In Ippendorf: Anwohner diskutieren über "Sperrmüll auf Abruf"

In Ippendorf : Anwohner diskutieren über "Sperrmüll auf Abruf"

Zu den Pilot-Stadtteilen, in denen "Sperrmüll auf Abruf" zurzeit getestet wird, gehört Ippendorf. Anwohner trafen sich jetzt zu einem ersten Erfahrungsaustausch über das neue Modell.

„Sperrmüll auf Abruf“: Was es im Rhein-Sieg-Kreis schon eine Weile gibt, wird auch in Bonn seit anderthalb Jahren in ähnlicher Form getestet. Zu den fünf Pilot-Stadtteilen gehört auch Ippendorf, und dort wollte die SPD Ippendorf/Venusberg nicht auf die Bürgerbefragung durch Bonnorange im Herbst warten: Die Stadtverordneten Gabriele Klingmüller und Herbert Spoelgen hörten sich am Dienstagabend im Vereinshaus an, welche Erfahrungen die Stadtteilbewohner gemacht haben.

Vier Sperrmüll-Abholtermine übers Jahr verteilt werden angeboten, aber nicht zu festgelegten vierteljährlichen Zeiten, sondern nach Vereinbarung entweder telefonisch oder per Mail. Das sei attraktiv für Bonnorange, sagte Klingmüller. Es ermöglicht der Firma SKM-Aufbruch, die seit Februar 2018 auch Entrümpelungen in den Pilotgebieten durchführt, eine planbare Abholung ohne Durcheinander. Dafür muss man vorab genau auflisten, welche Gegenstände mitgenommen werden sollen.

Zu unflexibel, fand ein Teilnehmer, denn in der Zeit vom Anruf bei Bonnorange bis zur Abholung könnten ja noch Gegenstände dazu kommen, die man aber nicht mehr nachträglich anmelden könne. Über die flexibleren Termine freute sich dagegen eine Bewohnerin: „Man muss nicht so lange auf einen Termin warten.“ In der Regel erhalte man Termine innerhalb von zwei Wochen. Ein weiterer Vorteil der Abholung auf Abruf sei, dass man nicht mehr so viele „Müllnomaden“ mit osteuropäischen Kennzeichen sehe.

Bei den offiziellen Terminen sei ihre einseitig beparkte Straße wegen der Sperrmüllhaufen oft überfüllt, berichtete eine andere Ippendorferin, die sich deshalb ebenfalls für die flexible Alternative aussprach. Sie störten ebenfalls die gewerblichen Sammler, die schon zwei Tage vorher in den Straßen patrouillierten und auch fragen würden, was die Leute in den Wohnungen hätten. Dadurch, dass der Abholtermin nicht mehr öffentlich angekündigt sei, sei dieser Müllnomadenverkehr stark zurückgegangen.

Schlecht sei allerdings, wenn man nur Kleinteile habe, meinte ein Mann: „Für ein Teil rufe ich ja nicht an.“ Aber der kaputte Stuhl zum Beispiel stehe dann herum - früher habe man ihn einfach zu den festen Terminen an den Straßenrand gestellt. Bei den Nachbarn dazustellen dürfe er das wegen der Abholliste auch nicht. Ein anderer Teilnehmer konterte, Nachbarn könnten sich auch zusammentun. „So kommt man auch ins Gespräch“. Andere berichteten, dass die Abholer bei Kleinteilen durchaus kulant seien.

Ein älterer Bürger brachte die Idee einer Mischform ins Gespräch: zwei feste Termine und zwei auf Abruf. Dafür sprachen sich auch andere aus. Die festen Termine würden für die Bürger mehr Planungssicherheit bringen. Allerdings bezweifelten manche, dass Bonnorange so flexibel ist, sich auf ein Sowohl-als-auch einzulassen. Der Ippendorfer Michael Strahl bedauerte, dass durch Abholung auf Abruf weniger Gegenstände in eine Zweitverwertung gelangten, etwa durch Studierende, die sich mit Sperrmüll ihre Buden einrichten. „Das Allerbeste, was passieren kann, ist, dass die Sachen wiederverwertet werden.“ Dafür wären aber feste Abholtermine besser geeignet, da der Sperrmüll vernichtet werde. Andere Teilnehmer wiesen darauf hin, dass man seine alten Möbel auch in Tauschbörsen einstellen kann.

Die Veranstalter freuten sich über die rege und konstruktive Diskussion. Darüber, wie es nach der zweijährigen Testphase weitergeht, wird am Ende die Politik entscheiden, sagte Klingmüller. Sie wolle die Pros und Kontras mit in die politischen Gremien nehmen.

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