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Bonner Kindergärten: Assistenten sind oft nicht vom Fach

Bonner Kindergärten : Assistenten sind oft nicht vom Fach

Die Leiterin einer Bonner Kindertagesstätte beklagt, dass ihre Einrichtung viel Zeit für das Anlernen fachfremder Kräfte als Kita-Assistenzen aufwenden muss.

Hanna, Paul und Lea (Namen von der Redaktion geändert) sind ein fröhliches Gespann. Während die dreijährige Hanna alles liebt, womit man irgendwie Musik machen kann, fühlen sich Paul und Lea im Garten der Bonner Kindertagesstätte besonders wohl. Dass die drei gemeinsam mit Gleichaltrigen lachen, spielen und lernen, ist nicht nur ihren Eltern, sondern auch den engagierten Erziehern zu verdanken. Denn Hanna, Paul und Lea sind behindert.

Sie haben körperliche oder geistige Einschränkungen, sind auffällig in ihrem Sozialverhalten. Deshalb stehen ihnen Kindergartenassistenten zur Seite. Sie sollen den Drei-, Fünf- und Sechsjährigen helfen, so weit wie möglich am alltäglichen Leben der Kita teilzunehmen. Seit 2006 können Eltern von Kindergartenkindern eine solche Unterstützung beantragen. Bis April 2016 wurden in Bonner Tageseinrichtungen 48 Integrationsassistenzen bewilligt.

Diese helfen beim Anziehen und Essen oder übernehmen Pflegearbeiten. Doch nicht alle sind vom Fach. Mal hat ein gelernter Handwerker die Arbeit übernommen, mal wurde ein junges Mädchen eingesetzt. „Sie alle waren lieb und nett. Darüber kann ich mich nicht beklagen“, erzählt die Leiterin der Einrichtung. Doch nur einer sei bisher für die Arbeit qualifiziert gewesen.

Bereits seit einigen Jahren – lange bevor das Thema Inklusion aufkam – nimmt die Kitaleiterin kranke und behinderte Geschwisterkinder in der Kita auf. Deshalb kennt sie mittlerweile auch verschiedene Kindergartenassistenten.

Denn immer dann, wenn ein neuer Begleiter für einen gewissen Zeitraum bewilligt wurde, müssen ihn die Erzieher anleiten. Eine Aufgabe, die viel Zeit in Anspruch nimmt, die eigentlich anders genutzt werden soll. „Wären es Pflegefachkräfte, dann müssten wir das nicht so ausführlich übernehmen“, erzählt die Leiterin.

„Die Qualifikation ist abhängig vom Bedarf des Kindes. Da die Kosten durch den Sozialhilfeträger übernommen werden, ist er berechtigt, die Leistungen zu kontrollieren“, erklärt Stefanie Zießnitz vom Presseamt dazu. Die Stadt arbeite mit verschiedenen Organisationen zusammen. „In der Regel handelt es sich um Leistungsanbieter, die bereits Erfahrung in der Ausführung von Leistungen zur Teilhabe für Kinder mit Behinderung haben“, so die Sprecherin.

Häufig machen die Assistenten ein Freiwilliges Soziales Jahr

Die Lebenshilfe in Bonn übernahm 2015/16 35 Begleitungen. Während für die fachliche Assistenz eine Ausbildung oder ein Studium im pädagogischen Bereich notwendig ist, ist dies für die reguläre nicht vorgesehen. „Es können Mitarbeiter zwischen 18 Jahren und der Rente sein; bei vielen Anbietern werden Leute aus dem Freiwilligen Sozialen Jahr eingesetzt“, erklärt Susanne Land von der Lebenshilfe. „Wir arbeiten aber mit Mitarbeitern mit “bunten„ Lebensläufen und Motivationen zusammen.“

Ähnlich Voraussetzungen gelten bei der Diakonie. Auch dort wird zwischen fachlicher und nichtfachlicher Assistenz unterschieden. Allerdings: „Unsere eingesetzte Mitarbeiterin in der nichtfachlichen, also regulären Assistenz ist Pflegehelferin und kam aus der ambulanten Pflege zu uns“, betont Beate Krugel von der Diakonie. „Die Zusammenarbeit klappt gut, weil zu Beginn jeder Begleitung Gespräche über die Aufgaben geführt werden.“

Ob ein Kind eine fachliche oder nichtfachliche Assistenz bekommt, hängt von der Behinderung ab. Es handelt sich um individuelle Einzelfallentscheidungen des Kostenträgers. Hanna, Paul und Lea werden sich in diesen Tagen abermals an ein neues Gesicht gewöhnen müssen. Denn jetzt wird ihnen wieder ein neuer Begleiter zur Seite gestellt. „Wer das sein wird, wissen wir nicht. Davon müssen wir uns auch immer wieder überraschen lassen“, so die Kindergartenleiterin.