufträge wegen Zeitverzugs gekündigt haben. Dass die Techniker die Baustelle verlassen haben, hat üble Auswirkungen auf Kosten und Dauer der Sanierung. Zum einen werden nachfolgende Ausbaugewerke behindert, was zu teuren Nachtragsforderungen oder weiteren Kündigungen führen dürfte.

Zum anderen müssen die Technikaufträge neu ausgeschrieben werden. Das dauert Monate – bei weiter steigenden Baupreisen. Selbst wenn es gelingt, die Kündiger-Firmen zurückzuholen, werden diese nur gegen satte Aufschläge weitermachen. Und ob sie überhaupt wollen? Dazu schweigt die Stadtverwaltung ebenso wie zum Zustand des Terminplans. Das lässt wenig Gutes erahnen.

Am 18. März hatten Sridharan und der verantwortliche Stadtdirektor Wolfgang Fuchs den Rat um „eine Atempause von vier bis sechs Wochen“ gebeten, um ein Konzept für die Vollendung des Projekts zu erarbeiten. Jetzt sind zehn Wochen vorbei, und eine Lösung ist nicht in Sicht. Bei allem Verständnis für die verfahrene Lage: Die Stadtspitze sollte schnellstens Ergebnisse liefern.

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