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Arzt aus Bonn soll Geliebte um Geld betrogen haben - lange Haftstrafe

Gerichtsurteil in Bonn : Bonner Arzt soll mehrere Geliebte um Geld betrogen haben

Das Bonner Landgericht hat am Dienstag einen 41-jährigen Arzt aus Bonn wegen Betrugs in 24 Fällen zu vier Jahren und neun Monaten Haft verurteilt. 30 Verhandlungstage hatte es gebraucht, um die unzähligen Vorwürfe gegen den Mann aufzuarbeiten.

Wegen Betrugs in 24 Fällen hat das Bonner Landgericht am Dienstagnachmittag einen 41-jährigen Arzt aus Bonn zu vier Jahren und neun Monaten Haft verurteilt. Außerdem wurde der Mediziner des Diebstahls, der Nötigung und des Missbrauchs von Berufsbezeichnungen für schuldig befunden. Der Fall sei eine besondere Herausforderung für die Kammer gewesen, befand der vorsitzende Richter Jens Rausch gleich zu Beginn der mehrstündigen Urteilsbegründung. 30 Verhandlungstage hatte es schließlich gebraucht, um die unzähligen Vorwürfe gegen den Mann aufzuarbeiten.

"Man konnte einerseits den Eindruck gewinnen, dass hier ein höchst krimineller Mann die Bonner Justiz vor große Herausforderungen stellt", so Rausch weiter. Andererseits müsse man aber auch versuchen, die Person zu verstehen. Jedenfalls hatte ein Gutachten ergeben, dass der Angeklagte unter einer narzisstischen Persönlichkeitsstörung leide.

Nach dem Abitur schrieb sich der junge Mann zunächst an der Bonner Universität im Fach Zahnmedizin ein, um nach dem Vorklinikum zur Humanmedizin zu wechseln. Nach dem Studienabschluss an der Bonner Uni wollte der frisch approbierte Arzt eigentlich seine Ausbildung zum Facharzt für Neurologie und Psychiatrie abschließen. Weil er aber merkte, dass er als sogenannter Honorararzt in kurzer Zeit sehr viel mehr Geld verdienen konnte, gab er dieses Ziel auf.

Die lukrative Tätigkeit an Kliniken in ganz Deutschland trieb den Mann aber schnell an seine Belastungsgrenze und so besann er sich auf mehrere von ihm abgeschlossene Versicherungen. Bei denen beantragte er sodann Krankentagegeld, allerdings gab er die Tätigkeit als Honorararzt nicht vollständig auf und kassierte auf diese Weise mehrfach.

Außerdem soll er überhöhte Honorarrechnungen gestellt und sich vergeblich und mit gefälschten Unterlagen um den Abschluss weiterer Versicherungen bemüht haben. Obwohl bereits seit Langem privat versichert, hat er zudem versucht, Zugang zur gesetzlichen Krankenversicherung zu bekommen.

Wegen seiner Persönlichkeitsstörung konnte der Arzt offenbar mit dem finanziellen Einbruch nicht umgehen und suchte nach anderen Wegen, mit denen er seinen aufwendigen Lebensstil aufrechterhalten konnte. Eine Villa am Venusberg und ein weiteres Anwesen in Siegburg hatte der verheiratete Mann und Vater bereits gekauft; zu seinem Fuhrpark gehörten unter anderem ein Porsche Panamera, ein Ford Transit und ein Tesla.

Weil er sich offenbar auch in Liebesbeziehungen zu Frauen bestätigt sah, nutzte er seinen Charme, um teilweise gleichzeitig bis zu vier Beziehungen aufrecht zu erhalten. In denen stillte er aber nicht nur seine sexuellen, sondern auch seine finanziellen Bedürfnisse. Mit Geschick brachte er drei Frauen dazu ihm Geld zu geben: Zu einer Krankenschwester soll er eine aus deren Sicht zunächst wilde, aber besondere Liebesbeziehung unterhalten haben, in deren Verlauf er sich auch Geld borgte.

Als er es erhalten hatte, ließ er allerdings schnell nichts mehr von sich hören. Und auch die Zahlung stritt er nach dem Aus der Beziehung zunächst rundum ab. Nachdem die Frau eine Quittung vorlegte, bestritt er, dass diese von ihm stamme und als schließlich sogar ein grafologisches Gutachten die Echtheit seiner Unterschrift bestätigte, änderte er seine Aussage dahingehend, dass es sich bei dem Betrag um die Kosten für insgesamt 25 Botox-Behandlungen gehandelt habe.

Auch zu zwei weiteren Frauen, einer Bankerin und einer Ärztin nahm er Beziehungen auf, nach denen die Opfer um mehrere Hunderttausend Euro ärmer und eine von ihnen um ein Kind reicher waren. Angeblich zur lukrativen Anlage borgte er sich immer wieder hohe Beträge. In einem Fall summierte sich der ergaunerte Betrag auf über 360.000 Euro: "Da kann ich dir nur einen Tipp geben: Gib das Geld mir", soll er der Bankerin beschieden haben, die sich gerade von ihrem Ehemann getrennt hatte und von diesem eine größere Summe als Ablöse für das gemeinsame Haus erwartete.

Weil sich die Ärztin als nicht so leichtgläubig erwies, musste er ihr allerdings die Papiere für den Panamera als Pfand überlassen. Rund 820.000 Euro soll der Gesamtschaden aus Versicherungsbetrug und den amourösen Betrügereien betragen haben. Die Verteidigung schließt eine Revision nicht aus, die Staatsanwaltschaft hatte eine Haftstrafe von sechseinhalb Jahren beantragt.